KI-Agenten im Kampf gegen Finanzkriminalität

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

Technologische Innovationen verändern die Methoden von Financial Crime und stellen Finanzdienstleister vor neue Herausforderungen: Geldströme verlaufen verschleierter, Transaktionen sind technisch komplexer, und wirtschaftlich Berechtigte agieren zunehmend in anonymisierten oder technisch verborgenen Strukturen. Hier stoßen klassische manuelle Kontrollmechanismen und regelbasierte Systeme an ihre Grenzen.

Die Folgen sind unter anderem Fehlalarme, die zu unnötigen Kosten in der Fallbearbeitung führen und die Effektivität in der Bekämpfung der Finanzkriminalität insgesamt behindern. Budget und Ressourcen werden für ineffektive Instrumente verschwendet.

Mehr Durchschlagskraft dank KI

KI-Agenten eröffnen hier neue Handlungsoptionen. Diese autonomen Systeme überwachen regulatorische Anforderungen, erkennen Betrug in Echtzeit und passen sich flexibel an neue Rahmenbedingungen an. Anders als herkömmliche KI-Modelle arbeiten sie proaktiv, scannen kontinuierlich Transaktionen, Marktbewegungen und regulatorische Updates – ganz ohne Benutzereingaben. Sie handeln aktiv, indem sie Compliance Workflows ausführen, verdächtige Aktivitäten markieren und Risikobewertungen vornehmen.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die KI-Daten-Cloud. Sie verknüpft interne Bankdaten mit externen Quellen wie Aufsichtsbehörden, Sanktionslisten und Nachrichtenmeldungen. Entscheidungen basieren so auf aktuellen, verifizierten Informationen – frei von den „Halluzinationen“ generativer Sprachmodelle.

Sogenannte Regulatory Monitoring Agents überwachen Gesetzesänderungen weltweit, identifizieren Compliance-Lücken und reduzieren so das Risiko von Strafen. „KYC Agents“ wiederum optimieren die Kundenprüfung, verkürzen Onboarding-Zeiten und sorgen für eine kontinuierliche Überwachung während des gesamten Kundenlebenszyklus. Ergänzend dazu können „Sanctions Screening Agents“ Sanktionslisten in Echtzeit prüfen, „Adverse Media Monitoring Agents“ negative Medienberichte analysieren oder „Osint Agents“, die auf Open Source Intelligence basieren, soziale Medien und Foren nach Frühwarnsignalen durchsuchen.

Rechtssicherheit als Fundament

Modular aufgebaute Systeme, die eine souveräne Cloud-Umgebung bieten und sämtliche Regulierungsvorschriften erfüllen, können hier unterstützen. Banken profitieren so von der Möglichkeit, KI-basierte Betrugsprävention und Transaktionsüberwachung mit höchster Sicherheit und voller Datenhoheit einzusetzen. Zugleich schaffen solche Plattformen Freiräume für Experimente in einer abgesicherten Sandbox-Umgebung, wodurch Finanzabteilungen innovative Ansätze risikolos testen können.

Der Mehrwert für die Praxis: Ressourcen können gezielter eingesetzt, Fälle mit hohem Schadenspotential priorisiert und gleichzeitig die regulatorische Sicherheit verstärkt werden. CFOs und Compliance-Verantwortliche sichern dadurch nicht nur die Resilienz ihrer Organisation, sondern verringern auch Reputationsrisiken.

Strategische Aufgabe

Der Einsatz von KI im Kampf gegen Financial Crime wird damit zu einer strategischen Aufgabe. Entscheidend ist, dass Finanzabteilungen frühzeitig beginnen, Erfahrungen mit der Technologie zu sammeln, Strukturen für Governance und Monitoring aufzubauen und die Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen und der IT zu intensivieren. Wer diese Schritte jetzt geht, verschafft sich einen Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb und stärkt die Fähigkeit, Finanzkriminalität nachhaltig zu bekämpfen.

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