Vor allem in der britischen Nordsee stehen zahlreiche Windkraftanlagen. Die Windenergie auf hoher See (Offshore) soll weiter deutlich ausgebaut werden, auch in der deutschen Nordsee. Allerdings sind Windparkprojekte mit speziellen Herausforderungen und Risiken verbunden. Die gute Nachricht ist, dass je nach Phase des Projekts verschiedene Absicherungsmöglichkeiten existieren.
Beispielsweise bieten Investoren in Großbritannien auf das Recht, Windparkprojekte zu entwickeln. Bis sie die endgültige Baugenehmigung erhalten, wird jährlich eine Optionsgebühr fällig. Die Genehmigung benötigen sie, um den Pachtvertrag zu unterzeichnen und an der Auktion für Differenzverträge (Contracts for Difference, CfD) teilzunehmen. Der gesamte Prozess kann bis zu zehn Jahre dauern.
Entwicklung und Bau bergen Risiken
Sowohl während der Entwicklungs- als auch der Bau- und Betriebsphase ist ein Unternehmen Zinsänderungsrisiken, Währungsrisiken und Inflation ausgesetzt. Diese Risiken resultieren etwa aus der Optionsgebühr, Pachtzahlungen für den Meeresboden, den Kosten für Bau und Betrieb sowie der damit verbundenen Kreditaufnahme. Dasselbe gilt teils für die den Kosten gegenüberstehenden Einnahmen. Absicherungen sind über die Aufnahme von Fremdmitteln in Britischen Pfund, Devisentermingeschäfte (FX Forwards), Währungs-Swaps (Xccy Swaps), Zins-Swaps und Inflations-Swaps möglich.
Ein besonderes Risiko entsteht nach Zuteilung eines CfDs. Die Unternehmen schließen dann einen Vertrag mit dem zuständigen Staatsunternehmen ab. Die Anlagenbetreiber erhalten über einen Zeitraum von 15 Jahren einen vorab vereinbarten Preis für den Strom, unabhängig vom am Markt geltenden Strompreis. Da diese Zahlungen an den Inflationsindex der britischen Verbraucherpreise (UK-CPI) gekoppelt sind, entsteht erneut ein Inflationsrisiko. Zwar kann es für den Projektentwickler von Vorteil sein, durch diese Struktur an der Inflationsentwicklung zu partizipieren. Dadurch reduziert sich jedoch die Planungssicherheit, da zukünftige Zahlungsströme und damit die Wirtschaftlichkeit des Projekts dann unsicher sind.
In der Mehrheit der Projekte wird daher die an den Index gebundene, variable Komponente der zukünftigen Umsätze über die gesamte Vertragslaufzeit mit Inflations-Swaps fixiert. Dabei bezahlt das Unternehmen den an den britischen Verbraucherpreis gelinkten Kupon und empfängt im Gegenzug fixe Zahlungen. Diese Swaps werden zwar regelmäßig gehandelt, doch der UK-CPI-Swap-Markt ist relativ illiquide. Nur wenige Banken haben einen breiten Zugang zu Käufern und Verkäufern. Für einen reibungslosen Ablauf und ein erfolgreiches Projekt sollten Entscheider daher sorgfältig eine erfahrene Partnerbank auswählen.
Risiken überwachen und managen
Aufgrund der speziellen Eigenschaften der Entwicklung und des Betreibens von Offshore-Windparks müssen verschiedene potentielle Risiken in Betracht gezogen und analysiert werden. Zinsänderungsrisiken, Währungsrisiken und Inflation können einen erheblichen Einfluss auf ein Projekt und die angestrebte Wirtschaftlichkeit haben. Ein frühzeitiges und kontinuierliches Überwachen und Managen dieser Risiken ist daher entscheidend für den Erfolg von Offshore-Windpark-Projekten.
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Julius Trentmann ist Mitglied der Risk Solutions Group bei der Barclays Investment Bank in Frankfurt am Main.
julius.trentmann@barclays.com
Maximilian Richter ist Mitglied der Risk Solutions Group bei der Barclays Investment Bank in Frankfurt am Main.
maximilian.richter@barclays.com