Geldmarktfonds gibt es seit über 50 Jahren. Sie investieren in hochliquide kurzfristige Schuldtitel von Regierungen, Banken und Unternehmen und haben sich als praktische und verlässliche Anlage für überschüssige Liquidität etabliert. Ihre Stärken auf der Risikoseite sind ihre tägliche Liquidität, die gesetzlich vorgeschrieben ist, sowie die strengen regulatorischen Vorgaben im Hinblick auf Liquidität, Diversifizierung, Kreditqualität und Transparenz.
Hinzu kommt das Risikomanagement durch die Asset Manager selbst. Auf der Renditeseite steht eine marktgerechte Performance in Aussicht, auch wenn sie natürlich nicht garantiert ist. Nicht zu vergessen ist die vergleichsweise einfache Handhabung der Fonds im Tagesgeschäft: Die Einbindung in die Treasury-Systeme ist unkompliziert, der Handel erfolgt über Banken und die üblichen Plattformen.
Vorteile von Geldmarktfonds
Treasurer legen ihr Cash zuallererst wegen der Stabilität in Geldmarktfonds an. Doch abhängig vom Umfeld können weitere Motive hinzukommen. Als etwa die Banken begannen, auch für Unternehmenskunden negative Zinsen zu berechnen, konnte man mit Geldmarktfonds zumindest eine etwas höhere – wenn auch immer noch negative – Rendite erzielen. Als die Zinsen nach und nach wieder stiegen, profitierten Kunden vom aktiven Fondsmanagement, durch das sich Zinsbewegungen unmittelbar in der Performance widerspiegelten.
Manchmal treten aber auch unabhängig von der Marktsituation einzelne Risikoaspekte in den Vordergrund. So hören wir heute von Treasurern vermehrt, dass sie das Management von Kontrahentenrisiken beschäftigt. An Geldmarktfonds schätzen sie, dass diese eine eigene rechtliche Struktur haben, die unabhängig von der Verwaltungsgesellschaft ist. Der Asset Manager stellt also – anders als die Bank bei Anlagen in Cash Deposits – kein Gegenparteirisiko dar. Zudem werden die Vermögenswerte eines Geldmarktfonds von der Depotbank separat verwahrt, so dass der Zugriff durch die Fondsgesellschaft praktisch ausgeschlossen ist.
Streuung der Liquiditätsbestände
Geldmarktfonds können außerdem zu einer breiteren Diversifizierung der Liquiditätsbestände beitragen. Eine erste Streuung entsteht, wenn Treasurer das im Unternehmen vorhandene Cash zwischen Bankeinlagen und Geldmarktfonds aufteilen. Innerhalb der Geldmarktportfolios werden die Wertpapiere diversifiziert nach Emittenten, Sektoren, Ratings, Finanzinstrumenten und Ländern.
Die Auswahl der Papiere folgt einem strukturierten Prozess, der für diese Kriterien jeweils feste Limits vorsieht. Hinzu kommt die aktive Diversifizierung des Kreditrisikos. Es empfiehlt sich, diese Aufgabe in die Hände eines Teams zu legen, das vom Fondsmanagement unabhängig ist. Auf der Grundlage von Fundamentaldaten erstellt es eine eigene Kreditrisikobewertung und analysiert jedes Risiko eines Ausfalls oder eines Kreditereignisses.
Zur Diversifikation von Geldmarktfonds tragen also zum einen gesetzliche Vorgaben bei sowie der Risikorahmen, den sich Asset Manager selbst setzen. Zum anderen ermöglichen das Know-how und die Erfahrung von Analysten, Risikomanagern und Fondsmanagern eine dynamische Steuerung von Risiko und Rendite, die der jeweiligen Situation entspricht.
Autor
Sven Lorenz
Sven Lorenz ist Managing Director Institutional Sales, Liquidity Solutions bei Amundi in Frankfurt am Main.
Felix Liptak
Felix Liptak ist Director Institutional Sales, Liquidity Solutions bei Amundi in Frankfurt am Main.