Am Wachstum Chinas teilhaben? Deutsche Firmenkundenbanken helfen dabei mit unterschiedlichen Lösungsansätzen.

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23.10.19
Wirtschaft

Firmenkundengeschäft: Die China-Angebote

Wie genau unterscheiden sich die Produkt- und Dienstleistungsangebote verschiedener Banker für deutsche Firmenkunden in China? Teil 2 der FINANCE-Serie zum China-Geschäft.

Nachdem wir in Teil 1 unserer China-Serie die lokale Aufstellung und die Netzwerke der fünf untersuchten Banken vor Ort beleuchtet haben, taucht Teil 2 der FINANCE-Serie tiefer in die Produkt- und Service-Angebote von Deutscher Bank und Commerzbank, LBBW, HSBC und Standard Chartered in China ein. Mit diesen Lösungen versuchen sie, von dem starken Expansionskurs deutscher Unternehmen in China zu profitieren. Diese Geschäfte sind inzwischen zu wichtigen Ertragssäulen im Firmenkundengeschäft mit deutschen Kunden geworden.

Steinmüllers Handschrift bei der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank – stark am chinesischen Bondmarkt verwurzelt – bietet auch in China ihren europäischen Kunden sämtliche Kernprodukte der klassischen Transaktionsbank an: Cash Management, Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierung, FX-Hedging und Risikomanagement. Kein Zufall: Mit Werner Steinmüller ist ausgerechnet der frühere Chef der Transaktionsbank inzwischen für das gesamte Asiengeschäft der Deutschen Bank verantwortlich. Zudem ist die Deutsche Bank nach eigenen Angaben die erste Bank, die weltweit Währungsabsicherung mit dem chinesischen Renminbi anbietet. Drehscheibe dieses Geschäfts ist Hongkong.

Global tätige Firmenkunden der Deutschen Bank können grenzüberschreitende Renminbi-Spot- und Devisenderivate über eine der weltweiten Niederlassungen der Bank abwickeln. Zu den weiteren Bestsellern aus dem China-Portfolio der Deutschbanker gehört auch das Produkt „FX4Cash“. Damit können Firmenkunden über eine globale Plattform Zahlungen in lokaler Währung in 180 Ländern abwickeln oder eingehende Zahlungen automatisch in die Kontowährung konvertieren, ohne selbst ein Fremdwährungskonto zu besitzen.

Standard Chartered will Geldflüsse optimieren

Die Angebotspalette der Standard Chartered Bank ähnelt stark jener der Deutschen Bank. Eine Spezialität der grün-blauen Bank sind grenzüberschreitende Cash-Management-Lösungen. Diese sind zum Beispiel für solche Firmenkunden interessant, die hohe  Liquiditätsüberschüsse in China mit einem Investitionsbedarf in einem anderen asiatischen Land kombinieren möchten.

Ein Ausnahmeprodukt, mit dem sich die HSBC abzuheben versucht, ist die Möglichkeit, für Firmenkunden Steuerzahlungen in 41 und Zollzahlungen in fünf chinesischen Städten abzuwickeln. Diesen Service bieten normalerweise nur chinesische Banken an. Die Kapitalmarkt-Palette der HSBC in China entspricht der einer führenden internationalen Großbank: Anleiheemissionen, Asset Backed Securities, Konsortialkredite, strukturierte Finanzierungen und M&A-Beratung zählen etwa dazu.

LBBW setzt in China auf das „German Centre“

Eher klassisch hält es dagegen die Commerzbank. Ihr China-Basisprodukt für deutsche Firmenkunden sind klassische Working-Capital- und Anlagefinanzierungen. Daneben sieht die Bank ihre Stärken in den Bereichen Währungsabsicherung und Handelsfinanzierung. Auch in der M&A-Beratung wittert die Commerzbank China-bezogenes Geschäft. Allerdings gehört sie in diesem Geschäft nicht zu den führenden Adressen.

Die LBBW hingegen bietet in China vor Ort keine Investmentbanking-Produkte an, vermittelt diese jedoch. Im Fokus stehen die klassische Unternehmens-, Investitions- und Exportfinanzierung. Daneben können Firmenkunden über den „Regional-Hub“ in Singapur DCM-Produkte, syndizierte Kredite sowie strukturierte Handels- und Projektfinanzierungen nachfragen.

Schon eher in die Kategorie „Alleinstellungsmerkmal“ fällt das „German Centre“ der LBBW in der Hauptstadt Peking. Dort können deutsche Firmenkunden Büro- und Konferenzräume mieten, aber auch Beratungs-, Logistik- und Serviceleistungen aus dem Firmenkundengeschäft in Anspruch nehmen. Das German Centre soll auch eine Kontaktbörse für deutsche Unternehmer sein, die neue Netzwerke in China aufbauen möchten. Die LBBW sieht das als ihren Beitrag zu den Markterschließungsprojekten ihrer Kunden. Seit der Gründung im Jahr 1999 haben nach Angaben der Landesbank über 400 Unternehmen das German Centre als Ausgangspunkt für ihr Engagement in China und Asien genutzt.

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Hier geht es zum ersten Teil unserer China-Serie. Teil 3 folgt in der kommenden Woche.