Lanxess

06.06.12
Wirtschaft

Lanxess-CFO: „Staatseingriffe in China werden weniger“

Die Konjunktur in China schwächt sich ab. Während erste Ökonomen schon vor dem Ende des China-Booms warnen, hoffen ausländische Investoren darauf, dass die Abkühlung zu einer Liberalisierung des chinesischen Kapitalmarkts führen könnte. Lanxess-CFO Bernhard Düttmann hofft, dass bald ganz neue Kapitalmarkttransaktionen möglich werden.

Der Dax-Anwärter Lanxess will in diesem Jahr in China erstmals die Umsatzmilliarde knacken, kämpft dort jetzt aber wie viele andere Unternehmen mit einer Reihe von Widrigkeiten, allen voran der sich verschärfenden Konjunkturschwäche. In der vergangenen Woche gingen mehrere Frühindikatoren weiter zurück, einige Volkswirte befürchten, dass China vom Wachstumspfad abzukommen droht. „Die schwachen Konjunkturdaten beunruhigen mich dennoch nicht“, sagte Lanxess-CFO Bernhard Düttmann gegenüber FINANCE-TV. Den langfristigen Wachstumstrend vor allem des chinesischen Automarktes hält er für intakt.

Der Lanxess-CFO hofft sogar, dass die sich verschlechternde Wirtschaftslage die Liberalisierung der chinesischen Finanzierungs- und Kapitalmärkte forciert. „Wir stellen immer wieder fest: Wenn es China zu gut geht, wird der freie Kapitalverkehr gedrosselt. Das nutzt die chinesische Regierung, um die Wirtschaft auszusteuern.“ Nun könnten nach Abschluss des Machtwechsels in Peking weitere Liberalisierungsschritte anstehen, um weiter genügend Kapital ins Land zu locken.

„Der Renminbi wird immer freier“
Die Öffnung des lokalen Bondmarkts für ausländische Emittenten vor wenigen Monaten hat die Konzernfinanzierung des Chemiekonzerns bereits vorangebracht, im Februar haben die Leverkusener in Hongkong eine so genannte „Dim-Sum-Anleihe“ in Yuan begeben. „Das hat unsere Zinskosten deutlich reduziert“, erklärt Düttmann. Auf dem chinesischen Bankenmarkt sind die Zinskosten für Unternehmen nach wie vor hoch, viele Unternehmen zahlen Soll-Zinsen zwischen 6 und 8 Prozent. Für die Dim-Sum-Anleihe über 60 Millionen Euro musste Lanxess seinen Investoren nur 3,95 Prozent bieten.

Düttmann sieht in der Öffnung des Bondmarkts den Beginn einer umfassenden Liberalisierung der Finanzierungslandschaft in China: „Vor einem Jahr hat kein Mensch an Offshore-Anleihen in Hongkong gedacht. Die staatlichen Eingriffe werden weniger, der Kapitalmarkt in China öffnet sich, und der Renminbi wird immer freier handelbar. Das wird neue Kapitalmarkttransaktionen ermöglichen“, erwartet der CFO. Im Interview bei FINANCE-TV deutete er an, dass der Konzern zur Finanzierung seines Geschäfts in China schon über die Begebung einer zweiten Dim-Sum-Anleihe nachdenkt.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de