Handelswechsel 2.0

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

Die Anforderungen an moderne Unternehmensfinanzierung nehmen stetig zu. Die Gründe dafür sind: gestörte Lieferketten, steigende Kapitalkosten, wachsender Druck auf ESG-Transparenz und Bilanzkennzahlen. Für CFOs und Treasury-Verantwortliche wird es immer schwieriger, Liquidität gezielt zu steuern, ohne Bilanzrelationen oder Kreditlinien zu belasten.

Klassische SCF-Instrumente wie Reverse Factoring wirken sich nur dann positiv auf das Working Capital aus, wenn Zahlungsziele aktiv verlängert werden. Doch genau das ist in der Praxis oft schwierig: Die Änderung bestehender Zahlungsbedingungen ist langwierig, verhandlungsintensiv und bürokratisch. Einmal festgelegt, lassen sich Zahlungsziele kaum flexibel anpassen – ein echter Nachteil in volatilen Zeiten.

Flexibilität ohne Vertragsänderungen

Digitale Handelswechsel bieten hier eine skalierbare und rechtssichere Lösung. Sie verbinden die Finanzierungswirkung etablierter SCF-Instrumente mit den Möglichkeiten moderner Plattformtechnologie. Die Implementierung kann ohne IT-Integration erfolgen, ohne separate Transaktionskonten, ohne aufwendige Vertragsgestaltung. Auf Wunsch – zum Beispiel nach einer Pilotphase – kann auch eine ERP-Integration mit minimalem Aufwand vorgenommen werden.

Zahlungsziele lassen sich bedarfsgerecht anpassen und bei Bedarf unmittelbar verlängern. Besonders relevant ist ihr Einsatz rund um Bilanzstichtage. Unternehmen können Zahlungen gezielt terminieren, ohne bestehende Rahmenbedingungen zu verändern.

Nach geltenden Rechnungslegungsvorschriften (IFRS und HGB) besteht keine Verpflichtung, Verbindlichkeiten aus digitalen Handelswechseln als Finanzverbindlichkeiten auszuweisen, sofern sie im Rahmen des operativen Working Capital Management genutzt werden und die Zahlungsbedingungen marktüblich bleiben. Zudem können sie dem operativen Cashflow zugerechnet werden. Ein Ausweis als Finanzverbindlichkeit ist nicht notwendig. Die transaktionsgenaue Nachvollziehbarkeit macht das Instrument ESG-fähig und revisionssicher. Es ist zukunftssicher und bereit für digitale Währungen und programmierbare Zahlungen.

Lückenlose Dokumentation

Im Kontext regulatorischer Anforderungen wie der CSRD gewinnen transaktionsscharfe Nachweise über Zahlungsflüsse und Finanzierungsketten massiv an Bedeutung. Digitale Handelswechsel ermöglichen eine lückenlose, prüfungssichere Dokumentation und leisten damit einen Beitrag zur ESG-konformen Ausgestaltung der Lieferkettenfinanzierung.

Mit Blick auf programmierbare Zahlungen und den digitalen Euro positionieren sich digitale Handelswechsel als zukunftsfähiges Finanzinstrument. Sie schaffen die Grundlage für automatisierte Zahlungsströme in globalen Lieferketten, verbunden mit Rechtssicherheit und Transparenz gegenüber Ratingagenturen.

Die neue Generation

Der Handelswechsel ist zurück – als digitaler Handelswechsel. Er nimmt eine zunehmend zentrale Rolle in der Handelsfinanzierung ein und eröffnet den Zugang zu einer neuen Generation von Lösungen. Sie lassen sich schnell, ohne technische Barrieren und ohne bilanzielle Reibung implementieren.

Für CFOs und Treasury-Teams bedeutet das maximale Flexibilität, transparente Bilanzierung und hohe Umsetzungsgeschwindigkeit. Die positive Wirkung zeigt sich auf Liquidität, ESG-Performance und Finanzkommunikation. Auch der Einkauf profitiert durch Vorteile, die klassisches Supplier Finance nicht bieten kann.

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