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31.08.18
Wirtschaft

Währungskrise in Schwellenländern weitet sich aus

Der Kurssturz der türkischen Lira greift um sich und reißt die Währungen weiterer Schwellenländer in die Tiefe. Droht eine globale Währungskrise?

Weitere Länder sind in den Sog der türkischen Währungskrise geraten. Gleich mehreren Schwellenländer drohen durch massive Wertverluste ihrer Landeswährungen Rezessionen oder sogar ausgewachsene Finanzierungskrisen.

So melden unter anderem Indien und Indonesien besorgniserregende Entwicklungen. Die indische Rupie erreicht, gemessen am US-Dollar, ein neues Rekordtief. Für 1 Dollar müssen nach den neuesten Entwicklungen jetzt schon 71 Rupien bezahlt werden. Ähnlich ergeht es der Rupiah: Die indonesische Währung ist auf das Niveau von 1998 zurückgefallen, als sich das Land im Zuge der Asienkrise in einer massiven Finanzkrise befand. 1 Dollar entspricht mittlerweile rund 15.000 Rupiah. Im September 2017 waren es noch 13.000 Rupiah.

Globale Währungskrise der Schwellenländer droht

Die jüngsten Entwicklungen lösen unter Experten Sorgen aus. „Die Gefahr, dass sich diese Krise zu einer globalen Krise der Schwellenländer auswächst, wird immer größer“, sagte beispielsweise Thomas Altmann, Analyst bei dem Vermögensverwalter QC Partners, gegenüber der FAZ. Bereits zu Jahresbeginn hatten Anleger damit begonnen, Kapital aus Schwellenländern abzuziehen, um es in den USA zu investieren. Die dortige Notenbank Fed hat erst vor wenigen Tagen bekräftigt, die Zinsen weiter anheben zu wollen, was die Kapitalflucht aus den Schwellenländerwährungen noch weiter anheizen dürfte.

Noch ist die Türkei der größte Krisenherd. Nach einer kurzen Stabilisierung befindet sich die türkische Lira schon wieder auf Talfahrt. Sie hat seit Jahresbeginn über 40 Prozent im Vergleich zum Dollar eingebüßt. „Die Stimmung in der Türkei trübt sich weiter ein – es droht eine Rezession“, warnt Ulrich Stephan, Anlagestratege bei der Deutschen Bank. 

Länder mit hoher Dollar-Verschuldung stark betroffen

Unter den besonders gefährdeten Ländern ragen solche heraus, die eine besonders hohe Verschuldung in US-Dollar aufweisen. Darunter befinden sich Argentinien und Brasilien. Trotz einer Zinsanhebung durch die Notenbank auf 60 Prozent rutschte der argentinische Peso gestern Nacht auf ein Rekordtief. Seit Jahresbeginn hat die südamerikanische Währung aufgrund wirtschaftlicher Probleme und einer galoppierenden Inflation über die Hälfte ihres Werts verloren.

Argentinien steht am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will jetzt schon länger zugesagte Finanzhilfen über 50 Milliarden Dollar schneller auszahlen als geplant. Im Nachbarland Brasilien ist die Lage nicht ganz so prekär, aber auch die brasilianische Notenbank schafft es nicht, den Verfall der Landeswährung aufzuhalten.

Als großes Risiko für die weltweiten Finanzmärkte rücken damit immer mehr die Dollar-Schulden der Schwellenländer in den Blick. Der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zufolge belaufen sich die Dollarschulden der Schwellenländer auf 3,7 Billionen Dollar. Das ist ein Anstieg um 300 Milliarden Dollar alleine in den vergangenen 12 Monaten. Der Wertverfall der Landeswährungen sorgt dafür, dass für die heimischen Schuldner dieser Schuldenberg immer drückender wird. 

andreas.mehring[at]finance-magazin.de