Sanierungskredite sind ein essentielles Instrument zur Stabilisierung krisenbehafteter Unternehmen. Aktuelle Trends belegen jedoch, dass sich die Anforderungen der Banken bei notleidenden Krediten verschärfen. Insbesondere die regulatorischen Rahmenbedingungen stellen Banken und Kreditnehmer zunehmend vor Herausforderungen. Novellen der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), EBA-Leitlinien zur Kreditvergabe sowie die Anforderungen aus IFRS 9 verschärfen die Vorgaben erheblich.
Banken müssen nicht nur strengere Bonitätsprüfungen durchführen, sondern auch ESG-Risiken und Frühwarnindikatoren systematisch integrieren. Das führt zu einem erhöhten Prüfungsaufwand – gerade wenn Unternehmen unter akutem Restrukturierungsdruck stehen.
Basel III verteuert Sanierungen
Eine weitere Herausforderung ist die hohe Risikogewichtung von Sanierungskrediten, die nach CRR III (Capital Requirements Regulation) und Basel III mit bis zu 150 Prozent angesetzt wird. Die Folge: Banken müssen deutlich mehr Eigenkapital vorhalten, was die Kreditvergabe verteuert und die Finanzierungsbereitschaft reduziert. Insbesondere bei Projektfinanzierungen steigen die Anforderungen an Sicherheiten und Margenaufschläge. Gleichzeitig besteht bei zahlreichen Unternehmen ein dringender Kapitalbedarf – sei es zur Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen, zur Liquiditätssicherung oder zur Finanzierung operativer Transformationen. Die wirtschaftliche Unsicherheit, gepaart mit regulatorischen Hürden, führt jedoch dazu, dass tragfähige Sanierungskonzepte trotz positiver Fortführungsprognose scheitern können – schlichtweg, weil die Finanzierung versagt.
Zudem bleibt die Bonitätsprüfung streng. Klassische Scoring-Modelle stoßen in Krisenzeiten regelmäßig an ihre Grenzen, da sie vergangenheitsbezogen sind und die Resilienz eines Unternehmens unter veränderten Bedingungen nur unzureichend abbilden. Zwar gibt es Ansätze zur Anpassung der Bewertungsmethoden, doch die Umsetzung erfolgt bisweilen zögerlich. In der Praxis werden selbst tragfähige Sanierungskonzepte abgelehnt, da Banken das Risiko eines Kreditausfalls minimieren müssen. Die strengen Anforderungen stehen im Konflikt mit dem Bedürfnis, Unternehmen in Krisen schnell und unbürokratisch zu unterstützen.
Aufsicht blockiert Finanzierung
Das zentrale Dilemma: Banken müssen einerseits Risiken absichern und regulatorische Vorgaben erfüllen, andererseits die Realwirtschaft stützen. Wesentliche rechtliche Fragestellungen hierbei hat die Rechtsprechung zwar zwischenzeitlich entschärft – insbesondere die Harmonisierung der unbestimmten Rechtsbegriffe der wirtschaftlich gesellschaftergleichen Stellung im Sinne der Insolvenzordnung mit den bankaufsichtsrechtlichen Vorgaben. Dennoch bleibt die Lage in der Praxis angespannt: Die Balance zwischen Risikoaversion und wirtschaftlicher Verantwortung ist schwer zu halten. Es zeichnet sich ein Trend ab, dass Banken trotz vorhandener Finanzierungsbereitschaft aufgrund aufsichtsrechtlicher Vorschriften in ihrem Handeln eingeschränkt sind.
Sanierungskredite sind regulatorisch komplexer denn je. Für Unternehmen bedeutet das konkret: Bei entsprechendem Kapitalbedarf müssen sie mit erhöhten Anforderungen an die Darstellung der Sanierungsfähigkeit sowie die Dokumentation rechnen.
Autor
André Frischemeier
Dr. André Frischemeier ist Rechtsanwalt, Partner und Leiter Banking & Finance bei CMS in Frankfurt am Main.