Sustainability-linked Loans, an Nachhaltigkeitsziele geknüpfte Kredite, sind sowohl für die Kreditnehmer als auch für die Finanziers prinzipiell eine attraktive Sache: Die Kunden dokumentieren damit ihre Nachhaltigkeitsbemühungen und erhalten im Erfolgsfall ein günstigeres Pricing. Die Banken wiederum, denen Politik und Regulator eine wichtige Rolle in der nachhaltigen Transformation der Wirtschaft zugedacht haben, zeigen mit nachhaltigen Finanzierungen, dass sie diese Aufgabe ernst nehmen.
Die Herausforderung der ambitionierten Ziele
Was aus der Vogelperspektive überzeugend klingt, ist auf der Arbeitsebene mitunter eine Herausforderung. Der Regulator verlangt, dass die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens anspruchsvoll sind. Das ist sinnvoll, um Greenwashing zu vermeiden, und daher auch im Interesse der Banken. Doch wie werden ambitionierte, aber erreichbare Ziele definiert?
Der große Knackpunkt bei der Festlegung von ESG-Zielen sind entsprechende Daten. Bei der besonders relevanten Messgröße der CO2-Emissionen lässt sich das gut veranschaulichen: Nur mit Verbrauchsdaten zum Energieverbrauch, dem CO2-Ausstoß, dem Anteil erneuerbarer Energien und weiteren Daten kann ein KPI entwickelt und gemessen werden.
Für viele Kreditnehmer ist das noch Neuland. Allerdings verpflichtet die im November 2022 vom EU-Parlament verabschiedete und im Januar 2023 in Kraft getretene Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) etwa 15.000 deutsche Unternehmen, solche Daten ab 2025 zur Verfügung zu stellen. Dadurch werden perspektivisch ganze Industriegruppen deutlich transparenter – dieses Wissen kann als Grundlage für Sustainable Finance genutzt werden.
Die Entwicklung von KPIs
Das Problem der aktuellen Datenlage sollte also in den Griff zu bekommen sein. Noch nicht bewältigt ist damit aber die Herausforderung, aus dem Ist-Zustand ambitionierte Ziele abzuleiten. Hier ziehen Banken vor allem die Sustainability Linked Loan Principles (SLLP) zu Rate, die Leitlinien für die Ausarbeitung von KPIs formulieren.
Grundsätzlich gilt, dass KPIs „smart“ sein müssen: spezifisch, messbar, ambitioniert, realistisch und terminiert. Banken beschäftigen sich intensiv mit der Nachhaltigkeit ihrer Kunden und entwickeln gemeinsam mit ihnen unternehmensspezifische Ziele. Von Vorteil ist, wenn die Banken dabei allgemein anerkannte Standards nutzen können, die durch neutrale Dritte mit der notwendigen Expertise formuliert werden.
Standards von neutralen Dritten
Die gute Nachricht: Solche Standards existieren teilweise bereits, zum Beispiel in Form der Science Based Targets Initiative (SBTI), die sich am UN-Ziel von null Emissionen im Jahr 2050 orientiert. Die SBTI ist eine Partnerschaft unterschiedlicher internationalen Organisationen wie der Vereinten Nationen und des WWF. Sie entwickelt wissenschaftlich fundierte Ziele, die Unternehmen zeigen, wie stark und wie schnell sie ihre Treibhausgasemissionen reduzieren müssen. In eine ähnliche Richtung zielt das „Net Zero Emissions by 2050 Scenario“ der Internationalen Energieagentur (IEA).
Auf diese wissenschaftlich fundierten Standards können sich sowohl Unternehmen als auch Banken bei der Erstellung von Nachhaltigkeitszielen und Nachhaltigkeitskonzepten stützen. Wenn ein Unternehmen diese Standards etwa für die Formulierung seiner Nachhaltigkeitsstrategie nutzt, kann die Bank damit die strategischen Ziele plausibilisieren und prüfen, ob sie auch im Auge einer externen Betrachtung als „ambitioniert“ eingestuft werden können.
Die Bank hat zudem eine zentrale Kontrollfunktion etabliert, die streng die zu Grunde gelegten Nachhaltigkeitskriterien prüft. Dabei wird in einem internen Dialog entschieden, ob KPIs nachgebessert werden müssen oder ob Nachhaltigkeitskonzepte durch eine Second Party Opinion abgesegnet werden müssen. Die Entwicklung von KPIs ist also ein durchaus anspruchsvoller Prozess, der aber in enger Zusammenarbeit mit der Bank gut gelingen sollte.
Autor
Marcus Thiel ist Leiter Nachhaltige Unternehmenskredite bei der Deutschen Bank AG.
marcus.thiel@db.com