Laut Ratingagentur S&P sind chinesische Unternehmen anfälliger für Pleiten geworden - droht eine Pleitewelle?

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09.04.14
Wirtschaft

S&P: Gefahr von Firmenpleiten in China steigt

Nach dem Ausfall zweier chinesischer Unternehmensanleihen macht sich die Angst vor einer drohenden Pleitewelle bei deutschen CFOs breit. Und sie ist nicht unbegründet: Laut der Ratingagentur Standard & Poor's sind chinesische Unternehmen im Vergleich zu japanischen anfälliger für Pleiten – sogar ein „verlorenes Jahrzehnt” wie in Japan droht dem Reich der Mitte.

Das schuldengetriebene Wachstum chinesischer Unternehmen zeigt erste Folgen: Chinas Firmen sind anfälliger für Pleiten, als ihre japanischen Pendants – obwohl letztere paradoxerweise stärker verschuldet sind. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie von Standard & Poor's, in der die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit japanischer und chinesischer Unternehmen untersucht hat.

Die Ergebnisse schlagen zu einem kritischen Zeitpunkt ein: Vor einem Monat erst fiel mit dem Solarunternehmen Shangai Chaori Solar Energy Science & Technology Co der erste chinesische Bond aus und schlagartig war klar: Die implizite Staatsgarantie gilt nicht mehr, Peking ist bereit, chinesische Unternehmen fallen zu lassen.

Spätestens seitdem vor wenigen Tagen nun mit dem Baumaterial-Produzenten Xuzhou Zhongsen Tonghao New Board auch ein zweites Unternehmen seine Anleihe nicht mehr bedienen konnte, mehrt sich unter deutschen CFOs die Sorge, dass das schuldengetriebene Wachstum in China in einer Stagnation enden könnte, wie es in den 1990er Jahren in Japan der Fall war.

China leidet unter hoher Zinslast

Wie die S&P-Studie zeigt, sind die Sorgen nicht gänzlich unbegründet: Chinesische Unternehmen sind zwar weniger verschuldet als japanische, ihre Relation von Schulden zu Ebitda liegt bei 3,6, während sie bei japanischen Firmen 3,9 beträgt. Doch es kommen andere negative Effekte zum Tragen: Zum einen sind in den vergangenen zwei Jahren insgesamt mehr chinesische als japanische Unternehmen in die roten Zahlen gerutscht. Während 2,6 Prozent aller japanischen Unternehmen im gleichen Zeitraum ein negatives Ebidta auswiesen, waren es in China viermal so viele.

Außerdem haben chinesische Unternehmen mit 6 Prozent eine höhere Zinslast zu tragen, bei japanischen Betrieben liegen die Zinsen bei 1,4 Prozent. Die zukünftige Zinsentwicklung in China stellt daher einen hohen Risikofaktor dar, sollten die Zinsen noch weiter steigen, könnten die stark schuldenfinanzierten chinesischen Unternehmen unter der Zinslast stark unter Druck geraten.

S&P: Staat muss Unternehmen pleite gehen lassen

Dass der Staat verlustträchtige Unternehmen scheitern lässt, wie es bei den zwei Firmen der Fall war, hält S&P für wichtig und richtig. Nur so könne China eine aus sich heraus gesunde Wirtschaft aufbauen, glauben die Ratinganalysten. Für deutsche Investoren ist das ein zweischneidiges Schwert: Während sie langfristig von einer gesunden chinesischen Wirtschaft profitieren, dürften ihnen mögliche Ausfälle in näherer Zukunft einiges Kopfzerbrechen bereiten.

julia.becker[at]finance-magazin.de

China ist in den vergangenen Jahren für deutsche Unternehmen als Produktionsstandort oder Absatzmarkt immer wichtiger geworden. Auf unserer Themenseite zu China finden Sie weitere Artikel, Analysen und Interviews.