Rohstoffpreise richtig absichern

Steigende Rohstoffpreise bereiten derzeit fast jedem Unternehmen große Sorgen. Ihre Absicherung gehört mittlerweile zum Standard. Ein Aus- und Überblick.

Selten waren die Rohstoffmärkte so volatil wie derzeit. Zwar gab es schon immer saisonale Zyklen, die Dynamik der vergangenen Jahre ist dennoch außergewöhnlich. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie wurde weltweit die Produktion reduziert, drastische Einschnitte und Materialknappheit waren die Folge. Vor allem der Krieg in der Ukraine hat die Weltwirtschaft kräftig durcheinandergewirbelt und für starke Preisschwankungen gesorgt. Diese bergen für die Unternehmen große Herausforderungen. Die Palette an Instrumenten zur Absicherung (Hedging) ist dabei stetig gewachsen. Gleichzeitig ist das Thema so komplex, dass Einkaufs- und Finanzabteilungen noch enger zusammenarbeiten müssen.

So ist es auch wenig verwunderlich, dass die Rohstoffpreisabsicherung, speziell im Energiebereich, mittlerweile bei jedem Unternehmen auf der Agenda steht. Haben sich früher besonders multinationale Unternehmen und Großkonzerne mit dem Thema auseinandergesetzt, sucht derzeit vor allem der Mittelstand nach Lösungen, um die steigenden Energiepreise in den Griff zu bekommen. Die Verantwortung und die Entscheidungshoheit liegen dabei nicht mehr nur in den Händen vom Einkauf, sondern reichen bis zur Vorstandsetage.

Dynamische Entwicklung

Unternehmen sind insbesondere in den neuen Märkten – wie etwa denen für Kobalt – auf der Suche nach Hilfe. Auf den Lithiummärkten werden ebenfalls erste Absicherungen abgeschlossen. Allerdings ist die Liquidität dort noch nicht wirklich in einem Umfang vorhanden, um von einem funktionierenden Derivatemarkt sprechen zu können. Dennoch zeigen die Aktivitäten eindeutig, dass es in Zukunft vor allem auf Absicherungslösungen auf den Metallmärkten ankommen wird.

Auf den Metall- und Ölmärkten hat die Aktivität in den vergangenen zwei bis drei Monaten abgenommen. Sehr viele Marktteilnehmer haben sich im ersten Halbjahr 2022 aktiv für die Jahre 2023 bis 2026 abgesichert und warten jetzt ab, inwieweit weltweite Rezessionssorgen die Preise beeinflussen. Diese Märkte haben sich mehr als sonst von der jeweiligen Angebots- und Nachfragesituation entkoppelt. Ihre Teilnehmer sind nunmehr rein makroökonomisch orientiert. In den Energiemärkten richtet sich die gesamte Aufmerksamkeit auf Strom und Gas. Der Ausfall der physischen Versorger, Nachschussforderungen, übersteigende bilaterale Grenzwerte (Limite) oder Rekordpreise auf den Zukunftsmärkten – das sind die Thematiken, mit denen sich die Marktteilnehmer auseinandersetzen müssen. Gleichzeitig benötigen sie Partner, die sie auf der Suche nach der passenden Lösung unterstützen können.

Absicherungsstrategie prüfen

Es ist für Unternehmen deshalb mehr als ratsam, sich aktiv bei der Optimierung der Hedging-Strategie beraten zu lassen und den täglichen Austausch über Liquidität zu suchen. Die Cashflow-Aktivitäten aus Future-Kontrakten sind enorm angestiegen. Diese gilt es zu reduzieren. Unternehmen sollten Future-Positionen in Produkte für den außerbörslichen Direkthandel (OTC) umwandeln. Handelslinien und Risikobereitschaft spielen auch hier eine zunehmend wichtige Rolle.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Commodities als Assetklasse massiv an Bedeutung gewonnen haben. Dies wird sich fortsetzen, da steigende Gas- und Strompreise dazu führen, dass ein Durchschnittshaushalt in Europa mit Kostensteigerungen von 10 bis 15 Prozent im nächsten Jahr zu rechnen hat.

Autor

Weitere Inhalte zum Thema