Die britische Wettbewerbsaufsicht hat mehrere Berichte zum Audit-Geschäft veröffentlicht. Diese könnten als Basis für eine striktere Regulierung der Branche der Wirtschaftsprüfer dienen.

Competition Commission

15.10.12
Wirtschaft

UK-Aufsicht beschafft sich Argumente für WP-Regulierung

Die britische Wettbewerbsaufsicht hat mehrere Berichte zum Audit-Geschäft veröffentlicht. Diese könnten als Basis für eine striktere Regulierung der Branche der Wirtschaftsprüfer dienen. Die Ergebnisse sind auch aus deutscher Perspektive höchst spannend.

Vor zwei Jahren schreckte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier die Wirtschaftsprüferbranche – insbesondere die Big Four – mit seinem Grünbuch auf: Mit radikalen Maßnahmen wie der Aufspaltung der Gesellschaften wollte er das Prüferoligopol auflösen und die Prüfqualität steigern. Der Big Four-Lobby ist es inzwischen gelungen, die Vorschläge stark abzumildern. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die weiterhin fehlende Datenbasis zum EU-Prüfermarkt.

Zumindest in Großbritannien ändert sich dies nun: So hat die britische Wettbewerbsaufsicht, die Competition Commission, in den letzten Wochen mehrere Berichte zum Prüfermarkt veröffentlicht. Aus deutscher Perspektive besonders interessant ist dabei eine Befragung von über 600 britischen CFOs und Aufsichtsratsvorsitzenden. Während auf EU-Ebene weiterhin vor allem politisch debattiert wird, schafft sich die britische Wettbewerbsbehörde mit dieser Untersuchung empirisch validierte Argumente für eine stärkere Regulierung.

Wirtschaftsprüfer: Man beißt nicht die Hand, die einen füttert

Ein Ergebnis der Untersuchung ist, dass fast ein Drittel der Befragten (33 Prozent) den CFO als wichtigste Instanz in der Auswahl des Wirtschaftsprüfers bezeichnen. Dies steht im starken Kontrast zu dem immer wieder vorgebrachten Argument, dass der Aufsichtsrat den Prüfer auswählt und daher keine weitere Regulierung an dieser Stelle notwendig sei. Denn klar ist: Ein Wirtschaftsprüfer, der vom CFO de facto bestellt wird, kann für diesen keine wirksame Kontrollinstanz sein. 

Problematisch dabei ist insbesondere auch ein weiteres Ergebnis der Befragung: So ist für CFOs die Prüfungseffizienz bei der Beurteilung eines Wirtschaftsprüfers der wichtigste Faktor. Gleichzeitig spielen bei der Überlegung, den Prüfer zu wechseln, niedrige Prüfungsgebühren eine sehr wichtige Rolle. Unter beiden Aspekten dürfte die Prüfungsqualität deutlich leiden. All dies sind gute Argumente für die – einst von Barnier angedachte – staatliche Vergabe von Prüfungsaufträgen.