Greift die UEFA ab 2015 mit den neuen Financial-Fairplay-Regeln richtig durch, wird es für viele eigentümerfinanzierte Vereine eng.

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12.02.13
Wirtschaft

Wachsende Finanzierungsprobleme im Fußball

Die Finanzierung steht bei einem Großteil der europäischen Fußballvereine auf tönernen Füßen. Besonders mit Blick auf immer weiter steigende Spielergehälter und Ablösesummen leben viele Vereine über ihre Verhältnisse und legen immer weiter nach – trotz der kommenden Financial-Fairplay-Regeln der UEFA.

Ab 2015 gelten die neuen „Financial Fairplay“-Regularien der UEFA. Wären die Regeln, die die Ausgaben der Clubs durch die Summe ihrer Einnahmen begrenzen („Break-even-Vorschrift“) schon heute gültig, sähe es für eine ganze Reihe von großen Vereinen düster aus. Vor allem die horrenden Kosten für Spielergehälter und Transfers reißen Löcher in viele Bilanzen: Wie die UEFA in ihrer neuesten Ausgabe des Benchmarking-Berichts zur Klublizenzierung vorrechnet, haben die 235 Vereine, die aktuell für europäische Wettbewerbe qualifiziert sind, im Jahr 2011 rund 5 Milliarden Euro Personalkosten verbucht – bei aggregierten Einnahmen von 7,8 Milliarden Euro.

Alleine seit 2007 sind die Personalausgaben damit um 38 Prozent gestiegen, die Erträge im Vergleichszeitraum dagegen nur um 24 Prozent. Unterm Strich haben die Clubs mit ihren sonstigen Ausgaben im Jahr 2011 einen aggregierten Nettoverlust von 1,2 Milliarden Euro eingefahren. Das ist der höchste Wert, den der Verband jemals erfasst hat.

Das Ende von Abramowitsch & Co.?

Für Vereine, deren Einnahmen oder Ausgaben die 5-Millionen-Euro-Grenze überschreiten und die so in den Geltungsbereich der Break-even-Vorschrift fallen, wird die Luft deshalb dünn: Nach dem aktuellen Status quo würden europaweit 47 Prozent der Erstligaklubs die Anforderungen nicht erfüllen – darunter auch eine ganze Reihe von Vereinen, die derzeit noch dank großzügiger Unterstützung ihres Eigentümers finanziell solide dastehen. Der Kernpunkt der Neuerung macht vor allem diesen Clubs einen Strich durch die Rechnung, gelten Zuschüsse durch den privaten Geldgeber nur noch eingeschränkt als Einnahmen im Sinne des Financial Fairplay.

Denn die UEFA möchte mit diesem Schritt dem immer weiter um sich greifenden Mäzenatentum einen Riegel vorschieben. Dass sich Rekordgehälter für die Spieler, wie sie beispielsweise der von Roman Abramowitsch finanzierte FC Chelsea zahlt, unmittelbar auf die Tabellenposition am Ende der Saison niederschlagen, hat bereits die Studie „European Football Finance“ von Deloitte im vergangenen Sommer nachgewiesen.

Neben dem Top-Arbeitgeber Chelsea mit ausgezahlten Gesamtgehältern von 191 Millionen Pfund in der Saison 2010/2011 und der Nummer Zwei im britischen Fußball-Gehaltsranking, Manchester City – mit ihrem Hauptanteilseigner Scheich Mansour –, gehören unter anderem auch die Clubs aus Newcastle und Fulham zu den Vereinen, die noch von einem starken Eigentümer im Hintergrund profitieren, bald aber an die Kandare genommen werden.

Entspannung bei Bundesliga-CFOs

Die Bundesligavereine können den kommenden Verschärfungen der Finanzierung dagegen gelassen entgegensehen: Nicht nur der FC Bayern, der gerade wieder eine Rekordbilanz präsentieren konnte, ruht sich auf einem kontinuierlich gewachsenen Finanzpolster aus. Auch ehemalige Sorgenkinder wie beispielsweise Borussia Dortmund können heute getrost als solide finanziert bezeichnet werden. Gerade deshalb kommt das neue Regelwerk für die deutschen Top-Vereine aber eigentlich zu spät, wie Stefan Ludwig, Director der Sport Business Group von Deloitte, mit Blick auf die Niederlage des FC Bayern im Champions-League-Finale im FINANCE-TV-Interview erklärte: „Den Bayern ist es zum Verhängnis geworden, dass die Finanzierungsvorschriften nicht bereits seit fünf Jahren gelten. Dann hätten ehemalige Finalgegner wie Inter Mailand oder auch der FC Chelsea eventuell gar nicht am Wettbewerb teilnehmen dürfen.“

Einmal ist das Inkrafttreten der Financial-Fairplay-Regeln bereits verschoben worden. Auch lässt sich noch nicht absehen, wie rigoros die UEFA die Maßgaben durchsetzen wird. Greift der Verband klar durch, dürfte die Vorgaben nicht nur die Landschaft in den europäischen Wettbewerben durcheinanderwirbeln, auch in vielen Eliteligen würden sich die Kräfteverhältnisse ordentlich verschieben – und die deutschen Vereine mit ihrer weitgehend restriktiven Gehaltspolitik für ausländische Profis interessanter werden lassen.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de