Zementverladung bei HeidelbergCement: Ein Werk bei Donezk musste der Konzern aufgrund der Ukraine-Krise nun schließen.

HeidelbergCement AG

18.11.14
Wirtschaft

Ukraine-Krise: HeidelbergCement legt Werk bei Donezk still

Die politischen Unruhen im Osten der Ukraine treffen nun auch HeidelbergCement: Der Dax-Konzern will nicht mit den Separatisten kooperieren und hat ein Werk östlich von Donezk stillgelegt. Die anderen beiden Werke in der Ukraine hingegen laufen noch normal.

Es ist die bislang wohl drastischste Reaktion eines deutschen Konzerns auf die Krise in der Ost-Ukraine: Der Baustoffkonzern HeidelbergCement hat ein Werk im Osten von Donezk stillgelegt. Grund dafür sei die unklare Lage in dem von Separatisten kontrollierten Gebiet, wie ein Sprecher gegenüber FINANCE bestätigte. Die Separatisten hätten „ihre eigenen Vorstellungen davon, wie das Geschäft betrieben werden soll“. Gespräche mit den Separatisten habe der Konzern jedoch stets abgelehnt.

Wie es mit dem Werk weitergeht, in dem zurzeit 500 Mitarbeiter beschäftigt sind, ist  offen. Derzeit sei eine normale Geschäftstätigkeit dort nicht möglich, berichtet der Dax-Konzern. Wenn sich die Situation nicht klärt, wäre auch eine dauerhafte Schließung denkbar. Neben dem Werk im Osten von Donezk hat HeidelbergCement noch zwei weitere Produktionsstandorte in der Ukraine, die allerdings in der Landesmitte liegen. Dort geht der Geschäftsbetrieb  vorerst normal weiter.

Werksschließung in Donezk finanziell verkraftbar

Finanziell ist der Ausfall des Werks für HeidelbergCement verkraftbar. Die drei Werke in der Ukraine erwirtschaften zusammen rund 150 Millionen Euro Umsatz und liefern damit weniger als 1 Prozent des Konzernumsatzes. Zudem ist der Ukraine-Umsatz in diesem Jahr infolge der Konflikte ohnehin bereits um 30 Prozent geschrumpft. Auch die Kreditsituation der lokalen Abnehmer ist angespannt. Unternehmenschef Bernd Scheifele hatte bereits zu Jahresbeginn gewarnt, dass die mangelnde Kreditvergabe die Bauwirtschaft in der Region beeinträchtige.

Der Nachbarmarkt Russland läuft hingegen zurzeit noch stabil. „Die Krise im Osten der Ukraine beeinträchtigt Absatz und Ergebnis des Landes, während es bisher noch keine wesentlichen Auswirkungen auf das operative Geschäft in Russland gab“, heißt es in dem am 6. November veröffentlichten Bericht von HeidelbergCement zum 3. Quartal 2014. Allerdings hinterlässt die Talfahrt des russischen Rubels seine Spuren im Zahlenwerk des Baustoffriesen.

Dennoch gibt sich HeidelbergCement nach drei Quartalen für das laufende Jahr zuversichtlich: „Wir profitieren 2014 weiterhin von der wirtschaftlichen Entwicklung in den Industriestaaten, insbesondere in Nordamerika und Großbritannien, aber auch in Deutschland und Nordeuropa“, sagte CEO Bernd Scheifele. „In diesen Ländern erzielen wir fast 50 Prozent unseres Umsatzes.“

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hatte zuletzt auch Fresenius Kabi dazu bewogen, ein geplantes Joint Venture mit dem russischen Anbieter Binnopharm aufzukündigen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de