KI-Agenten: Wenn der Forecast plötzlich mitdenkt

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2025. Foto: tostphoto - stock.adobe.com

In Zeiten unsicherer Märkte, geopolitischer Spannungen und volatiler Lieferketten wird die klassische Finanzplanung zur kontinuierlichen Planungsaufgabe. Was gestern galt, kann heute überholt sein. So hat etwa allein die Modebranche laut der McKinsey-Studie „The State of Fashion 2025“ im Jahr 2023 überschüssige Lagerbestände in Höhe von 2,5 bis 5 Milliarden Artikeln erzeugt. Das entspricht einem Wert von 60 bis 120 Milliarden Euro an unverkauften Beständen.

Für CFOs und Controlling-Teams stellt sich daher die Frage, wie Planung dynamischer, präziser und belastbarer werden kann. Eine Antwort darauf bieten KI-Agenten – intelligente digitale Assistenten, die Planer gezielt unterstützen.

Wie helfen KI-Agenten bei der Finanzplanung?

Der wesentliche Unterschied zu bisherigen Automatisierungslösungen ist, dass KI-Agenten Daten nicht nur analysieren, sondern sie im Geschäftskontext auch interpretieren. Sie erkennen Muster, melden Abweichungen, simulieren Szenarien und schlagen auf Basis interner wie externer Signale passende Maßnahmen vor. Dabei agieren sie nicht isoliert, sondern sind integraler Bestandteil eines durchgängigen Planungsprozesses – über Budgetierung, Forecasting, Reporting und Szenarienplanung hinweg.

Finanzverantwortliche profitieren unmittelbar von dieser neuen Arbeitsweise. Während klassische FP&A-Prozesse oft durch zyklische Abläufe und aufwendige Datenabgleiche ausgebremst werden, liefern KI-Agenten Erkenntnisse in Echtzeit. Sie schaffen direkt einen Überblick über Treiber, Risiken und Chancen – und liefern zu den Beobachtungen auch Erklärungen mit. Entscheidungen basieren somit nicht mehr auf starren Planwerten, sondern auf permanent aktualisierten Modellen, die kontinuierlich um neue Erkenntnisse ergänzt werden.

In der Praxis kann das so aussehen: Während die Planer noch über die Ursachen sinkender Preise und schwankender Auftragsvolumen diskutieren, hat der KI-Agent bereits Preiselastizitäten neu berechnet, Nachfrageschwankungen aus dem Markt erfasst und einen Entwurf für eine neue Preisstrategie formuliert, inklusive Simulation der Auswirkungen auf Umsatz und Ebit. Der Mensch entscheidet weiterhin über die notwendigen Maßnahmen, aber auf einer breiteren, fundierteren Informationsbasis.

Dabei agieren KI-Agenten nicht nach einem allgemein festgelegten Schema. Moderne Lösungen passen sich den Strukturen, Kennzahlen und Steuerungslogiken des jeweiligen Unternehmens an. Sie greifen auf bestehende Datenmodelle, Planungslogiken und Reports zu. Die KI-Agenten handeln somit spezifisch ausgerichtet auf das jeweilige Unternehmen.

Deutliche Effizienzgewinne durch KI-Agenten in der Planung

Die Zusammenarbeit mit dem Agenten erfolgt im Dialog. In natürlicher Sprache kann der Planer Fragen stellen, Ursachenanalysen anstoßen oder Simulationen durchspielen und braucht dafür keine komplizierte Formelsyntax oder technischen Vorkenntnisse mehr. Die Finanzabteilung wird so zum strategischen Sparringspartner für die Unternehmensleitung – schneller, fundierter und handlungsorientierter.

In fortschrittlichen Unternehmen sind KI-Agenten in der Finanzplanung schon im Einsatz. Dabei zeigen sich deutliche Effizienzgewinne: Forecast-Zyklen verkürzen sich und Abstimmungen zwischen Bereichen verlaufen reibungsloser. Planabweichungen werden nicht nur dokumentiert, sondern erklärt und mit Vorschlägen versehen, was zu tun ist. Der Weg führt weg vom reaktiven Zahlenwerk – hin zu einem proaktiven Planungsverständnis, das laufend dazulernt.

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