Sulzer

09.04.18
Wirtschaft

Sulzer schützt sich vor US-Sanktionen

Sulzer-Großaktionär Renova ist auf der US-Sanktionsliste gelandet. Nun reagiert der Industriekonzern und drückt die Renova-Beteiligung unter 50 Prozent, um nicht ebenfalls Ziel der Sanktionen zu werden.

So einen Schritt gehen Industriekonzerne nicht alle Tage: Umgehend, nachdem am vergangenen Freitag der Großaktionär Renova auf der Sanktionsliste der USA gelandet ist, hat der Schweizer Industriekonzern Sulzer aus Selbstschutz 5 Millionen Aktien von Renova zurückgekauft.

Damit drückt Sulzer die Renova-Beteiligung von ursprünglich gut 63 Prozent auf nur noch knapp 49 Prozent. Das teilte der Konzern aus Winterthur am Montagmorgen mit. „Um Störungen von Sulzers Geschäftsaktivitäten zu minimieren, hat das Unternehmen am Sonntag eine bindende Vereinbarung mit Renova unterzeichnet“, heißt es in einer Pressemitteilung. Demnach werde Sulzer die Anteile zum Durchschnittskurs im Zeitraum 9. bis 13. April erwerben. Der Rückkauf dürfte damit in etwa 630 Millionen Schweizer Franken kosten, umgerechnet gut 530 Millionen Euro.  

Renova ist an zwei weiteren Schweizer Firmen beteiligt

Hinter Renova steht der russische Multimilliardär Viktor Vekselberg, der zum Kreis jener Oligarchen gehört, die Washington als Antwort auf die Russland vorgeworfene Giftattacke auf den Ex-Agenten Skripal mit Sanktionen belegt hat. Renova ist neben Sulzer aber auch noch Großaktionär bei zwei weiteren Schweizer Unternehmen, dem Technologiekonzern Oerlikon (Anteil: 43 Prozent) und dem Stahlproduzenten Schmolz + Bickenbach (42 Prozent).

Auch bei diesen Unternehmen herrscht Unklarheit darüber, inwiefern sie von den Sanktionen betroffen sein könnten. „Wir prüfen das“, teilte Oerlikon mit. Ähnliches ist von Schmolz + Bickenbach zu hören: „Ob das Auswirkungen auf die Beteiligung bei Schmolz+Bickenbach haben wird, ist derzeit nicht abzuschätzen“, heißt es von Unternehmensseite. Man prüfe die rechtliche Lage.

Im Zuge der US-Sanktionen ist das Vermögen von Vekselberg in den USA eingefroren worden, außerdem haben die Behörden ein Einreiseverbot gegen den Oligarchen verhängt. Vekselbergs Vermögen wird von dem Wirtschaftsmagazin Forbes auf 44 Milliarden Dollar geschätzt. Damit zählt er zu den 50 reichsten Menschen der Welt und zu den neun reichsten Russen.

Sulzer wendet sich an Regierung

Offenbar hat die Schweizer Regierung an dem schnellen Vorgehen Sulzers mitgewirkt. Der Konzern berichtet, dass er sich schon in der vergangenen Woche, als sich die neue Sanktionsrunde anbahnte, an das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) gewandt habe, um dessen Einschätzung zu erfragen. Das Seco hatte dem Konzern daraufhin mitgeteilt, dass Sanktionen auch gegen die Unternehmen, auf die Vekselberg großen Einfluss ausübe, nicht auszuschließen seien, berichtet der Schweizer Rundfunk.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de