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28.01.21
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FINANCE-Multiples 01/2021: Stimmungstief im Maschinenbau

Die FINANCE-Multiples für Maschinen- und Anlagenbauer rangieren noch immer deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau – und das, obwohl auf breiter Front die Unternehmensbewertungen wieder steigen.

Liebe Leserinnen und Leser,

die Coronakrise hinterlässt auch im Maschinen- und Anlagenbau ihre Spuren. Die Umsätze sinken, die Ertragsniveaus ebenfalls – das hat auch Auswirkungen auf die Unternehmensbewertungen. Derzeit werden Unternehmen aus der Branche Maschinen- und Anlagenbau für durchschnittlich 7,6x Ebit verkauft, zeigen die aktuellen FINANCE-Multiples. Noch vor einem Jahr, als die Coronakrise in Deutschland noch nicht angekommen war, lag das durchschnittliche Ebit-Multiple bei 8,2.

Besonders schwer verkäuflich sind derzeit Maschinen- und Anlagenbauer, die sich auf einfachere Anwendungen in der Metallbearbeitung oder dem Kunststoffspritzguss spezialisiert haben. Wettbewerber, die Kompetenzen in der Automatisierung oder im Bereich Internet of Things mitbringen, erzielen hingegen höhere Bewertungs-Multiples und wecken teils auch das Interesse von Private-Equity-Investoren.

Abgesehen vom Maschinenbau gibt es aber auch gute Nachrichten: Der Durchschnitt der FINANCE-Multiples steigt nun zum zweiten Mal in Folge, und das über alle Branchen und Größenklassen hinweg. Von diesem Aufwind profitieren besonders mittelständische Unternehmen: Bei ihnen ist die Erholung am deutlichsten sichtbar. Mid-Cap-Firmen werden derzeit im Schnitt mit 8,3x Ebit bewertet – im Sommer lag dieser Durchschnittswert noch bei 8,1x Ebit.

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Weniger Umsätze, niedrigere Ertragsniveaus: Auch im Maschinen- und Anlagenbau macht sich Corona bemerkbar. Das trübt die Bewertungsniveaus, obgleich ein dramatischer Einbruch ausgeblieben ist. Zudem hat die Situation der Automotive-Branche einen Einfluss auf die Situation vieler Maschinen- und Anlagenbauer. Aufgrund der Automotive-Krise war die Zahl der Transaktionen im Maschinen- und Anlagenbau bereits 2019 deutlich zurückgegangen, 2020 setzte sich diese Entwicklung fort.

Derzeit warten einige Unternehmen lieber ab, bis sich Aufträge und Umsätze wieder erholt haben, bevor sie einen Verkauf initiieren – sofern sie die Möglichkeit dazu haben. Distressed-Transaktionen nehmen bereits zu. Doch auch gesunde Unternehmen kommen an den Markt, etwa weil Konzerne sich von Randbereichen trennen. Um Verzerrungen durch Corona-Effekte zu vermeiden, raten Experten dazu, gegebenenfalls bei Transaktionen mehrjährige Durchschnittswerte zugrunde zu legen.

Im Kern gesunde Unternehmen, die auch in der Pandemie solide Ergebnisse schreiben, wecken laut Experten das Interesse von Käufern und können hohe Bewertungen erzielen.

Manche Branchenbeobachter sind der Meinung, dass PE-Investoren künftig häufiger zuschlagen könnten, da Strategen sich stärker auf eigene operative Herausforderungen konzentrieren. Auch am größten Branchen-Deal der zurückliegenden Monate waren Finanzinvestoren beteiligt: Thyssenkrupp Elevator Technology ging an ein Konsortium um Advent International, Cinven und die RAG-Stiftung.

Besonders gesucht sind derzeit Unternehmen, die Kompetenzen in Automatisierung und Robotik, in der E-Mobilität oder im Bereich Internet of Things mitbringen. Einfachere Anwendungen in der Metallbearbeitung oder dem Kunststoffspritzguss sind dagegen schwerer verkäuflich – ebenso wie Unternehmen mit starkem Automotive-Fokus, insbesondere wenn sie stark von einzelnen Kunden abhängig sind.

Künftig könnten sich die Multiples im Maschinen- und Anlagenbau stärker ausdifferenzieren, wobei Maschinen mit Ausrichtung auf Automotive oder Druckmaschinen eher am unteren Ende und Zielbranchen wie Robotik oder Verpackungsmaschinenbau am oberen Ende stehen dürften.

Für den Jahresverlauf 2021 rechnen Branchenbeobachter mit einer Erholung der Bewertungen, 2022 könnten die Multiples dann in der Breite wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben.

 

Quellen: DZ Bank, IMAP M&A Consultants, Oaklins Germany, SBCF & Cie., Sigma Corporate Finance, Sonntag Corporate Finance