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22.11.17
Wirtschaft

JP Morgan ist die systemisch gefährlichste Bank

Der Finanzstabilitätsrat hält JP Morgan für die systemrelevanteste Bank der Welt. Aber die Deutsche Bank liegt nicht weit dahinter – anders als etwa Credit Suisse und BNP Paribas.

JP Morgan ist die einzige Bank in Klasse 4 der neuesten Liste der 30 global systemrelevanten Banken (G-SIB), die der Finanzstabilitätsrat (FSB) erstellt. Damit ist die US-Investmentbank zugleich die bedeutendste und gefährlichste Bank der Welt. Deshalb muss JP Morgan 2,5 Prozentpunkte mehr Eigenkapital vorhalten als eine „normale Bank“.

Seit der Finanzkrise erstellt der FSB jährlich die Liste der systemrelevantesten Banken und gruppiert sie in fünf Klassen. Die systemrelevanten Banken müssen einen Extra-Eigenkapitalpuffer von 1 bis 3,5 Prozentpunkten gegenüber nicht systemrelevanten Banken vorweisen. In die fünfte – die höchste – Risikoklasse wurde bisher noch keine Bank eingeteilt. Die FSB beurteilt die Banken nicht nur nach ihrer Größe, sondern insbesondere nach dem Risiko ihrer Geschäfte und ihrer Vernetzung im globalen Finanzsystem.

Chinesische Banken sind zunehmend systemrelevant

Die neue Liste, die der FSB in Basel vorstellte, hat für einige Verschiebungen gesorgt. Die wichtigste: Der FSB hat chinesische Großbanken als systemrelevanter als in den vergangenen Jahren eingestuft. 

In der dritten Risikokategorie finden sich jetzt neben der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) auch die Bank of China und die China Construction Bank. Die chinesischen Banken sind schon lange sehr groß. Nun vernetzen sie sich auch stärker mit dem internationalen Finanzsystem. Ebenfalls neu in Klasse drei ist die BNP Paribas, die 2016 noch zur zweiten Klasse gehörte. Ihre Systemrelevanz ist also zurückgegangen.

Auf JP Morgan folgen vier Banken

Auf JP Morgan folgen in der nächsten Gruppe der systemrelevantesten Banken die HSBC, Citigroup, Bank of America und die Deutsche Bank. Bis auf die Citigroup, welche im Vorjahr noch im gleichen Risikorang wie JP Morgan notierte, haben in dieser Gruppe alle Banken die gleiche Bewertung wie im Vorjahr erhalten. Sie müssen 2 Prozentpunkte mehr Eigenkapital vorweisen als „gewöhnliche“ Banken.

Die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse finden sich nun beide in der niedrigsten Klasse der systemrelevanten Banken. Der FSB hat die Credit Suisse im Vergleich zum Vorjahr um eine Klasse herabgestuft. In der niedrigsten Klasse ist außerdem neu die Royal Bank of Canada. Die französische Groupe BPCE wurde dagegen aus ihr gestrichen.

Liste systemrelevanter Versicherer wird überarbeitet

Die zweite, umstrittenere Liste des FSB – jene der weltweit systemrelevanten Versicherer (G-SII) – soll grundlegend überarbeitet werden. Bisher hatten sich die Regulierer vor allem an der Größe der Versicherungen orientiert und neun G-SIIs identifiziert, darunter die Allianz. Nun sollen die internationalen Versicherungs-Regulierer (IAIS) einen Ansatz entwickeln, der sich nach den Aktivitäten der Unternehmen an den Finanzmärkten richtet. 

Das könne „bedeutende Folgen für die Einschätzung des systemischen Risikos in der Versicherungswirtschaft haben“, erklärte der FSB. Die Versicherungsbranche hingegen hält ihr Stammgeschäft nicht für systemrelevant. Riskant könnte es nur werden, wenn Versicherer wie Banken agieren.