Aufbau einer Captive: Chancen und Hürden

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

Die Entscheidung der Würth-Gruppe, eine konzerneigene Rückversicherungsgesellschaft (Captive), die Würth Re, zu gründen, war eine strategische. Mit der Captive sollten vor allem die Gesamtversicherungskosten konzernweit nachhaltig optimiert werden. Dies gelang der Gruppe unter anderem durch Konzernrahmenverträge mit Selbstbehalten, die über die Würth Re rückversichert werden. Dadurch ließen sich die Prämienvolatilität reduzieren und Reserven aufbauen.

Gleichzeitig wollte Würth damit eine Lösung etablieren, um Deckungslücken zu schließen und Risiken wie beispielsweise Cyberbedrohungen, die extern schwer versicherbar sind, abzusichern. Durch den direkten Zugang zu den Rückversicherungsmärkten konnte Würth zudem die Verhandlungsposition bei der Platzierung von Deckungsstrecken stärken. Zusätzlich sollten mit der Captive Versicherungskosten koordiniert und Risiken intern abgesichert werden.

Von der Konzeption zur Umsetzung

Der Weg zur Captive war ein strukturiertes Projekt, das bereits vor mehr als 30 Jahren in der Würth-Gruppe angestoßen wurde. Nur ein Jahr dauerte es damals von der Idee bis zur Gründung und dem operativen Start der Würth Re im Januar 1994. Dabei folgte Würth dem Ansatz, zunächst mit einem überschaubaren Portfolio aus Sach- und Transportrisiken zu starten und schließlich die Komplexität des Versicherungsportfolios sukzessive zu erhöhen.

Ein kritischer Erfolgsfaktor war zunächst jedoch die Wahl des Sitzes der Captive. Überzeugen konnte letztlich Luxemburg aufgrund seiner Expertise im Finanzdienstleistungsbereich, der politischen Stabilität, der räumlichen Nähe zu Deutschland sowie der transparenten und zuverlässigen Arbeitsweise der lokalen Versicherungsaufsicht. Parallel zum Lizenzierungsprozess wurde die notwendige Infrastruktur über eine lokale Servicegesellschaft in Luxemburg aufgebaut.

Die Kapitalanforderungen der Rückversicherungsgesellschaft unter Solvency II sowie die dazugehörigen Governance- und Reportingvorgaben stellten Würth vor weitere Herausforderungen. Mit Hilfe spezialisierter Servicegesellschaften konnte der Konzern diese jedoch meistern. Konzernintern dauert der Aufbau von versicherungstechnischem und Captive-spezifischem Know-how noch immer an und wird durch interne Weiterbildung und externe Beratung unterstützt.

Nächster Meilenstein

Ein Zukunftsprojekt ist die potentielle Integration von Kreditversicherungen in die Captive. Aufgrund des versicherten Umsatzvolumens ist dies ein logischer Schritt zur weiteren Optimierung, wobei die Herausforderung in der dezentralen Struktur der Würth-Gruppe, insbesondere des Forderungsmanagements, liegt. Ziel ist es, künftig auch hier Risiken intern abzusichern.

30 Jahre nach Gründung, ist die Würth Re ein fester Bestandteil des Risikomanagements der Würth-Gruppe. Eingesparte Versicherungskosten wurden in Schwankungsreserven umgewandelt, die Deckungsqualität wurde verbessert und die Volatilität reduziert. Auch die Schadensprävention wird durch die Captive gefördert und so gesteuert. Die Reise ist jedoch nicht zu Ende – Würth sucht kontinuierlich nach neuen Wegen, das Potential der Captive weiter zu nutzen.

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