Kreditratings als Türöffner im Kapitalmarkt

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

Angesichts wachsender Regulierung und begrenzter Bankkapazitäten setzen Unternehmen vermehrt auf die Kapitalmärkte, um ihre Finanzierung breiter aufzustellen. Ende 2024 lag das globale Volumen ausstehender Unternehmensanleihen bei 35 Billionen US-Dollar. Unternehmen außerhalb des Finanzsektors trugen seit 2008 mehr als 60 Prozent zu dem Volumenanstieg bei. Dies zeigt die wachsende Bedeutung der Kapitalmärkte für die Unternehmensfinanzierung.

Für viele Unternehmen ist ein Rating einer Agentur – vergleichbar mit einem unabhängigen, zukunftsorientierten Finanzzeugnis – unverzichtbar. Die Bewertungen beruhen auf transparenten Kriterien und bieten Marktteilnehmern Orientierung und Vergleichbarkeit. So können Investoren und Geschäftspartner Risiken besser einschätzen und fundierte Entscheidungen treffen.

Was bringt Unternehmen ein Rating einer Agentur?

Ratings sind für Unternehmen aus mehreren Gründen wertvoll. Zunächst ist hier der Kapitalmarktzugang zu nennen. Ein Rating schafft Vertrauen und Transparenz und ermöglicht die Kapitalaufnahme über Anleihen, wodurch die Abhängigkeit von Banken sinkt. Gerade bei größeren Investitionen oder Übernahmen ist diese Flexibilität entscheidend. Hinzu kommen günstigere Finanzierungskonditionen: Ratings können Zinskosten senken. Im Euro-Anleihenmarkt sparen Unternehmen mit Rating gegenüber Wettbewerbern ohne Rating bis zu 70 Basispunkte. Ein besseres Rating erweitert zudem den Investorenkreis und erleichtert den Zugang zu internationalen Märkten.

Ferner unterstützen Ratings beim Risikomanagement, indem sie einen objektiven Maßstab für finanzielle Stabilität bieten, interne Bewertungen unterstützen und helfen, Risiken gezielt zu steuern. Mit Basel III gewinnen externe Ratings weiter an Bedeutung, speziell im Investmentgrade-Bereich, denn in vielen Ländern müssen Banken externe Ratings bei der Risikobewertung ihrer Kunden nutzen. In manchen Branchen, etwa bei Finanzdienstleistern, sind Ratings ohnehin oft verpflichtend. Sie sichern regulatorische Konformität und schaffen Transparenz.

Generell stützt ein Rating zudem die Reputation. Ein höheres Rating stärkt die Position gegenüber Lieferanten, Kunden und Partnern und kann so dazu beitragen, Wettbewerbsvorteile und bessere Konditionen beim Working Capital zu sichern. Nicht zuletzt schaffen regelmäßige Rating-Updates zusätzliche Transparenz und erleichtern Investoren die Entscheidungsfindung.

Rating ist vielfältig einsetzbar

Bei der Wahl der Ratingagentur zählen Analysequalität, internationale Akzeptanz und Service. Ihr Rating können Unternehmen in unterschiedlichen Situationen einsetzen. Der Industrieparkbetreiber Currenta (BB+/Stable) nutzte sein Rating zum Beispiel, um Investoren bei einer Anleiheemission die komplexe Unternehmensstruktur offenzulegen und somit den Zugang zum Kapitalmarkt zu erleichtern.

Das Dermatologieunternehmen Galderma (BBB/Stable) wiederum unterstrich beim Börsengang 2024 mit seinem Rating seine Investmentgrade-Qualität und seine konservative Finanzpolitik, um Investoren außerhalb von Private Equity zu gewinnen. Das Rating der Hamburger Energiewerke (AA–/Stable) spiegelt hingegen die solide staatliche Eigentümerschaft wider, trotz des schwächeren eigenständigen Finanzprofils. Geschäftspartner können das Risiko so auf Basis der Eigentümerbonität einschätzen.

Diese Beispiele zeigen: Ratings schaffen nicht nur neue Finanzierungsmöglichkeiten, sondern stärken auch die Position von Unternehmen auf den globalen Kapitalmärkten.

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SF Themen