Mit Factoring aus der Insolvenz

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

Unternehmen bewegen sich auch 2025 in einem schlecht planbaren Umfeld. Zu den üblichen Herausforderungen kommt seit diesem Jahr auch die anhaltende Unsicherheit um Handelszölle, verbunden mit Preissteigerungen und Währungsschwankungen. In Branchen mit ohnehin schon schmalen Gewinnmargen kann ein solches Umfeld schnell zu Schieflagen führen.

Factoringanbieter erleben dies bei verschiedenen Kunden und können beim Neustart helfen. Beispielhaft sei hier ein Großhandelsunternehmen genannt, das bis vor kurzem noch einen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro erwirtschaftete. Das Geschäftsmodell ließ sich kurzfristig jedoch nicht stabilisieren, so dass das Unternehmen Insolvenz anmelden musste. Mit einem modifizierten Geschäftsmodell – mit Fokus auf profitable Geschäftsbereiche und Ausschluss von Währungsrisiken – planten die Gesellschafter schließlich einen Neustart.

Neuanfang nach Asset Deal

Das Vorgehen: Man vereinbarte einen Asset Deal, um Inventar und Lagerbestand des insolventen Unternehmens mit einer neu gegründeten GmbH vom Insolvenzverwalter zu erwerben. Die Kosten für die Lagerbestandsobjekte sollten aus den laufenden Verkaufserlösen beglichen werden. Damit dies verlässlich und schnell erfolgen konnte, kam Factoring zum Einsatz. Der Factor kauft dabei die offenen Rechnungen an und stellt dem Unternehmen verlässlich planbar und termingerecht Liquidität zur Verfügung.

Die Liquidität aus Factoring ist eine wichtige Grundlage, um nach der Insolvenz einen schnellen Neustart zu wagen. Und Schnelligkeit ist neben der Planbarkeit zentral, denn das Timing ist ein wichtiger Faktor nach einer Insolvenz: Je eher Geschäftsverbindungen mit vorherigen Kunden wieder aufgenommen und neue Rahmenverträge geschlossen werden, desto einfacher gelingt der Neuanfang. Der Liquiditätspuffer durch Factoring gibt dabei dauerhaft unternehmerischen Spielraum, um das Geschäftsmodell auch im laufenden Betrieb noch kontinuierlich zu optimieren.

Bonitätsunabhängige Finanzierung

Das Beispiel des Großhandelsunternehmens zeigt, warum Factoring gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ein probates Mittel ist. Der erste Vorteil liegt in der Liquidität: Unternehmen müssen nicht auf die Begleichung von Rechnungen in ferner Zukunft warten. Der Factoringpartner überweist in der Regel sofort bis zu 90 Prozent des Forderungsbestands. Der restliche Betrag folgt abzüglich einer Factoringgebühr, sobald der Abnehmer seine Rechnung bezahlt oder einen Insolvenzantrag gestellt hat.

Zweitens eliminiert Factoring das Risiko von Zahlungsausfällen: Verkaufte Forderungen sind selbst im Falle einer Insolvenz des Kunden vollumfänglich geschützt. Gerade für Firmen, die in Krisenbranchen liefern, kann dies ein signifikanter Vorteil sein.

Der dritte Vorteil ist die bonitätsunabhängige Finanzierung. Factoring stellt auf die Validität der Forderungen ab, nicht auf die Kreditwürdigkeit des eigenen Unternehmens. Das ist ein klarer Vorteil im Vergleich zum Kredit der Hausbank, bei dem sowohl die Kreditentscheidung als auch die Konditionen von der eigenen Bonität abhängen.

All diese Vorteile können Unternehmen nutzen, um ihren Cashflow positiv zu beeinflussen und finanzielle Puffer aufzubauen. So erhalten sie Spielräume, um dringend nötige Investitionen zu stemmen und handlungsfähig zu bleiben.

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