FINANCE-Studie

Nachhaltigkeit und Green Finance

Transparenz und Daten

Nachhaltigkeit und Green Finance haben eine ungebrochen hohe Bedeutung für Unternehmen. Dies belegt die dritte Auflage der Studie von FINANCE und LBBW. Aktuell rücken die Messung und Dokumentation von Nachhaltigkeitskennzahlen in den Fokus. Wo stehen Unternehmen hierbei heute? Was bevorzugen CFOs und Treasurer: ESG-Ratings oder eigene Nachhaltigkeitskennzahlen? Die aktuelle FINANCE-Studie 2022 gibt Antworten auf diese und weitere Fragen. Die ausführliche Fassung finden Sie hier als Download.

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Quelle: ©Patrick Daxenbichler – stock.adobe.com

Ein unaufhaltsamer Trend

Nachhaltigkeit bleibt auch in diesem Jahr ein Top-Thema in der Wirtschaft. Daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern: 92 Prozent der befragten Unternehmensentscheider erwarten, dass sich der Stellenwert von Nachhaltigkeit in den kommenden fünf Jahren erhöhen oder sogar stark erhöhen wird. Gerade in den Finanzabteilungen der Unternehmen hat Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren einen ganz besonderen Aufwind erlebt – nicht zuletzt aufgrund von EU-weiten Regulierungen. Vielerorts verknüpfen Organisationen bereits ihre Nachhaltigkeitsstrategie mit der Finanzierung. Entsprechend haben sich auch die befragten Finanzentscheider schon mehrheitlich mit dem Thema auseinandergesetzt (70 Prozent). Nicht nur in umsatzstarken Unternehmen, auch Vertreter aus kleineren Unternehmen ziehen hier nach: Während sich 2020 gerade einmal die Hälfte der befragten Finanzentscheider aus Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 500 Millionen Euro mit nachhaltigen Finanzierungen auseinandergesetzt hatte, beschäftigen sich 2021 bereits 61 Prozent mit dem Thema.

Antwort auf die Frage: „Haben Sie sich bereits mit dem Thema ‚nachhaltige Finanzierungen‘ auseinandergesetzt?“;
in Prozent der befragten Finanzentscheider (nach Unternehmensgröße)

Quellen: FINANCE/F.A.Z. Business Media | research, LBBW

Welche Nachhaltigkeitsdimension ist derzeit am relevantesten für die befragten Unternehmensentscheider?¹

1. Ökologie

81 Prozent

2. Soziales

62 Prozent

3. Governance

51 Prozent

¹n = 167; Mehrfachnennungen möglich

Dokumentation wird wichtiger, birgt aber auch Herausforderungen

Derzeit sind eher wenige Unternehmen verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen. Das wird sich mit Inkrafttreten der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) aber künftig ändern. Nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft werden in Deutschland ab 2026 rund 15.000 Betriebe berichtspflichtig sein. Allerdings verlangen manche Großunternehmen schon heute von ihren Zulieferern einen Nachhaltigkeitsbericht oder bestimmte ESG-Kennzahlen, auch wenn diese rechtlich noch nicht dazu verpflichtet sind. Bereits mehr als jedes dritte Unternehmen der befragten Unternehmensentscheider erstellt einen Nachhaltigkeitsbericht – meistens als eigenständige Publikation, seltener als Teil des Geschäftsberichts. 64 Prozent berichten derzeit jedoch (noch) nicht über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten.

Antwort auf die Frage: „Erstellen Sie einen Nachhaltigkeitsbericht?“;
in Prozent der befragten Unternehmensentscheider; n = 151

Quellen: FINANCE/F.A.Z. Business Media | research, LBBW

83%

der befragten Finanzentscheider sehen eine große Herausforderung darin, Datentransparenz zu wesentlichen Nachhaltigkeitskennzahlen zu schaffen.

92%

der befragten Finanzentscheider sagen, dass Transparenz und Glaubwürdigkeit Schüsselfaktoren beim Thema Nachhaltigkeit sind.

Die Befragung zeigt ganz klar: Das Bedürfnis von Stakeholdern nach Nachhaltigkeitsinformationen wächst stark, Unternehmen müssen hier reagieren. Das Reporting stellt Unternehmen aber auch vor zahlreiche Herausforderungen, die die befragten Finanzentscheider in offenen Antworten schilderten. Es zeigt sich, dass die Mehrheit noch Klärungsbedarf hinsichtlich des gesamten Berichterstattungsprozesses sieht: angefangen bei der „Auswahl und Erhebung geeigneter und sinnvoller KPIs“ bis hin zu deren Verarbeitung in einem Nachhaltigkeitsbericht. Offenbar fehlt es ihnen an einheitlichen Standards. Einige befragte CFOs und Treasurer kritisieren auch, dass aus demselben Grund eine branchen- und unternehmensübergreifende Vergleichbarkeit der Berichte nur bedingt gegeben sei. Zumal der Aufwand bei der Berichterstattung groß sei. Für einen befragten Finanzentscheider wäre daher ein „für alle Kunden, Lieferanten und Geldgeber einheitlicher und ausreichender Report“ ideal, was von den Unternehmen wohl aber einen Balanceakt „zwischen tiefgehenden Anforderungen und sinnvoller, pragmatischer Umsetzung“ abverlangt.

Nachhaltigkeits-KPIs: messen und messen lassen

Was ist nachhaltig? Mit dem derzeitigen Mangel an standardisierten ESG-Kennzahlen ist die Antwort darauf eine Herausforderung. Zum einen können Unternehmen ESG-Ratings nutzen, zum anderen eigene KPIs definieren. ESG-Ratings werden von Nachhaltigkeitsagenturen erstellt, die Unternehmen hinsichtlich der drei Faktoren Environment, Social und Governance bewerten und damit eine Aussage über die Nachhaltigkeit einer Organisation treffen. Allerdings unterscheiden sich die zugrundeliegenden Kriterienkataloge von Agentur zu Agentur, was die Vergleichbarkeit einzelner Ratingergebnisse erschwert.

Die bekanntesten ESG-Ratingagenturen ¹

1. MSCI (53%)
2. S&P ESG-Evaluation (51%)
3. Sustainalytics (43%)
4. Ecovadis (39%)

¹n = 107 befragte Finanzentscheider; Mehrfachnennungen möglich Quellen: LBBW, FINANCE/F.A.Z. Business Media | research

Antwort auf die Frage: „Welche Relevanz haben ESG-Ratings aus Ihrer Sicht bei Finanzierungsfragen im Allgemeinen?“;
in Prozent der befragten Finanzentscheider; n = 107

Quellen: FINANCE/F.A.Z. Business Media | research, LBBW

Bei ESG-verknüpften Finanzierungsinstrumenten haben Finanzentscheider die Wahl: entweder individuelle Nachhaltigkeitskennzahlen oder ein externes ESG-Rating. 43 Prozent der befragten Finanzentscheider, die ESG-linked Loans, ESG-linked Schuldscheindarlehen oder Sustainability-linked Bonds bereits genutzt haben beziehungsweise für die diese Instrumente grundsätzlich denkbar sind, bevorzugen dabei eigene KPIs. Auf das externe ESG-Rating einer Agentur setzen 23 Prozent. 29 Prozent haben hier aber keine eindeutige Präferenz. Die Mehrheit der befragten Finanzentscheider ist sich allerdings einig: Die Relevanz von ESG-Ratings bei Finanzierungen ist heute zwar noch gering, aber ihre Bedeutung wächst.

62%

der befragten Finanzentscheider stufen ihr Wissen über Sustainable Finance als (sehr) gut ein.

26%

der Unternehmen der befragten Finanzentscheider haben bereits ein Green Finance Framework.

Nachhaltige Finanzierungen: mehr als nur Zukunftsmusik

Mit ihrer steigenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Relevanz wird Nachhaltigkeit auch für die Unternehmensfinanzierung immer wichtiger. Jeder Vierte befragte Finanzentscheider ist der Ansicht, dass bereits heute kein Unternehmen mehr an Sustainable Finance vorbei kommt. Weitere 63 Prozent sagen, dass nachhaltige Finanzierung für immer mehr Unternehmen an Bedeutung gewinnt.

Die befragten Finanzentscheider sind sehr offen für nachhaltige Finanzierungsinstrumente. Knapp drei Viertel können sich den Einsatz von Green Loans vorstellen. Bei ESG-linked Loans und Sustainable Bonds sind es immerhin jeweils fast zwei Drittel. In der Praxis nutzen die befragten Unternehmen nachhaltige Finanzierungsinstrumente aber immer noch selten, auch wenn gegenüber den Vorjahren viele Finanzierungsinstrumente etwas häufiger zum Einsatz kommen. Sustainable Supply Chain Finance und Sustainable Bonds sind sogar erstmals im Ranking vertreten.

Antwort auf die Frage: „Welche nachhaltigen Finanzierungsinstrumente kommen für Ihr Unternehmen grundsätzlich in Frage, welche haben Sie schon genutzt?“;
in Prozent der befragten Finanzentscheider; n = 113

Quellen: FINANCE/F.A.Z. Business Media | research, LBBW

Per Gesetz nachhaltig

Immer mehr nationale und EU-weite Regelungen definieren die Anforderungen an eine nachhaltige Unternehmensführung und -finanzierung. Aktuell beschäftigen sich die befragten Unternehmensentscheider vor allem mit dem EU Green Deal, der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), der EU-Taxonomie und dem Sorgfaltspflichtengesetz, auch bekannt als Lieferkettengesetz. Knapp ein Drittel der befragten Unternehmensentscheider hat sich bereits intensiv mit dem Lieferkettengesetz auseinandergesetzt, knapp vier von zehn zumindest ein bisschen. Um ihren Sorgfaltspflichten nachzukommen, müssen sich Unternehmen einen Überblick über ihre Lieferketten verschaffen. Vollständige beziehungsweise weitgehende Transparenz über die Lieferkette hat bislang nur die Hälfte der Befragten. Da ab 2024 alle Betriebe mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden dem Lieferkettengesetz unterliegen werden, herrscht an dieser Stelle dringender Handlungsbedarf.

Antwort auf die Frage: „Inwieweit haben Sie bereits Transparenz über Ihre Lieferkette?“;
in Prozent der befragten Unternehmensentscheider; n = 173

Quellen: FINANCE/F.A.Z. Business Media | research, LBBW

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