Für Behrens hat es nicht gereicht. Der Baumaschinenhersteller ist insolvent.

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11.11.20
Wirtschaft

Finanzierung gescheitert: Behrens ist insolvent

Die Finanzierungsverhandlungen zwischen Joh. Friedrich Behrens und dem Debt-Fonds Patrimonium sind ins Leere gelaufen. Das Unternehmen kann seine fällige Anleihe nicht zurückzahlen und muss Insolvenz anmelden.

Für die Anleihegläubiger des Herstellers von Druckluftnaglern Joh. Friedrich Behrens waren die zurückliegenden Wochen ein Wechselbad der Gefühle – und der Ausgang ist ernüchternd: Das Unternehmen hat keine Finanzierung zusammenbekommen, um die am heutigen Mittwoch fällige Anleihe 2015/2020 zurückzubezahlen. Eine Teilsumme von 16 Millionen Euro hätte Behrens, das 2019 knapp 119 Millionen Euro Umsatz erzielte, noch begleichen müssen.

Man sehe „keine realisierbare Möglichkeit mehr, innerhalb der gesetzlichen Fristen die Rückzahlung der heute fälligen Anleihe 2015/2020 zu gewährleisten“, teilte das Management nun mit. Behrens hat wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz  beantragt, das Unternehmen will sich über eine Insolvenz in Eigenverwaltung  sanieren. Für die Tochtergesellschaften der Behrens AG wurde keine Insolvenz beantragt, das operative Geschäft soll weiterlaufen.

Wer das Eigenverwaltungsverfahren als Sachwalter betreut und welcher Restrukturierer Behrens operativ unterstützt, teilte Behrens zunächst nicht mit.  

Behrens gab sich lange zuversichtlich

Das Unternehmen hatte bis zuletzt an einer Finanzierungslösung gefeilt und die Gläubiger dabei lange in dem Glauben gelassen, eine Ablösung sei auf bestem Wege: Noch Ende Oktober ging Behrens nach eigenem Bekunden davon aus, „dass alle geplanten Bausteine der Gesamtfinanzierung zeitnah und final umgesetzt werden und dadurch die Rückführung des Restvolumens der Anleihe 2015/2020 gesichert wird“.

Damals hatte der Mittelständler mit dem Debt-Fonds Patrimonium über eine Finanzierung gesprochen, es ging um einen Betrag von 8 Millionen Euro. Die Finanzierung schien der Darstellung der Ahrensburger zufolge schon auf der Zielgeraden. Weitere 6 Millionen Euro sollten aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes kommen, noch einmal 2 Millionen Euro sollten Förderinstitute des Landes Schleswig-Holstein bereitstellen. Damit hätte Behrens die 16 Millionen Euro zur Ablöse der Anleihe beisammen gehabt. Die Zusage der staatlichen Hilfen war damals Voraussetzung für die Zusage des Debt-Fonds.

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Zudem hätten Zeichner der nun ausgefallenen Anleihe das Papier in eine neue vierte Anleihe mit Laufzeit bis 2025 wandeln können – wie viele Anleger bis heute davon Gebrauch gemacht haben, ist nicht bekannt. Das laufende öffentliche Angebot für die neue Anleihe 2020/2025 wird nun ebenfalls beendet.

Behrens scheitert an Einigung mit Debt-Fonds

Erst am Dienstag, einen Tag vor der 16-Millionen-Euro-Fälligkeit, ließ Behrens die Bombe platzen : Die Verhandlungen waren keineswegs auf der Zielgeraden. In der heutigen Mitteilung heißt es, über „wesentliche Vertragsinhalte“ sei bei Finanzierungsverhandlungen über den Debt-Fonds-Baustein der Finanzierung keine Einigung erzielt worden. Eine Alternative hat sich seit gestern ebenfalls nicht mehr ergeben.

Ob es sich bei dem Debt-Fonds, mit dem zuletzt verhandelt wurde, nach wie vor um Patrimonium handelt, sagt Behrens nicht explizit. Allerdings gab es keinen Hinweis darauf, dass die Finanzierungsgespräche mit Patrimonium beendet und mit einem anderen Fonds neu aufgenommen worden wären.

Behrens musste auch in der Vergangenheit schon um Finanzierungen kämpfen. 2014 hatte das Unternehmen seine Kredit-Covenants gerissen, nur wenige Tage vor Ende der Laufzeit der Finanzierung. Auch das Vorgehen, Mittelstandsanleihen mit der Emission neuer Papiere zu refinanzieren, nutzte Behrens in der Vergangenheit bereits. Das Rating war damals weit im spekulativen Bereich.

Am gestrigen Dienstag hatte Euler Hermes sein Rating für Behrens bereits auf C mit negativem Ausblick gesenkt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

 Mehr über die wenig ruhmreiche Geschichte des Mini-Bond-Segments finden Sie auf der Themenseite zu Mittelstandsanleihen. Wer noch um die Finanzierung kämpft und wie Banken mit notleidenden Finanzierungen umgehen, lesen Sie auf der Themenseite Distressed Debt.