Future Banking Skills
So verändert sich die Zusammenarbeit zwischen Banken und Unternehmen
Das Firmenkundengeschäft steht vor großen Veränderungen. Unternehmen erwarten eine auf sie zugeschnittene Beratung. Welche Skills und Kompetenzen sind zukünftig relevant? Die aktuelle FINANCE-Studie 2023 gibt Antworten auf diese und weitere Fragen. Eine ausführliche Fassung finden Sie hier als Download.
Spezielle Unternehmensanforderungen müssen in den Beratungsfokus
Unternehmen erwarten eine auf sie abgestimmte Beratungsleistung. Sie möchten gezielt und proaktiv informiert werden und bei Bedarf eine auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Beratung erhalten, die auf umfangreichen Fach- und Detailkenntnissen der Firmenkundenbanker über die jeweilige Branche beruht. Eine Standardberatung wie im Retailbanking kommt für sie nicht in Frage. Für acht von zehn der befragten Unternehmensentscheider sind daher branchenbezogene Fachkenntnisse wichtig bis sehr wichtig.
„Welche Kompetenzen spielen in Ihrer täglichen Arbeit eine wichtige Rolle?“; in Prozent der befragten Firmenkundenbanker; n=157; „Welche Kompetenzen erwarten Sie von Ihrem Firmenkundenbanker?“1; in Prozent der befragten Unternehmensentscheidern; n=193
1 Mehrfachnennungen möglich; Darstellung ohne Antwortoptionen „Sonstige“, „weiß nicht/keine Angabe“.
Quelle: ING, FINANCE/F.A.Z. Business Media | research
Zumindest jede zweite befragte Person im Firmenkundenbanking hat dies verstanden und erachtet Branchenexpertise als wichtig. Banken reagieren darauf und strukturieren sich um. Anstatt regionaler werden Branchenteams gebildet, um Expertise zu bündeln. Dieses Vorgehen ermöglicht eine tiefere thematische Spezialisierung der Firmenkundenbanker, was zu einem detaillierteren Verständnis und besseren Beratungsleistungen führen kann.
Finanzanalysen und Produktkennnisse bilden die Basis der fachlichen Qualifikation und der Beziehung zwischen Firmenkundenbanken und Unternehmen. Im Fokus steht aber das spezifische Wissen über die Unternehmen der Kunden, die eine auf sie zugeschnittene Beratung und entsprechende Finanzprodukte erwarten. Neun von zehn Unternehmensentscheidern ist es wichtig bis sehr wichtig, dass Firmenkundenbanker ein tiefes Verständnis von ihrem Unternehmen besitzen. Auch die Firmenkundenbanker rechnen damit, dass die Bedeutung von spezifischem Unternehmenswissen zunehmen wird. Nur wenige Befragte aus den Banken gehen davon aus, dass sie in „klassischen“ Bankenthemen wie Finanzanalyse, Kapitalmarktstrukturen, Standardfinanzprodukte oder Finanzmarktregulatorik zukünftig die größten Fachkenntnisse für ihre tägliche Arbeit benötigen werden.
Top-3-Kompetenzen, die wichtiger werden für die befragten Firmenkundenbanker¹
¹ n = 153; Mehrfachnennungen möglich
Quellen: ING, FINANCE/F.A.Z. Business Media | research
Finanzinstitute haben Weiterbildungsbedarf im Bereich IT
Die Digitalisierung wird im Firmenkundenbanking zukünftig eine größere Rolle einnehmen, und dies nicht nur im Hinblick auf die digitalen Strukturen in den Banken: Unternehmen sind heute stärker denn je auf digitale Prozesse angewiesen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und ihre Geschäftsprozesse zu optimieren. 62 Prozent der befragten Unternehmensentscheider geben an, dass ihnen die Möglichkeit der Digitalisierung von Bankingprozessen bei ihrer Firmenkundenbank sehr wichtig ist. Unternehmensentscheider erwarten, dass simplere Prozesse heute zu einem großen Teil online ablaufen. Diese Erwartungshaltung wird durch nachfolgende digital affinere Finanzentscheider zunehmen. Banken müssen darauf reagieren und digitale Lösungen anbieten, um den Bedürfnissen ihrer Firmenkunden gerecht zu werden.
Um dies zu erreichen, kommt es entscheidend darauf an, auch in die digitalen Kenntnisse der Firmenkundenbanker zu investieren. Im Bereich spezifische IT, wie Low Code oder Blockchain, sieht rund jeder dritte befragte Firmenkundenbanker Weiterbildungsbedarf. Hierauf reagieren viele Finanzdienstleister noch nicht, da sie weiterhin mit dem Um- und Ausbau ihrer digitalen Infrastrukturen beschäftigt sind. Dabei besteht gerade im Fall von Low Code die Möglichkeit, die eigenen IT-Abteilungen angesichts des Mangels an Fachkräften zu unterstützen und ein abteilungsübergreifendes Verständnis für Informationstechnologie zu schaffen.
„Wie wichtig ist Ihnen die Möglichkeit zur Digitalisierung von Banking-Prozessen bei Ihrer Firmenkundenbank?“; in Prozent der befragten Unternehmensentscheider; n = 178
Quellen: ING, FINANCE/F.A.Z. Business Media | research
Banker erwarten Bedeutungswachstum von Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit gewinnt auch im Firmenkundenbanking an Relevanz. Grüne Finanzierungen erfordern Know-how im Bereich Nachhaltigkeit und Regulatorik, um Risiken einschätzen und bewerten zu können. Mit der wachsenden Zahl an grünen Finanzierungen, steigt auch der Wissensbedarf im Firmenkundenbanking, um Unternehmen angemessen beraten zu können. Dass Nachholbedarf besteht, scheint den befragten Firmenkundenbankern bewusst, denn 56 Prozent sehen den größten Weiterbildungsbedarf in ihrer Bank im Bereich ESG. In Anbetracht der wachsenden Bedeutung sind die Finanzinstitute gefordert, Weiterbildungsmaßnahmen leicht verfügbar zu machen. Veränderte Rahmenbedingungen wie ESG und die dazugehörige Regulatorik nehmen fortan einen bedeutsamen Platz im Banking ein und verlangen von den Finanzdienstleistern eine neue Rolle.
„In welchen dieser Bereiche benötigen Sie die größten Fachkenntnisse für Ihre tägliche Arbeit“1; in Prozent der befragten Firmenkundenbanker; n=144; „In welchen dieser Bereiche benötigen Sie zukünftig die größten Fachkenntnisse für ihre tägliche Arbeit?“;in Prozent der befragten Firmenkundenbanker; n=141
1 Mehrfachnennungen möglich; Darstellung ohne Antwortoptionen „Sonstige“, „weiß nicht/keine Angabe“.
Quellen: ING, FINANCE/F.A.Z. Business Media | research
Klassische Bankausbildung reicht nicht mehr aus
Die Ausbildung zur Bankkauffrau oder zum Bankkaufmann soll sowohl auf die Tätigkeit im Firmenkunden- als auch im Retailbanking vorbereiten. Damit deckt die Ausbildung maßgeblich auch Fachkenntnisse und Kompetenzen ab, die nur rund 40 Prozent der befragten Firmenkundenbanker als wichtig für den beruflichen Alltag einschätzen. Schon heute sind 70 Prozent der befragten Firmenkundenbanker mit einem Studium in den Beruf eingestiegen, während nur 19 Prozent eine Ausbildung absolviert hatten. Zudem erklären 38 Prozent der befragten Firmenkundenbanker, dass eine klassische Ausbildung nicht mehr die benötigten Kompetenzen für das Firmenkundengeschäft vermittelt.
Banken haben Probleme passendes Personal zu finden
Der Personalbestand im Bankensektor nimmt ab. Gründe hierfür sind die anhaltende Konsolidierung der Branche und umfassende Filialschließungen infolge von Umstrukturierungsmaßnahmen. Trotz dieses Negativtrends werden gerade junge Talente händeringend gesucht. Banken konkurrieren nicht mehr nur mit anderen Finanzinstituten, sondern auch mit Unternehmen aus anderen Branchen um passende Arbeitnehmer, während zeitgleich deren Anzahl abnimmt. Bereits 45 Prozent der befragten Firmenkundenbanker setzen daher auf Headhunter bei der Rekrutierung von Personal.
„Welche Maßnahmen ergreift Ihre Bank, um Personalengpässen zu begegnen?“; in Prozent der befragten Firmenkundenbanker; n=129
Quellen: ING, FINANCE/F.A.Z. Business Media | research
Lebenslanges Lernen erforderlich
„Gibt es in Ihrer Bank Ansätze für ein kompetenzorientiertes Personalmanagement, also geben Sie Ihren Mitarbeitenden gezielt die Möglichkeit neue Kompetenzen zu erwerben und bestehende Kompetenzen auszubauen?“; in Prozent der befragten Firmenkundenbanker; n=125
Quellen: ING, FINANCE/F.A.Z. Business Media | research
Die Anforderungen an Arbeitnehmer sind hoch, und der Kreis der passenden Bewerber wird zunehmend kleiner. Firmenkundenbanker benötigen nicht nur Bankenwissen, sondern auch vielfältige weitere Kompetenzen. Eine wichtige Grundvoraussetzung ist daher die Bereitschaft zum kontinuierlichen Lernen. Nur diejenigen, die am Ball bleiben, sich aktiv und fortlaufend ins wirtschaftliche Geschehen einarbeiten und gut auf die Kunden vorbereiten, werden sich im zukünftigen Firmenkundenbanking zurechtfinden. In einer digitalen Bankenwelt, die durch offene Konzepte zunehmend austauschbarer und beliebiger wird, werden sich jene Geschäftsbanken behaupten, die ihren Kunden individualisierte Services bieten und ihre Beschäftigten als entscheidenden Wettbewerbsfaktor begreifen, in den es zu investieren gilt.

