Abgehängt: Die größten Unternehmen auf dem alten Kontinent hinken hinter ihren US-Konkurrenten her.

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24.10.13
Wirtschaft

US-Unternehmen sind erfolgreicher als europäische Firmen

Mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Marge: Die größten US-Unternehmen haben ihre europäischen Konkurrenten im ersten Halbjahr 2013 auf allen Gebieten abgehängt. Langfristig dürfte der Vorsprung der Amerikaner weiter wachsen.

Amerika wächst, Europa stagniert. Das gilt zumindest für die jeweils 300 größten Unternehmen, wie eine Vergleichsstudie der Unternehmensberatung EY ergab. Während die Top-US-Unternehmen ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2013 um 3 Prozent steigern konnten, blieb der Umsatz in Europa konstant. Auch beim Gewinn driften die Kontinente weiter auseinander: In Europa musste jedes zweite Unternehmen einen Gewinnrückgang hinnehmen, in den USA schafften hingegen fast zwei Drittel ein Wachstum. Insgesamt erwirtschafteten die Top-Unternehmen Europas ein Ebit von 354 Milliarden Euro, die US-Konzerne kamen kumuliert auf umgerechnet 427 Milliarden Euro. Die Gewinnmarge lag in den USA bei 11,6 Prozent, in Europa nur bei 9,8 Prozent. Interessante Randnotiz: Deutsche Unternehmen sind mit einer Gewinnmarge von nur 7,6 Prozent Schlusslicht der untersuchten europäischen Länder.

Als wichtigsten Grund für das Auseinanderdriften nennen die Studienautoren die europäische Schuldenkrise, die zu Umsatzverlusten auf den Heimatmärkten geführt hat. An dieser Front gab es in den vergangenen Wochen allerdings einige Anzeichen für eine Entspannung: Im zweiten Quartal ist die Wirtschaft im Euroraum laut EZB-Zahlen um 0,3 Prozent gewachsen – das erste Quartalsplus seit dem Herbst 2011. Auch von den Sorgenkindern gab es in dieser Woche Hoffnungsschimmer: Die spanische Wirtschaft hat im dritten Quartal erstmals seit zwei Jahren wieder zugelegt, und Griechenland konnte in den ersten neun Monaten einen kleinen Haushaltsüberschuss vor Zinszahlungen verzeichnen.

Gleichzeitig könnte der Haushaltsstreit in den USA eine kleine Delle in den Ergebnissen der amerikanischen Unternehmen verursachen. Für die gerade begonnene Berichtssaison des dritten Quartals gehen Analysten allerdings davon aus, dass die US-Unternehmen ihre Gewinne weiter steigern können.

Unterschiede bei Energiekosten könnten US-Vorsprung vergrößern

Auch langfristig spricht einiges dafür, dass die Top-US-Player ihren Vorsprung in den kommenden Jahren weiter ausbauen werden. Denn die Studie rückt zwei andere Faktoren in Mittelpunkt: Die steigenden Energiekosten und die europäische Schwäche in Zukunftsbranchen wie IT. „Während die US-Unternehmen vom Fracking-Boom profitieren und mit billiger Energie geradezu überschwemmt werden, entwickelt sich der Kostenfaktor Energie für europäische Konzerne zu einer massiven Belastung“, sagt Gerhard Schwartz, Partner bei EY.

Bereits seit Monaten werden insbesondere in Deutschland die Energiekosten als neuer Risikofaktor Nummer eins für Unternehmen gehandelt: In einer Umfrage von Deloitte im Mai gaben 70 Prozent der befragten deutschen CFOs an, Sorge vor steigenden Kosten durch die Energiewende zu haben. Mit Spannung dürften sie auf die kommenden Wochen schauen: Dann soll in der EU die Entscheidung fallen, ob die Vergünstigungen für energieintensive Unternehmen bei den Netzentgelten in Deutschland unzulässig sind. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sind sie seit langem ein Dorn im Auge. Mit den Vergünstigungen für deutsche Unternehmen könnte es dann vorbei sein – im schlimmsten Fall drohen ihnen sogar Nachzahlungen in Milliardenhöhe.

Ein weiterer Grund für den Vorsprung der US-Unternehmen ist ihre Dominanz bei den Zukunftstechnologien: 33 der 300 umsatzstärksten US-Unternehmen sind IT-Unternehmen, in Europa dominieren dagegen Industrie- und Rohstoffunternehmen. „Die Digitalisierung erfasst alle Branchen und Lebensbereiche – darin steckt noch ein enormes Wachstumspotenzial, nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern auch für ganze Volkswirtschaften“, sagt Schwartz. Wer jetzt den Anschluss verpasst, drohe abgehängt zu werden.

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