ESG ändert Beziehungen

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Fachbeiträge aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2023. Foto: Tinnakorn-stock.adobe.com
Fachbeiträge aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2023. Foto: Tinnakorn-stock.adobe.com

Nachhaltiges Wirtschaften ist essentiell für die Erreichung der Klimaziele. Eine These, die nicht wirklich neu ist, aber deren Auswirkungen nun auch in der Geschäftsbeziehung zwischen Banken und Unternehmen immer mehr spürbar werden. Die regulatorischen und freiwilligen Nachhaltigkeitsanforderungen an Finanzinstitute führen dazu, dass jeder Kreditnehmer und jede Transaktion nicht nur unter dem Aspekt Kreditrisiko beleuchtet wird, sondern immer auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten. Die Frage, ob dieses Engagement noch in das Kredit- oder Anlageportfolio der Bank passt, wird also immer wichtiger. Somit haben Unternehmen mit einem klaren Transformationsweg einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen, die diesen nicht aufweisen können.

Dieser Trend wird sich weiter verstärken, denn es gibt einen riesigen Finanzbedarf für die Dekarbonisierung, zu groß für die Banken allein. Kapitalmarktinvestoren, aber auch der öffentliche Sektor müssen noch stärker bei der Bereitstellung von Kapital unterstützen. Unternehmen mit klaren, ambitionierten und längerfristigen Klimazielen haben die Nase vorn, wenn es um die Allokation der Finanzmittel geht. Fehlen die Ziele, droht dem Unternehmen gleich an weiteren Stellen Unheil: Reputationsverlust, Kunden oder Mitarbeitende springen ab, potentielle Konflikte mit dem Gesetzesrahmen – um nur einige Risken zu nennen, die es sorgfältig abzuwägen gilt.

Unternehmen bewerten Banken

Wer nun aber denkt, der Weg in Richtung Nachhaltigkeit sei eine Einbahnstraße, liegt gewaltig daneben. Denn Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden unterziehen auch die Finanzinstitute einer genauen Prüfung der Nachhaltigkeitsrisiken. Das haben auch die Unternehmen registriert, die ebenfalls ganz genau schauen: Wie nachhaltig ist meine Bank respektive die Bankengruppe eigentlich? Kann sie mein Geschäftsmodell auch in der Zukunft finanzieren? Und so gilt auch an dieser Stelle: Banken mit Nachhaltigkeitsrisiken in ihren Büchern sind weniger attraktiv für die Investoren.

Mit diesem Wissen müssen sich Banken immer wieder neu beweisen, das eigene Kreditportfolio kritisch überprüfen und die eigene Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit vorantreiben. Immer wichtiger wird es somit, sich interne Ziele und KPIs zu setzen, die das eigene Risiko minimieren und gleichzeitig die Attraktivität erhöhen. Auch freiwillige Nachhaltigkeitsinitiativen oder Allianzen unter Banken – wie etwa die Net-Zero Banking Alliance – tragen dazu bei und zeigen die Entschlossenheit, etwas zu verändern. Die Klimaziele zu erreichen, ist daher für Unternehmen und Banken eine gemeinsame Herausforderung, bei der beide von einer engen und transparenten Kooperation auf Augenhöhe profitieren – zum Wohl der grünen Transformation und der Erreichung des Pariser Klimaabkommens.

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