Wandelanleihen als sinnvolle Ergänzung?

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

Für börsennotierte Unternehmen hält der Kapitalmarkt eine Vielzahl von Finanzierungsinstrumenten bereit. Neben den klassischen Fremdkapitalinstrumenten wie Anleihen und Schuldscheinen stehen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis die Kapitalerhöhung in Form einer Schnellplatzierung oder die klassische Bezugsrechtsemission zur Verfügung. Ein Instrument, welches die Vorteile von Anleihen und Aktien kombiniert, ist die Wandelanleihe („Convertible Bond“). Von einigen Unternehmen wird sie hochgeschätzt, andere nutzen sie bislang nicht. Daher ist es an der Zeit, sich genauer damit zu befassen und Wirkungsweisen, Strukturierungsaspekte sowie Vor- und Nachteile zu erörtern.

Eine Wandelanleihe ist eine Anleihe, die unter bestimmten Bedingungen in Aktien gewandelt werden kann. Der Aktienkurs, zu dem gewandelt werden kann, liegt üblicherweise über dem Aktienkurs bei Ausgabe der Anleihe. Die so entstehende Option hat einen Wert, der es dem Unternehmen erlaubt, die Anleihe zu einem günstigeren Zinssatz im Vergleich zur klassischen Unternehmensanleihe zu emittieren.

Wandlungsoption oder Wandlungspflicht 

Die Wandelanleihe ist aus Rating-Sicht zunächst als Fremdkapital einzustufen. Erst bei der Wandlung in Aktien entsteht Eigenkapital. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Pflichtwandelanleihe, bei der keine Wandlungsoption, sondern eine -pflicht besteht. Sie wird von den Ratingagenturen daher unter bestimmten Voraussetzungen dem Eigenkapital zugerechnet.

Platziert wird eine Wandelanleihe innerhalb von wenigen Stunden, ohne Roadshow und mit einer schlanken Dokumentation. Gelistet wird sie üblicherweise ohne Prospekt am Frankfurter Freiverkehr. Voraussetzungen, um eine Wandelanleihe zu begeben, sind – neben einer Ermächtigung der Hauptversammlung zu bedingtem Kapital – eine Aktie mit einem gewissen Liquiditätsniveau sowie eine Möglichkeit für Investoren, die Kreditqualität des Emittenten zu beurteilen. Ein Rating ist keine zwingende Voraussetzung.

Wandelanleihe hilft bei Diversifikation der Investorenbasis

Für Wandelanleihen gibt es eine Basis institutioneller Investoren, die sich nur auf dieses Instrument spezialisiert hat und vornehmlich in Europa ansässig ist. Das Instrument trägt daher zur Diversifikation der Investorenbasis bei. Hier spielen Long-only-Investoren aus Frankreich, der Schweiz und Deutschland sowie Hedgefonds aus dem Vereinigten Königreich eine wesentliche Rolle. US-Investoren nehmen meist über Offshore-Standorte in Europa teil. Das spart dem Emittenten eine US-Dokumentation und damit Kosten.

Die Vorteile der Wandelanleihe sind ihre sehr niedrige laufende Verzinsung, die hohe Strukturierungsflexibilität, die schnelle Vorbereitung und der niedrige Dokumentations- und Marketingaufwand sowie die Option, bei Wandlung neues Eigenkapital zu schaffen. Dabei entsteht für Bestandsaktionäre ein Verwässerungseffekt, weil Wandelanleihen üblicherweise ohne Bezugsrechte ausgegeben werden – allerdings, wenn überhaupt, erst bei Wandlung am Ende der Laufzeit und üblicherweise zu einem Kurs, der 20 bis 50 Prozent über dem Kurs bei Ausgabe liegt. Die meisten Wandelanleihen werden zur allgemeinen Unternehmensfinanzierung genutzt und benötigen keine spezielle Angabe zur Mittelverwendung.

Das Instrument ist aufgrund der Option sowie der Abhängigkeit vom Aktienkurs, was Rückzahlung und potentielle Aktienausgabe angeht, etwas komplexer. Hat man es aber einmal durchdacht und auch die zahlreichen Strukturierungsoptionen durchgespielt, kann man diesen Markt effizient und auf sich zugeschnitten nutzen.

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