Debitoren digital und effizient managen

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Fachbeiträge aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2023. Foto: Tinnakorn-stock.adobe.com
Fachbeiträge aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2023. Foto: Tinnakorn-stock.adobe.com

In einer globalisierten Wirtschaft sind Unternehmen auf ein effektives Debitorenmanagement angewiesen, um ihre Liquidität zu sichern und Risiken zu minimieren. Immer mehr Unternehmen setzen daher auf IT-basierte Debitorenmanagement-Lösungen, um ihre Prozesse zu optimieren und ihre Entscheidungsgeschwindigkeit zu erhöhen.

Die Ausgangslage in der Praxis ist oft so, dass bestehende Systeme mit Blick auf Automatisierung, Geschwindigkeit, Transparenz und Datenmenge ihre Leistungsgrenze erreichen und der Automatisierungsgrad erhöht werden soll. Um ein ganzheitliches Risikomanagement zu ermöglichen, sollten dabei regelmäßig auch die Entscheidungsgeschwindigkeit der Kreditprüfung erhöht, eine einheitliche und transparente Datengrundlage geschaffen sowie eine effiziente Verzahnung mit Externen wie etwa Auskunfteien und Kreditversicherern umgesetzt werden.

Integration von KYC und ESG

Auch die Anforderungen zu den Themen „Know Your Customer“ (KYC) und „Environmental, Social, Governance“ (ESG) spielen für Unternehmen in der Ausrichtung der zukünftigen Lösung eine zunehmend wichtige Rolle. Um die Wünsche an solch eine Debitorenmanagement-Plattform erfüllen zu können, ist ein offenes und flexibles System am besten geeignet, da dieses jederzeit erweitert und angepasst werden kann.

Ein weiteres Ziel vieler Anwender ist es, die Kundenneuanlage und -überwachung auch speziell für kritische Kunden zu optimieren. Hierzu sollte das KYC-Verfahren integraler Bestandteil des neuen Systems sein. Zudem ist es ein regelmäßiger Wunsch von Unternehmen, jederzeit einen umfassenden Überblick über die Kunden zu haben (Risiko- und Performance-seitig), um schnell und effizient auf Veränderungen reagieren zu können. Das System sollte dafür Prozesse stabil und automatisiert abbilden sowie Dokumentation und Reporting nach individuellen Anforderungen sicherstellen.

Proaktives Limitmanagement

Hohes Interesse besteht zumeist auch an der Entwicklung eines proaktiven Limitmanagements, das sich durch eine Früherkennung des Bedarfs an Absicherung, Maßnahmen und Risikoantizipation auszeichnet, um sowohl vertriebliche Aktivitäten zu unterstützen als auch Risiken proaktiv zu managen und frühzeitig erforderliche Maßnahmen zu ergreifen. Dabei sind die Entwicklung und Implementierung von Risiko-Scores, die Nutzung von Drittinformationen und die Direktanbindung von Kreditversicherern durch entsprechende Schnittstellen von großer Bedeutung.

Die Implementierung des Systems sollte im Anschluss typischerweise einem gemeinschaftlich abgestimmten Projektplan unter Einbindung der Bereiche IT, Kreditmanagement, Sales und Finance folgen. Dann stehen die Chancen gut, dass mit Hilfe der neu implementierten Lösung Prozesse optimiert und stabilisiert, Compliance sichergestellt, KPIs deutlich verbessert, Risiken minimiert, erheblich transparenter und besser gemanagt werden, Sales und Umsatzwachstum unterstützt sowie Entscheidungsgeschwindigkeiten erhöht werden und dass sich schließlich die Mitarbeiter im Kreditmanagement intensiver um die relevanten Themen kümmern können.

Unternehmen haben die Möglichkeit, innovative Finanzierungsinstrumente zu nutzen, um den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu meistern. Der Solarmodulproduzenten Meyer Burger hat beispielsweise einen Konsortialkredit mit einem Volumen von 185 Millionen Euro abgeschlossen. Mit fast 70 Jahren Unternehmensgeschichte unterhält Meyer Burger Technologie- und Forschungszentren in der Schweiz sowie einen Produktionsstandort in Sachsen.

Eigenen Angaben zufolge nutzt der Hersteller von Hochleistungs-Photovoltaikzellen und -modulen die eigens entwickelte und führende Heterojunction-/Smart-Wire-Technologie für bis zu 20 Prozent mehr Energieausbeute. Das Unternehmen muss große Investitionen tätigen, um neue Märkte zu erschließen und die Produktion zu steigern.

Der strukturierte Konsortialkredit von Meyer Burger wurde mit mehreren Banken aus dem gesamten Bundesgebiet, einer Genossenschafts- und einer Förderbank vereinbart. Zusätzlich umfasst das Finanzierungspaket ein 125 Millionen Euro schweres Investitionsdarlehen für den Aufbau einer PV-Modulproduktion, das unter anderem durch eine Factoringlinie über 60 Millionen Euro ergänzt wird. Wird die Finanzierung von Meyer Burger als Blaupause definiert, lassen sich kritische Erfolgsfaktoren ableiten: Zum einen braucht es ein fokussiertes, innovatives Unternehmen mit einer klaren Mission, das regionale Netzwerke mit relevanten Stakeholdern entwickelt.

Zum anderen sind ein Finanzierungskonsortium mit regionalen und inhaltlichen Anknüpfungspunkten, ein passgenauer Finanzierungsmix aus Kapitalmarkt- und Bankfinanzierung sowie die Einbindung geeigneter Förderinstrumente von Land und Bund als zusätzlicher Anreiz entscheidend.
Die Kombination dieser Erfolgsfaktoren lässt das Ziel der EU in greifbare Nähe rücken, wonach bis 2025 eine Produktionskapazität von 30 Gigawatt entlang der Photovoltaik-Wertschöpfungskette aufgebaut werden soll.

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