Kreditvergabe im Rückwärtsgang

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

Die Ergebnisse des aktuellen „Bank Lending Survey“ der Europäischen Zentralbank (EZB) für das erste Quartal 2025 sprechen eine klare Sprache: 3 Prozent der Banken in der Eurozone haben ihre Kreditvergabestandards im ersten Quartal weiter verschärft – zum vierten Mal in Folge. Ursache ist eine Kombination aus zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit, gestiegenem Risikobewusstsein und höheren Refinanzierungskosten bei den Banken selbst. Besonders betroffen sind Unternehmensfinanzierungen mit mittleren bis langen Laufzeiten – sprich: das Finanzinstrument für Investitionen und Wachstum.

Für CFOs ergibt sich daraus ein klares Spannungsfeld: Aus unternehmerischer Sicht gibt es ambitionierte Investitionspläne, zum Beispiel mit Blick auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, für die Transformation oder für Zukäufe, die für die Zukunftsfähigkeit wichtig sind. Auf der anderen Seite verengen sich die klassischen Zugänge zu Fremdkapital.

Das Spannungsfeld auflösen

Und es gibt weitere Faktoren, die die Lage zusätzlich erschweren, etwa die makroökonomische Unsicherheit, ausgelöst unter anderem durch geopolitische Spannungen, die Inflation und volatile Rohstoffpreise. Zunehmenden Einfluss auf Finanzierungskosten und -zugänge haben auch strengere ESG-Vorgaben und stärkere Due-Diligence-Anforderungen bei Banken, vor allem bei kleineren und mittelständischen Unternehmen. Hinzu kommt die sinkende Risikobereitschaft institutioneller Investoren.

In diesem zunehmend komplexen Finanzierungsumfeld braucht es daher mehr als das vertraute Bankgespräch – es braucht unternehmerisches Denken in flexiblen Kapitallösungen. Ein erfahrener Debt Advisor kann CFOs dabei unterstützen, neue Finanzierungspfade zu erschließen, etwa durch modulare Refinanzierungsstrategien, bei denen Laufzeiten, Covenants und Sicherheiten gezielt diversifiziert werden.

Verlängerte Werkbank für den CFO

Dabei können auch weitere Komponenten wie Asset-basierte Finanzierungen eingebunden werden – zum Beispiel über Sale-and-lease-back-Modelle, Factoring und Lagerfinanzierung, die bei werthaltigen Vermögenswerten besonders interessant sind. Weitere Möglichkeiten sind strukturierte Finanzierungen wie Unitranche oder ESG-verknüpfte Kreditlinien sowie Private Debt und Direct Lending, um flexibler und schneller Kapital zu mobilisieren.

Ein Debt Advisor kann dabei nicht nur Produktspezialist mit fundiertem Know-how und einem tiefen Verständnis für die Präferenzen und Leistungsfähigkeit potentieller Kapitalgeber sein. Er agiert vielmehr als verlängerte Werkbank des CFO – mit Methodenkompetenz und Marktzugang, ergänzt um einen wichtigen Faktor: Zeit. Denn in vielen Fällen fehlt es CFOs im operativen Alltag schlicht an Ressourcen, um die Entscheidungsfindung einer Kapitalmaßnahme fundiert auszuarbeiten, die Anfragen vorzubereiten und zu pflegen sowie Investoren durch strukturierte Prozesse zu führen. Ein Debt Advisor füllt diese Lücke als Finanzabteilung auf Zeit.

Er analysiert die Kapitalstruktur, bereitet eine Entscheidungsvorlage auf, entwirft und orchestriert die Marktansprache, moderiert Banken- und Investorengespräche und bringt Transaktionen sicher zum Abschluss. So bleibt der CFO in der Steuerfunktion – und zugleich wird die Finanzierungsarbeit entlastet und professionalisiert.

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