Das CFO-Playbook für KI-gestützte Software

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

CFOs zahlen seit Jahren für „alles und nichts“ in der Unternehmenssoftware: überladene Suiten mit kaum genutzten Funktionen. Das Ergebnis sind Wertverluste und eine steigende Total Cost of Ownership (TCO), denn bis zu 65 Prozent der Kosten fallen erst nach dem Go-live an.

KI verschiebt die Make-or-Buy-Gleichung. Code-Generierung und automatisierte Engineering-Pipelines reduzieren den manuellen Aufwand und verkürzen Projektlaufzeiten. Die Ersparnisse betragen im Vergleich zu klassischer Individualentwicklung oft bis zu 30 Prozent, bei gleichzeitig besserer Passform zum Operating Model.

Noch wichtiger als „billigerer Code“ ist ein neuer Kontrollpunkt: die Spezifikation. Moderne Plattformen binden menschlich lesbare, versionierte Spezifikationen direkt an den generierten Code. Die Spezifikation wird so zur Single Source of Truth und richtet das Systemverhalten an der Geschäftsintention aus. Studien zeigen: In mehrstufigen Dialogen liefern große Sprachmodelle rund 39 Prozent schwächere Ergebnisse als bei vollständigen Anweisungen. Für komplexe, risikoreiche Vorhaben gilt daher, auf detaillierte Spezifikationen zu setzen, nicht auf endlose Chats.

Das neue Idealbild

Generische ERPs tun sich mit Branchen-Nuancen schwer; teures Customizing bremst Upgrades. Das neue Idealbild kombiniert einen erweiterbaren Kern (Sicherheit, Skalierung, Compliance) mit KI-generierten Vertikal-Modulen, die Regeln und Workflows der Finanz-Domäne abbilden. Die Zeitspanne, um einen Nutzen aus der Software zu ziehen, schrumpft von Jahren auf Monate oder gar Wochen. Für Finanzverantwortliche ist der Business Case klar: Lösungen, die „so arbeiten, wie wir wirklich arbeiten“, liefern einen höheren Mehrwert in Form von Effizienzgewinnen, besseren Entscheidungen und schnellerer Einführung – ohne den Governance-Rückhalt des Plattformkerns zu verlieren.

Spezifikationen sollten dabei wie prüfbare Assets behandelt werden: versioniert, freigegeben und mit Soll-Ist-Abgleich beim gelieferten Verhalten. KI-gestützte Specification Manager unterstützen Marktanalyse, Anforderungsmanagement, Konsistenzprüfungen und Lifecycle-Kontrolle. Im Ergebnis gibt es weniger Übersetzungsverlust zwischen Fachbereich und IT und eine dauerhafte Compliance für den Software-Bauplan.

Fünf Moves für CFOs

Für vorausschauende CFOs lassen sich fünf Empfehlungen ableiten. Erstens, das Einrichten von Spezifikationsprozessen: „Spezifikation first“ muss verbindlich gemacht werden. Dafür gilt es, Tools zu wählen, die die Bindung Spezifikation-zu-Code erzwingen. Zweitens, die Etablierung des Prinzips „Compose & Generate“. Hier braucht es eine Kernplattform, auf der die Vertikal-Logik anstelle ewiger Maßanfertigungen generiert wird. Drittens, die Anpassung der TCO: Das Budget von Post Go-live Remediation wird in die vorgelagerte Gestaltung verschoben.

Dadurch sinken der Build-Aufwand und die Upgrade-Risiken. Viertens, die Stärkung der Domänen-Stewards: Finance, Operations und Compliance werden als Co-Autoren etabliert. Und fünftens, sollten CFOs mit einem Mikro-Vertical starten. Es bietet sich an, einen variantenreichen Bereich, etwa die Projektabrechnung, zu pilotieren und zu skalieren.

Als Fazit bleibt festzuhalten: Künstliche Intelligenz ermöglicht den Wechsel von generischer und wartungsintensiver Software hin zu hochpräzisen Systemen, die die Strategie spiegeln, statt sie zu stumpfen. Das Finanzressort kann diesen Wechsel orchestrieren – denn wo Spezifikationen zur Quelle der Wahrheit werden, wird Governance zum Wachstumstreiber.

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