Angst in Bangkok: König Bhumibol ist tot, und der thailändische Baht wackelt schon seit Tagen. Wie reagieren jetzt die ausländischen Investoren?

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13.10.16
Wirtschaft

Sorgen um Thailands Währung und Finanzmarkt

Der Tod des dominanten Königs Bhumibol sorgt für schwere Turbulenzen an Thailands Finanzmärkten. Der Einbruch der Währung weckt Sorgen vor einer neuen Asienkrise.

Der thailändische König Bhumibol, der dienstälteste Monarch der Welt, ist tot. Der immer ernster werdende Gesundheitszustand des 88 Jahre alt gewordenen Königs hat schon im Vorfeld seines Todes für Angst und Kursverluste an Thailands Finanz- und Devisenmarkt gesorgt. Der thailändische Baht erlebte gestern eine Art Ausverkauf und fiel zum US-Dollar auf 35,7 Baht. Der Euro-Wechselkurs nähert sich wieder der 40-Baht-Marke. Auch der thailändische Leitindex SET hat seit August um mehr als 10 Prozent nachgegeben, mit steigender Dynamik in den vergangenen Tagen.

Die Brisanz einer Thronfolge im Königshaus ist nicht zu unterschätzen. Der thailändische König wurde vom Volk verehrt und galt als Stabilitätsanker in dem Land, das von einer Militärjunta regiert wird und seit Jahren immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Unter- und Oberschicht erlebt, die derzeit von der Regierung nur mühsam unterdrückt werden. Hinzu kommen Sezessionsbestrebungen einzelner Regionen und die Bedrohung durch islamistische Terroranschläge.

Thailand ist für viele Investoren ein wichtiger Hub in Südostasien und für Industriekonzerne ein wichtiger Produktionsstandort. Der Tod des Königs könnte eine Phase großer Unsicherheit auslösen. Der Premierminister hat Reisen abgesagt und bleibt bis auf weiteres in Bangkok.

Hohe Kapitalzuflüsse nach Thailand

Doch die Ängste vor einer chaotischen Neuordnung der Machtverhältnisse im Land nach dem Tod des Königs – Bhumibol saß seit dem Jahr 1946 auf dem Thron – relativieren sich vor dem Hintergrund der robusten Performance, die der thailändische Finanzmarkt bis vor kurzem noch gezeigt hat. Hohe Kapitalzuflüsse aus dem Ausland haben die Börse und den Bondmarkt im ersten Halbjahr deutlich angetrieben. Die Rendite zehnjähriger thailändischer Staatsanleihen fiel zwischenzeitlich auf 2,36 Prozent und steigt auch jetzt nur langsam. Die thailändische Wirtschaft soll in diesem Jahr um knapp 3 Prozent wachsen, die Staatsverschuldung beträgt 83 Prozent.

Auch der Baht befindet sich trotz der starken Kursverluste dieser Woche gegenüber dem Euro noch auf einem ähnlichen Niveau wie in den vergangenen zwei Jahren. Gegenüber dem Dollar nähert er sich jedoch dem tiefsten Stand seit sieben Jahren.

Mark Mobius rät zur Gelassenheit

Aus Sicht internationaler Investoren sind die hohe Volatilität und die politische Unsicherheit im Land vor allem deshalb ein Grund zur Sorge, weil politische Probleme und schwere Kapitalabflüsse Thailand schon im Jahr 1997 gebeutelt hatten. Wenig später wurde die Situation in Thailand zu einem Mitauslöser der Asienkrise.

Der Emerging-Markets-Veteran Mark Mobius, Fondsmanager bei dem Assetmanager Templeton, rät jedoch zur Gelassenheit. Er hält die Marktturbulenzen für „normal in so einer Situation“. Seine Erwartung: „Die Märkte werden sich bald erholen.“

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de