FINANCE-Studie

Portallösungen und Zahlungsverkehr im Wandel

Die Digitalisierung der Unternehmen schreitet voran und macht auch vor den Finanzabteilungen nicht halt. Doch wie steht es wirklich um Webportale und digitalen Zahlungsverkehr? Haben sich E-Signatur und digitale Bezahlmethoden bereits durchgesetzt? Diesen und weiteren Themen gehen wir mit einer befragungsbasierten Studie auf den Grund. Die ausführliche Fassung steht als Download zur Verfügung.

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Quelle: ©AndSus – stock.adobe.com

Webportale werden für Prozesse der Finanzabteilungen genutzt

Vor allem im Haupttätigkeitsfeld Zahlungsverkehr, der in der Regel auch als Erstes digitalisiert wurde, werden Portallösungen am häufigsten bereits genutzt. Außerdem bestehen in vielen Fällen bereits standardisierte Schnittstellen, die eine elektronische Abwicklung erleichtern. Deutlich mehr als die Hälfte der befragten Treasurer und Finanzentscheider verwendet ein elektronisches Postfach als Kommunikationskanal zu ihren Banken. Immerhin knapp die Hälfte der Befragten setzt beim Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement auf webbasierte Portale. Bei komplexeren Themen wie Kontoeröffnungen ist der Digitalisierungsgrad in der Regel noch nicht groß, weshalb auch Portallösungen kaum genutzt werden. Auch Geschäftsvorfälle, die einen hohen Beratungsbedarf benötigen, werden in der Regel eher analog abgewickelt.

Antwort auf die Frage: „Für welche Zwecke nutzt Ihr Unternehmen Portallösungen?“; in Prozent der Befragten, die webbasierte Portale bereits nutzen; n = 129¹

¹Mehrfachnennungen möglich
²elektronisches Postfach & Dokumenten-Sharing/-Signing
³Anfrage und Abschluss

Quellen: FINANCE/F.A.Z. Business Media | research, LBBW

71%

nutzen webbasierte Portale

46%

nutzen oder planen digitale Lösungen für Avale

56%

wünschen sich Portallösungen
bzw. Single-Sign-on-Lösungen

Elektronische Signaturen werden bei Bankengeschäften vermehrt eingesetzt

Elektronische Signaturen (E-Signaturen) kommen im Bankgeschäft zunehmend zum Einsatz. Dass die Anteile nicht größer sind, liegt nicht unbedingt am fehlenden Willen der Unternehmen, sondern an der Akzeptanz von digitalen Signaturen bei Banken. Obwohl die Rechtsgrundlage für E-Signaturen mit der e-IDAS-Verordnung der EU bereits 2016 geschaffen wurde, haben viele Banken hier noch Nachholbedarf. Überwiegend bieten die Banken die sicherste Form der E-Signatur an, die qualifizierte elektronische Signatur. Diese benötigt ein qualifiziertes Zertifikat, das die Echtheit einer elektronischen Signatur bescheinigt und als Nachweis der Identität dient. In Ländern mit höheren regulatorischen Anforderungen sollen auch qualifizierte elektronische Signaturen möglich sein. Wer erst einmal in der Lage ist E-Signaturen im Bankgeschäft zu verwenden, nutzt sie in vielfältiger Weise: Sie kommen bei den Befragten bei Avalen, Kreditverträgen und Kontoverträgen häufig zum Einsatz, werden zum Teil auch bei Verfügungsberechtigungen und Electronic-Banking-Verträgen eingesetzt.

Kurz erklärt

Unterschied E-Signatur/digitale Signatur

Elektronische und digitale Signatur sind im Kern völlig verschiedene Gattungsbegriffe. Die elektronische Signatur ist ein rechtlicher Begriff und beschreibt die in verschiedenen Graden abgesicherte Unterschrift einer Person durch elektronische Mittel.
 
Die digitale Signatur als technischer Begriff umfasst hingegen eine Vielzahl von speziellen Verfahren, die eine nachträgliche Manipulation an einem Dokument verhindern sollen.

73%

nutzen E-Signaturen, sind in der Pilotphase oder planen den Einsatz

33%

der E-Signatur-Nutzer verwenden DocuSign

Antwort auf die Frage: „Verwenden Sie zur Auftragsabwicklung von Bankgeschäften bereits die elektronische Signatur?“ und die Frage: „Für welche Bankaufträge verwenden Sie die elektronische Signatur?“; in Prozent der Befragten, n = 238 bzw. in Prozent der Befragten, die die erste Frage mit Ja beantwortet haben, n = 69¹

*detaillierte Angaben derjenigen, die E-Signatur bereits einsetzen bzw. sich in der Pilotphase befinden¹

wdt_ID Verwendung für: Befragte in %
1 Avale 48
2 Kreditverträge 45
3 Kontoverträge 39
4 Verfügungsberechtigungen
(elektronisch & beleghaft)
28
5 Electronic-Banking-Verträge 17

¹Mehrfachnennungen möglich
Quellen: FINANCE/F.A.Z. Business Media | research, LBBW

Digitale Bezahlmethoden sind noch nicht die Regel

Weniger als die Hälfte der Befragten setzt in ihrem Unternehmen innovative digitale Bezahlmethoden ein. Nur ein knappes Drittel nutzt oder plant Instant Payments. Fast alle deutschen Banken sind heute echtzeitzahlungsfähig. Aber um einen Nutzen aus der Echtzeitzahlung zu ziehen, müssen Unternehmen auch ihre internen Systeme und Prozesse entsprechend anpassen. Das ist aufwendig und erfolgt nur, wenn ein konkreter Nutzen ersichtlich ist. Request to Pay stößt auf Interesse: Europäische Zahlungsverkehrsexperten schreiben RTP ein revolutionäres Potential zu. Dennoch hat zum Marktstart von SEPA RTP am 15. Juni 2021 kein einziges deutsches Kreditinstitut entsprechende Produkte öffentlichkeitswirksam angekündigt. Sicherlich ist die Einführung von RTP für die Banken alles andere als trivial. Der neue Standard kann aber die Prozesskosten für die Rechnungsbearbeitung in Unternehmen signifikant senken. Andere digitale Bezahlmethoden wie Central Bank Digital Currency (CBDC) und Kryptowährungen spielen derzeit noch keine Rolle. Weitere Anwendungsfelder wie z. B. DLT-Lösungen (Distributed Ledger Technology) haben für die Mehrheit der befragten Unternehmen derzeit eine geringe Relevanz.

Antwort auf die Frage: „Welche digitalen Bezahlmethoden nutzt oder plant Ihr Unternehmen, künftig zu nutzen?“; in Prozent der Befragten; n = 182¹

¹Mehrfachnennungen möglich
²Central Bank Digital Currency
³z.B. Bitcoin, Ethereum etc.

Quellen: FINANCE/F.A.Z. Business Media | research, LBBW

Kurz erklärt

Instant Payments

Die Echtzeitüberweisung (englisch Instant Payment) ist eine Zahlungsart, bei der Guthaben innerhalb weniger Sekunden dem Empfänger final gutgeschrieben werden. Inzwischen gibt es in zahlreichen Ländern weltweit Echtzeitzahlungssysteme. Im einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum, dem sogenannten Sepa-Raum, gibt es seit dem 21. November 2017 einen entsprechenden Standard: Die Sepa Instant Payments (SCTInst) sind 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr verfügbar. Die Gutschrift muss in maximal 10 Sekunden erfolgen, faktisch werden die  meisten Transaktionen allerdings in weniger als 3 Sekunden durchgeführt. Zum Start war der Betrag für Echtzeitüberweisungen auf 15.000 Euro gedeckelt. Seit Juli 2020 können Zahlungen bis 100.000 Euro per Sepa Instant Payments angewiesen werden. Mittlerweile sind fast alle deutschen Banken echtzeitzahlungsfähig, darunter die großen Häuser Deutsche Bank, DZ Bank und Commerzbank sowie Landesbanken und Sparkassen. Auch ausländische Banken wie BNP Paribas, ING oder JP Morgan bieten Euro-Echtzeitüberweisungen in Deutschland an.

Request to Pay

Bei Request to Pay (RTP oder auch R2P) handelt es sich um eine der Zahlung vorgeschaltete Zahlungsaufforderung. Diese Nachricht enthält alle Informationen zur Transaktion und löst – sofern der Kunde sie bestätigt – eine Überweisung aus. Es handelt sich also nicht um ein neues Zahlungsinstrument, sondern vielmehr um einen Nachrichtendienst.

48%

nutzen digitale Bezahlmethoden

KYC braucht oft fünf Tage und mehr

Der KYC-Prozess dauert für viele Unternehmen immer noch lang. Die Digitalisierung bietet hier Optimierungsmöglichkeiten. Dazu ist allerdings eine E-Signatur notwendig, am besten sogar mit einer Standardisierung. Treasurer setzen aktuell weiter Hoffnung auf das KYC-Register von SWIFT, auch wenn das Projekt gerade etwas stockt. Man sei grundsätzlich bereit, den Aufbau des Registers zu unterstützen, ist von allen Treasurern zu hören. Doch oftmals mangele es an Kapazitäten, um sich um das Befüllen der Profile zu kümmern. Der initiale Aufwand dafür sei sehr hoch, berichten die Unternehmensvertreter. Das lohne sich nur, wenn ausreichend Banken KYC-Daten über das Register abriefen und auch unvollständige Profile freigeschaltet werden könnten. Das sei derzeit nicht möglich.

Antwort auf die Frage: „Wie lange dauert der Prozess Know Your Customer (KYC) für Ihr Unternehmen bei Ihrer Bank?“; in Prozent der Befragten; n = 182

Quellen: FINANCE/F.A.Z. Business Media | research, LBBW