Philipp Habdank, Autor bei FINANCE https://www.finance-magazin.de/ueber-uns/gastautor/habdank/ für kluge Finanzentscheidungen Fri, 24 Sep 2021 10:30:55 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Corona verdirbt Banken den Risikoappetit https://www.finance-magazin.de/banking-berater/firmenkundengeschaeft/corona-verdirbt-banken-den-risikoappetit-42773/ Tue, 15 Dec 2020 06:15:00 +0000 https://stage01.finance-magazin.de/allgemein/corona-verdirbt-banken-den-risikoappetit-42773/ Banken zeigen in der Coronakrise weniger Risikobereitschaft.

Höhere Margen, strengere Kreditauflagen und risikoscheuere Banken: Eine Umfrage unter Firmenkundenbetreuern zeigt, wie sich die Coronakrise auf das deutsche Firmenkundengeschäft und die Stimmung der Banker auswirkt.

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Banken zeigen in der Coronakrise weniger Risikobereitschaft.

Höhere Margen, strengere Kreditauflagen und risikoscheuere Banken: Eine Umfrage unter Firmenkundenbetreuern zeigt, wie sich die Coronakrise auf das deutsche Firmenkundengeschäft und die Stimmung der Banker auswirkt.

Die Finanzkrise war eine Bankenkrise, die Coronakrise ist es (noch) nicht. Trotzdem hinterlässt die Pandemie schon jetzt Spuren im deutschen Firmenkundengeschäft. Das verdeutlicht die neue Firmenkundenbetreuer-Survey des FINANCE Thinktanks Corporate Banking & Finance, für die von Ende Herbst bis Anfang November 115 Firmenkundenbetreuer befragt wurden.

Die Umfrage zeigt vor allem, wie schnell sich ein Markt doch drehen kann, der ohnehin schon im Umschwung begriffen war. Schon vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie haben sich die Bonitäten vieler Firmenkunden verschlechtert und die Verstöße gegen Kreditauflagen (Covenant-Brüche) tendenziell zugenommen. Das hat Banken vorsichtiger werden lassen. Die Umfrage macht nun deutlich, dass der Risikoappetit der Banken durch Corona noch weiter abgenommen hat. 

Finanzierungsprobleme sind lediglich verschoben

Für Firmenkunden kommt die größere Vorsicht der Banken zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt: Die Corona-bedingten Finanzierungsprobleme sind bisher bei vielen Unternehmen keineswegs gelöst, sondern durch temporäre Staatshilfen und kurzfristige Hilfsmaßnahmen lediglich verschoben. So sehen das zumindest zwei Drittel der befragten Firmenkundenbetreuer. Viele Covenants werden in diesem Jahr zudem überhaupt nicht getestet und befinden sich in den sogenannten Covenant-Holidays.

Besorgniserregend ist außerdem, wie die befragten Firmenkundenbanker die Restrukturierungskompetenz im eigenen Haus einschätzen. Nur ein Drittel der befragten Betreuer stellt seinen Restrukturierungskollegen ein perfektes Zeugnis aus. Ein weiteres Drittel zweifelt sogar daran, dass die Workout-Abteilung personell und inhaltlich den aktuellen und kommenden Restrukturierungen gewachsen sind. Ein weiteres Drittel sieht hier sogar Defizite.

Schlägt nun die Stunde von Private Debt?

Die große Frage lautet darum: Was passiert mit diesen Unternehmen im nächsten Jahr und wer finanziert dann künftig noch die bonitätsschwächeren Firmen? Wenn die Banken Zurückhaltung zeigen, könnte die Stunde der alternativen Kreditgeber schlagen – allen voran die von Private Debt. Viele Kreditfonds gehen auch höhere Risiken ein, vorausgesetzt die Verzinsung und der Grad der Besicherung stimmen. Ein Drittel der befragten Banker glaubt, dass die Debt-Fonds als Gewinner aus der Coronakrise hervorgehen werden.

Für das eigene Kundenportfolio gilt dies in den Augen der befragten Banker freilich nicht. Zwar sorgen sich viele um den Markt, doch 62 Prozent schätzen ihr persönliches Kundenportfolio mit Blick auf die Krisenfestigkeit besser ein als den Gesamtmarkt. „Wenn diesmal nicht zufällig nur die Kollegen mit dem Spitzenportfolio geantwortet haben, dann regiert hier Wunsch über Wirklichkeit“, meint Bastian Frien, Leiter des FINANCE Think Tanks. Lediglich 5 Prozent der Firmenkundenbetreuer halten ihr Portfolio für weniger krisenfest als den Gesamtmarkt. 

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Banker-Wechsel, Restrukturierungen, angriffslustige Auslandsbanken: Alles Wichtige zum harten Kampf im deutschen Firmenkundengeschäft.

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Auf die Stimmung unter den Firmenkundenbankern hat die Coronakrise bisher erstaunlich wenig Einfluss. Die Arbeitsunzufriedenheit und Wechselwilligkeit hat sich der Umfrage zufolge im vergangenen halben Jahr praktisch nicht verändert. Auffällig ist jedoch, dass die Chefs erheblich zufriedener sind als ihre Mitarbeiter und sich daher folglich auch weniger wechselwillig zeigen. Das könnte daran liegen, dass das Jahr 2020 für viele doch nicht so schlecht war wie zunächst befürchtet. Die Boni scheinen für viele Banker wieder in greifbarer Reichweite zu sein.

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Die vollständige Firmenkundenbetreuer-Survey finden Sie hier. Noch mehr Hintergründe zum deutschen Corporate Banking finden Sie zudem auf der FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft

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Blackbox CDS-Spreads https://www.finance-magazin.de/banking-berater/firmenkundengeschaeft/blackbox-cds-spreads-42656/ Mon, 14 Dec 2020 06:15:00 +0000 https://stage01.finance-magazin.de/allgemein/blackbox-cds-spreads-42656/ Wie entstehen CDS-Spreads? Die Unternehmensberatung Zeb hat versucht, diese Blackbox ein Stück zu öffnen.

CDS-Spreads von Banken sollen bei der Einschätzung helfen, wie riskant ein Institut ist. Ein ungewöhnlicher Vorgang bei der Hamburg Commercial Bank wirft jedoch die Frage auf, wie aussagekräftig CDS-Spreads wirklich sind.

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Wie entstehen CDS-Spreads? Die Unternehmensberatung Zeb hat versucht, diese Blackbox ein Stück zu öffnen.

CDS-Spreads von Banken sollen bei der Einschätzung helfen, wie riskant ein Institut ist. Ein ungewöhnlicher Vorgang bei der Hamburg Commercial Bank wirft jedoch die Frage auf, wie aussagekräftig CDS-Spreads wirklich sind.

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HSBC verliert Mittelstandschef Christian Kolb https://www.finance-magazin.de/banking-berater/firmenkundengeschaeft/hsbc-verliert-mittelstandschef-christian-kolb-42759/ Thu, 10 Dec 2020 06:15:00 +0000 https://stage01.finance-magazin.de/allgemein/hsbc-verliert-mittelstandschef-christian-kolb-42759/ Geht nach über 30 Jahren vorzeitig in den Ruhestand: HSBC-Banker Christian Kolb.

Die HSBC Deutschland bekommt im nächsten Jahr einen neuen Mittelstandschef. Michael Schleef kommt von der Deutschen Bank und beerbt das HSBC-Urgestein Christian Kolb, der in den vorzeitigen Ruhestand geht.

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Geht nach über 30 Jahren vorzeitig in den Ruhestand: HSBC-Banker Christian Kolb.

Die HSBC Deutschland bekommt im nächsten Jahr einen neuen Mittelstandschef. Michael Schleef kommt von der Deutschen Bank und beerbt das HSBC-Urgestein Christian Kolb, der in den vorzeitigen Ruhestand geht.

Das Firmenkundengeschäft der HSBC Deutschland bekommt ein neues Gesicht: Wie die Bank mitteilte, wechselt zum ersten Januar 2021 Michael Schleef als Co-Head Commercial Banking von der Deutschen Bank zur HSBC. Dort wird er zunächst an der Seite von Christian Kolb für das mittelständische Firmenkundengeschäft zuständig sein.

Christian Kolb wird die HSBC nach über 30 Jahren auf eigenen Wunsch Ende Juni 2021 verlassen und in den Ruhestand gehen. Ab dann soll Schleef das Commercial Banking als Bereichsvorstand alleine verantworten. Wie Kolb, berichtet auch Schleef an Nicolo Salsano, der im Vorstand der HSBC Deutschland das Commercial und Institutional Banking (CIB) verantwortet. 

Michael Schleef kommt von der Deutschen Bank

Michael Schleef ist ein Urgestein der Deutschen Bank für die er über 20 Jahre lang in verschiedenen Positionen arbeitet. Zuletzt leitete er bis Mai 2020 als Head of Corporate Banking DACH das Firmenkundengeschäft im deutschsprachigen Raum. 

HSBC Deutschland

Leitet künftig das Mittelstandsgeschäft: Michael Schleef.

Zuvor leitete er unter anderem das Firmenkundengeschäft in Norddeutschland und den Bereich Business Strategy & Development im Großkundensegment bei der Deutschen Bank.

Mit Christian Kolb verliert die HSBC Deutschland aber auch ein eigenes Urgestein. Kolb startete seine Karriere 1991 als Firmenkunden-Trainee beim Bankhaus Trinkaus & Burkhardt, das inzwischen unter HSBC Deutschland firmiert und die deutsche Niederlassung der internationalen HSBC-Gruppe ist.

Danach durchlief Kolb verschiedene Stationen innerhalb der HSBC: Er leitete in Deutschland den Bereich Corporate Bond Orgination, war Co-Head Primary Markets, leitete neun Jahre lang das Großkundengeschäft der HSBC in Deutschland und Österreich und wechselte 2013 nach London, um dort das Geschäft mit internationalen Firmenkunden zu leiten. 

Christian Kolb hat die Mittelstandsoffensive begleitet

Drei Jahre später kehrte er nach Deutschland zurück. Dort hatte gerade der Brite Stephen Price seine Zelte nach nur drei Jahren wieder abgebrochen, zuvor allerdings eine große Mittelstandsoffensive ausgerufen. Deren Ziel: Im Firmenkundengeschäft von einer Nischen- zu einer Kernbank zu werden und auch kleinere Mittelständler als Kunden zu gewinnen. Die Umsatzgrenze fiel in diesem Zusammenhang von 100 auf 35 Millionen Euro. Die Bank eröffnete zudem mehrere neue Standorte, um in der Fläche Präsenz zu zeigen.

Kolbs Aufgabe war es seitdem, die begonnene Mittelstandsoffensive weiter umzusetzen. Inzwischen hat sich gezeigt, dass die Bilanz der Offensive durchwachsen ist: In der aktuellen FINANCE Banken-Survey 2020 gaben 38 Prozent der Befragten CFOs und Treasurer an, dass die HSBC eine ihrer Hausbanken sei, nach 30,5 Prozent im Vorjahr. 

Der HSBC ist es, wie vielen Auslandsbanken vor ihr auch schon, aber nicht gelungen, das Geschäft mit kleineren Mittelständler erfolgreich zu machen. Die Gründe: Das reine Kreditgeschäft ist im Niedrigzinsumfeld schlicht nicht profitabel genug, und das (internationale) Zusatz- und Folgegeschäft mit dieser Kundengruppe hat sich nicht so entwickelt, wie ursprünglich einmal erhofft. 

HSBC dreht Teile der Mittelstandsoffensive zurück

Darum drehte die Bank einen Teil der zuletzt wieder zurück. Die Umsatzschwelle für Firmenkunden liegt wieder bei 100 Millionen Euro und die im Rahmen der Mittelstandsoffensive eröffneten Standorte in Hannover, Köln und Mannheim werden wieder geschlossen, Nürnberg zudem deutlich geschrumpft. „Wir fokussieren uns stärker auf die Kunden, die unser internationales Netzwerk nutzen“, begründete Kolb den Strategiewechsel. Bei diesen Firmenkunden sei die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass sie nennenswert Geschäft im Ausland machen. Diesen Kunden will die HSBC auch weiter Kredit geben.

Lag der Fokus der HSBC in den Jahren der Mittelstandsoffensive vor allem auf der Neukundengewinnung, dürfte der neue Firmenkundenchef Michael Schleef in erster Linie daran gemessen werden, wie profitabel sich das Commercial Banking unter seiner Führung künftig entwickelt – in Zeiten von Corona sicher kein einfaches Unterfangen. 

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Dazu kann er auf das speziell für Mittelständler aufgebaute Kapitalmarktteam sowie die Einsatztruppe für mittelständisches Private-Equity-Geschäft zurückgreifen. Zudem unterhält die HSBC ein eigenes Team, das sich mit staatlichen Finanzierungen wie beispielsweise KfW-Krediten beschäftigt – Errungenschaften der Mittelstandsoffensive, an denen die HSBC festhalten will, die künftig aber auch liefern müssen.

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Private-Equity-Ticker: DBAG, Silverfleet, VR Equitypartner https://www.finance-magazin.de/deals/deutschland/private-equity-ticker-dbag-silverfleet-vr-equitypartner-42700/ Tue, 01 Dec 2020 06:15:00 +0000 https://stage01.finance-magazin.de/allgemein/private-equity-ticker-dbag-silverfleet-vr-equitypartner-42700/ Auch weil die DBAG groß im deutschen Breitbandausbau mitmischt, ist der Corona-Schaden im Portfolio des Finanzinvestors bisher überschaubar.

Die DBAG präsentiert ihre Corona-Rechnung, Silverfleet verdreifacht den Einsatz bei 7 Days und VR Equitypartner gelingt sowohl ein Zu- als auch ein Verkauf: Der neue FINANCE-Private-Equity-Ticker.

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Auch weil die DBAG groß im deutschen Breitbandausbau mitmischt, ist der Corona-Schaden im Portfolio des Finanzinvestors bisher überschaubar.

Die DBAG präsentiert ihre Corona-Rechnung, Silverfleet verdreifacht den Einsatz bei 7 Days und VR Equitypartner gelingt sowohl ein Zu- als auch ein Verkauf: Der neue FINANCE-Private-Equity-Ticker.

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HSBC macht drei Standorte dicht https://www.finance-magazin.de/banking-berater/firmenkundengeschaeft/hsbc-macht-drei-standorte-dicht-42690/ Fri, 27 Nov 2020 11:13:06 +0000 https://stage01.finance-magazin.de/allgemein/hsbc-macht-drei-standorte-dicht-42690/ Die HSBC Deutschland schließt die Niederlassungen in Düsseldorf, Mannheim, Hannover und Nürnberg.

Die HSBC Deutschland kürzt in ihrem Filialnetz. Was bleibt von der einstigen Mittelstandsoffensive?

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Die HSBC Deutschland schließt die Niederlassungen in Düsseldorf, Mannheim, Hannover und Nürnberg.

Die HSBC Deutschland kürzt in ihrem Filialnetz. Was bleibt von der einstigen Mittelstandsoffensive?

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John Kornblum: „Europa muss über seinen Schatten springen“ https://www.finance-magazin.de/finanzabteilung/fx-weltwirtschaft/john-kornblum-europa-muss-ueber-seinen-schatten-springen-42686/ Fri, 27 Nov 2020 06:56:03 +0000 https://stage01.finance-magazin.de/allgemein/john-kornblum-europa-muss-ueber-seinen-schatten-springen-42686/ Der ehemalige US-Botschafter John Kornblum sprach bei der Structured FINANCE über die künftige amerikanische Außen- und Handelspolitik unter Joe Biden – und richtete einen klaren Appell an Europa.

Am letzten Tag der Structured FINANCE Digital Week spricht Ex-US-Botschafter John Kornblum über das politische Erbe von Donald Trump, die neue Handelspolitik unter Joe Biden – und richtet einen eindringlichen Appell an die Europäer.

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Der ehemalige US-Botschafter John Kornblum sprach bei der Structured FINANCE über die künftige amerikanische Außen- und Handelspolitik unter Joe Biden – und richtete einen klaren Appell an Europa.

Am letzten Tag der Structured FINANCE Digital Week spricht Ex-US-Botschafter John Kornblum über das politische Erbe von Donald Trump, die neue Handelspolitik unter Joe Biden – und richtet einen eindringlichen Appell an die Europäer.

„Mr. Gorbachev, tear down this wall!“, forderte einst Ronald Reagan in einer Rede vor der Berliner Mauer am Brandenburger Tor. Die Idee zu dieser Aufforderung hatte aber nicht der damalige US-Präsident, sondern John Kornblum. „Ich bin stolzer auf das Ereignis als auf den Satz“, meinte der frühere US-Botschafter gestern, darauf angesprochen, bei der Structured FINANCE E-Paper Week.

Das Onstage-Interview mit dem prominenten US-Diplomaten war das abschließende Highlight der diesjährigen Structured FINANCE E-Paper Week. Wegen Corona fand es allerdings, wie die komplette Veranstaltung, virtuell statt. Kornblum lebt eigentlich mit seiner Frau in Berlin, doch während der Pandemie wohnen beide in Nashville, Tennessee.

Mit Ole Jendis, Geschäftsbereichsleiter Finanzen beim F.A.Z.-Fachverlag, sprach Kornblum vor allem über die dramatische US-Wahl, das politische Erbe von Donald Trump und die künftige Handelspolitik des neuen US-Präsidenten Joe Biden. Dass dieser die Wahl gewinnen würde, hatte Kornblum erwartet – und erhofft: „Sie können sich vorstellen, dass ich kein großer Befürworter von Trump war und bin“, sagte der Transatlantiker Kornblum.

Kornblum hält Trumps Macht für begrenzt

„Trump ist kein normaler Politiker, er ist überhaupt kein Politiker. Er ist eine charismatische Figur, die eine Stimmung erzeugt und viele Menschen bewegt hat“, beschreibt Kornblum den scheidenden US-Präsidenten. Mit seinem Verhalten nach der Wahl versuche Trump, „das Fundament für seine Aktivitäten nach seiner Amtszeit“ zu legen, wie es Kornblum ausdrückt. Das Ende des Wahlkampfs sei für Trump nur ein weiterer Schritt bei der Suche nach persönlicher Geltung.

Auch wenn Trump aus der Öffentlichkeit nicht verschwinden wird, so hält Kornblum seine künftige politische Macht doch für begrenzt. „Ich habe mein ganzes Leben lang mit Macht und Einfluss leben müssen – wenn man keine Macht mehr hat, hat man keine Macht mehr“, so Kornblum. Trump werde zwar eine Medienpersönlichkeit bleiben, aber er werde die republikanische Partei verlieren, die nach vorne schauen und andere Kandidaten finden werde.

„Trump wird zwar eine Medienpersönlichkeit bleiben, aber er wird die republikanische Partei verlieren, die nach vorne schauen und andere Kandidaten finden wird.“

John Kornblum

Kornblum dämpft Hoffnungen bei Handelspolitik

Viele CFOs hofften im Vorfeld der Wahl, dass Biden gewinnt – und damit auf eine EU-freundlichere und offenere Handelspolitik als unter Trump. Diese Hoffnungen dämpfte Kornblum allerdings ein Stück weit. Zwar dürfte Joe Biden wieder eine Außenpolitik betreiben, die sich auf eine globale und liberale Ordnung bezieht, doch die inhaltlichen Kriterien für die Handelspolitik hätten sich in den vergangenen Jahren verändert.

Das würde auch Biden vor Herausforderungen stellen – zum Beispiel der Aufstieg von China zur Großmacht oder das Aufkommen der Digitalisierung. „Handelspolitik ist sehr mühsam, weil sie die tiefsten wirtschaftlichen und psychologischen Interessen der Wähler trifft“, so Kornblum. Ein wichtiges Amt für die künftige Handelspolitik der USA sei zudem noch unbesetzt: der Handelsbeauftragte.

Kornblum merkte auch an, dass es nicht alleine die Schuld von Donald Trump sei, dass westliche Freihandelsabkommen scheiterten. Als Beispiel nennt er TTIP, die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft. „Die war auch fast unterschriftsreich. Aber wer hat das gekillt? Die Bundesrepublik Deutschland“, so Kornblum.

Kornblum nimmt Europa in die Pflicht

Deutschland sei einer der Hauptgründe, warum sich der Westen in der Handelspolitik nicht einig sei. Biden könne handelspolitisch wieder in die Weltgesundheitsorganisation eintreten und neue Gespräche mit dem Iran aufnehmen. „Aber die Inhalte der Handelspolitik kann er selber nicht bestimmen“, meint Kornblum.

Die Inhalte würden auch von den europäischen Verbündeten beeinflusst – und das bisher nicht immer positiv. Europa habe sich hier auch nicht mit Ruhm bekleckert, vor allem in der Landwirtschaftspolitik. „Die Subventionen der EU sind nicht marktgereicht“, kritisiert Kornblum.

Sein Appell an Europa: „Jetzt ist die Zeit gekommen, da sich die Europäer auf die gewaltigen Veränderungen konzentrieren müssen, die auf der Welt stattfinden“, so Kornblum. Amerika sei dafür der perfekte Partner, doch die Europäer müssten über ihren Schatten springen und mitgestalten, anstatt nur am eigenen Haus Europa zu bauen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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Erster großer Deal für EMZ Partners in der Schweiz https://www.finance-magazin.de/deals/deutschland/erster-grosser-deal-fuer-emz-partners-in-der-schweiz-42678/ Thu, 26 Nov 2020 06:15:00 +0000 https://stage01.finance-magazin.de/allgemein/erster-grosser-deal-fuer-emz-partners-in-der-schweiz-42678/ Künftig läuft die Buy-and-Build-Strategie von Assepro über EMZ Partners. Der Private-Equity-Investor soll für den Versicherungsbroker knapp 15x Ebitda bezahlt haben.

Der französische Private-Equity-Investor EMZ Partner hat für rund 100 Millionen Schweizer Franken den Versicherungsmakler Assepro übernommen. Es ist der erste große Deal für Deutschlandchef Klaus Maurer.

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Künftig läuft die Buy-and-Build-Strategie von Assepro über EMZ Partners. Der Private-Equity-Investor soll für den Versicherungsbroker knapp 15x Ebitda bezahlt haben.

Der französische Private-Equity-Investor EMZ Partner hat für rund 100 Millionen Schweizer Franken den Versicherungsmakler Assepro übernommen. Es ist der erste große Deal für Deutschlandchef Klaus Maurer.

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Die Behrens-Pleite: Ein Bärendienst für Private Debt https://www.finance-magazin.de/deutschland/die-behrens-pleite-ein-baerendienst-fuer-private-debt-42644/ Mon, 23 Nov 2020 06:15:00 +0000 https://stage01.finance-magazin.de/allgemein/die-behrens-pleite-ein-baerendienst-fuer-private-debt-42644/ Wer hat hier wem die Pistole auf die Brust gesetzt? Weil die Finanzierungsverhandlungen zwischen Joh. Friedrich Behrens und Patrimonium auf den letzten Metern gescheitert sind, ist der Mittelständler pleite.

Es lässt sich darüber streiten, wer schuld ist an der Pleite von Joh. Behrens, Unternehmen oder Debt-Fonds. Am Ende ist das völlig egal, denn die Art und Weise der Pleite sendet ein fatales Signal an den Markt. Ein Kommentar.

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Wer hat hier wem die Pistole auf die Brust gesetzt? Weil die Finanzierungsverhandlungen zwischen Joh. Friedrich Behrens und Patrimonium auf den letzten Metern gescheitert sind, ist der Mittelständler pleite.

Es lässt sich darüber streiten, wer schuld ist an der Pleite von Joh. Behrens, Unternehmen oder Debt-Fonds. Am Ende ist das völlig egal, denn die Art und Weise der Pleite sendet ein fatales Signal an den Markt. Ein Kommentar.

Joh. Friedrich Behrens ist pleite, weil das Unternehmen keine Anschlussfinanzierung für seine am 11. November fällige Mittelstandsanleihe finden konnte. An und für sich schockiert so eine Nachricht nicht mehr. Wer diesen Markt über die Jahre verfolgt hat, der weiß: Behrens ist beileibe nicht der erste Mini-Bond, der kurz vor der Fälligkeit überraschend umgefallen ist – und wird vermutlich auch nicht der letzte sein.

Und trotzdem gibt es bei der Pleite von Behrens eine Ungereimtheit, die den Fall besonders macht: Warum schreibt das Unternehmen am 27. Oktober – zwei Wochen vor dem Rückzahlungstermin der Anleihe –, dass die erwartete Finanzierungszusage des Debt-Fonds Patrimonium die planmäßige Rückführung der Anleihe 2015/2020 sichere, nur um wenig später, zwei Tage (!) vor dem Rückzahlungstermin, bekanntzugeben, dass die Finanzierungsverhandlungen bislang doch nicht erfolgreich gewesen seien?

Wilde Gerüchte zur Behrens-Pleite

Was ist zwischen dem 27. Oktober (alles wird gut) und dem 9. November (ähm, jetzt könnte es vielleicht doch ein bisschen eng werden) passiert? Welche „wesentlichen Vertragsinhalte“ haben sich in so kurzer Zeit so drastisch verändert? Pikant – und leider ebenfalls typisch für den Mini-Bond-Markt ist, dass sich das Unternehmen – auch auf mehrfache Nachfrage hin – hartnäckig weigert, das für seine Bondholder nicht ganz unwichtige Thema Insolvenzantrag zu erläutern.

Die letzten zwei Wortmeldungen des Unternehmens waren: Schuldzuweisung an den Debt-Fonds und die Insolvenzanmeldung. Seitdem: Funkstille. In der Pressemitteilung zum Insolvenzantrag schreibt Behrens wörtlich: „da keine Einigung über wesentliche Vertragsinhalte gefunden werden konnte“. Heißt: Der Debt-Fonds ist schuld. Aber ist er das auch? Behrens schreibt in der Pressemitteilung nicht, welche Vertragsinhalte der Knackpunkt gewesen seien, und auch der Debt-Fonds Patrimonium will sich dazu nicht äußern. 

Was macht man als Finanzjournalist also? Man hört sich in seinem Netzwerk um und legt das Ohr auf die Schiene, wie man so schön sagt. Und wie so häufig bei den Mini-Bond-Pleiten, wenn die offiziellen Kommunikationskanäle überwiegend stumm sind, kursieren zu den Hintergründen der Pleite inzwischen die wildesten Gerüchte. 

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Nach einem kurzen Boom erschütterten Dutzende Pleiten und Skandale den Markt für Mittelstandsanleihen. Alle wichtigen News und Trends liefert unsere Themenseite.

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Angefangen bei: Der Debt-Fonds sei zu gierig gewesen und habe übertriebene Nachforderungen gestellt. Über: Die Anleihe hätte schon viel früher restrukturiert werden können, doch die Eigentümerfamilie sah sich „nicht als Sanierungsfall“. Bis hin zu: Die Inhaberfamilie hätte auf den letzten Metern einen Rückzieher gemacht, um das private Vermögen zu schützen. Alle Gerüchte haben gemein, dass die Finanzierung am Ende wohl in irgendeiner Form an der Besicherung der 8 Millionen Euro großen Debt-Fonds-Tranche gescheitert sein soll, mutmaßlich an einer Grundschuld. 

Warum hat Behrens den Mini-Bond nicht restrukturiert?

Welches dieser Gerüchte stimmt nun? Schwer zu sagen. Fakt ist aber: Das Unternehmen hat über Monate einen komplexen Refinanzierungsplan ausgeknobelt. Dieser sah eine stille Beteiligung des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), einen Beitrag von Förderinstituten des Landes Schleswig-Holstein, eine neue Mittelstandsanleihe und eben einen Kredit von Patrimonium vor. Warum aber gab es bei so einer komplizierten Konstruktion keinen Plan B?

Oder anders gefragt: Warum wurde die Anleihe nicht einfach verlängert, wenn es dem Unternehmen operativ doch angeblich ganz okay geht und es laut Familie doch kein Sanierungsfall sei? Das Schuldverschreibungsgesetz ermöglicht die Restrukturierung einer Anleihe. Erst im Oktober machte das Modehaus Eterna davon Gebrauch, die Laufzeitverlängerung ist gerade auf dem Weg. Aus dem Umfeld der Behrens-Anleihegläubiger ist zu hören, dass die Chancen für eine Einigung nicht schlecht gestanden hätten. Alle Beteiligten hätten wertvolle Zeit gewonnen. 

Bad news für alle Mini-Bond-Emittenten

Jetzt ist der Schaden angerichtet, und wie so oft kennt auch diese Mini-Bond-Geschichte nur Verlierer: enttäuschte Gläubiger einer unbesicherten Anleihe, die ihr Geld höchstwahrscheinlich nicht wiedersehen werden, ein Familienunternehmen, dessen Ruf durch die Pleite schwer leidet, andere Mittelständler, die sich in ihren Vorbehalten gegenüber Finanzinvestoren bestätigt sehen – und Debt-Fonds, die es sich künftig mehr als einmal überlegen werden, ob sie ihren eigenen Ruf mit einem Projekt im Mini-Bond-Markt aufs Spiel setzten wollen, Gefahr laufend, von einem weniger professionellen Verhandlungspartner am Ende den Schwarzen Peter zugeschoben zu bekommen.

„Das Pricing bei den Mittelstandsanleihen ist – abgesehen von ein paar Ausnahmen – noch nie risikoadäquat gewesen.“

Philipp Habdank, Redakteur, FINANCE

Dabei galt Private Debt zuletzt für manchen Emittenten als ein interessanter Weg, um seine Mittelstandsanleihen zu refinanzieren, denn neue Bonds zu platzieren, wird in diesem Wildwest-Segment immer schwerer. 

Am Ende des Tages kommt man immer wieder zum Pricing zurück, das bei Mittelstandsanleihen – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – noch nie risikoadäquat gewesen ist. Semi-professionelle private Investoren und Kleinanleger haben das vielleicht noch durchgehen lassen oder nicht erkannt. Ein Debt-Fonds wie Patrimonium hätte Behrens aber sicherlich nicht zu 5 oder 7 Prozent finanziert, sondern stattdessen zweistellige Renditen oder bombenfeste Sicherheiten gefordert. Wir würden sagen: zu Recht!

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Noch mehr Hintergründe zu Mini-Bond-Pleiten finden Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen

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Private-Equity-Ticker: Mutares, Quadriga, EQT https://www.finance-magazin.de/deals/deutschland/private-equity-ticker-mutares-quadriga-eqt-42636/ Thu, 19 Nov 2020 06:15:00 +0000 https://stage01.finance-magazin.de/allgemein/private-equity-ticker-mutares-quadriga-eqt-42636/ Hat die Coronakrise auf den Private-Equity-Markt eine reinigende Wirkung oder führt sie letztendlich zu einer neuen großen Blase?

Reges M&A-Treiben beim Turnaround-Investor Mutares, Quadriga pusht ein großes Buy-and-Build-Projekt, und EQT plant den Einstieg bei Thinkproject sowie den Abflug bei Apleona: Der neue FINANCE-Private-Equity-Ticker.

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Hat die Coronakrise auf den Private-Equity-Markt eine reinigende Wirkung oder führt sie letztendlich zu einer neuen großen Blase?

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Die Commerzbank quält sich durch 2020 https://www.finance-magazin.de/banking-berater/firmenkundengeschaeft/die-commerzbank-quaelt-sich-durch-2020-42550/ Fri, 06 Nov 2020 06:15:00 +0000 https://stage01.finance-magazin.de/allgemein/die-commerzbank-quaelt-sich-durch-2020-42550/ Steuert das Firmenkundengeschäft der Commerzbank bisher zwar mit operativem Verlust aber ohne großen Ertragsrückgang durch die Coronakrise: Firmenkundenchef Roland Boekhout

Ein neuer CEO kommt, ist aber noch nicht da. Eine Strategie ist zwar da, aber ihr fehlt die Vision: Die Commerzbank schleppt sich durch das Jahr. Unser Deep-dive mit vielen neuen Zahlen.

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Steuert das Firmenkundengeschäft der Commerzbank bisher zwar mit operativem Verlust aber ohne großen Ertragsrückgang durch die Coronakrise: Firmenkundenchef Roland Boekhout

Ein neuer CEO kommt, ist aber noch nicht da. Eine Strategie ist zwar da, aber ihr fehlt die Vision: Die Commerzbank schleppt sich durch das Jahr. Unser Deep-dive mit vielen neuen Zahlen.

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