Supply Chain Finance nachhaltiger gestalten

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Fachbeiträge aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2023. Foto: Tinnakorn-stock.adobe.com
Fachbeiträge aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2023. Foto: Tinnakorn-stock.adobe.com

Kunden sind auf vielfältige Weise mit ihren Lieferanten verknüpft, gesetzliche Vorgaben wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz weisen ihnen eine besondere Verantwortung zu. Tatsächlich können insbesondere große Unternehmen über ihre Lieferantenbeziehung den nachhaltigen Umbau der Volkswirtschaft beschleunigen. Dazu kann auch die Finanzabteilung beitragen. Besonders gut eignen sich dafür mit Nachhaltigkeit verknüpfte Supply-Chain-Finance-Programme.

Nachhaltigkeit als Hebel für den Umbau der Volkswirtschaft

Nachhaltigkeitskomponenten können sogar in bereits bestehende Programme aufgenommen werden. Das deutsche Großunternehmen Knorr-Bremse hat diesen Schritt gewagt. Die Vertriebsstruktur der Lieferanten in diesem globalen Programm wurde gemeinsam mit der Bank analysiert, um einen ESG-Link zu schaffen, der auf die Beschaffungsstrategie von Knorr-Bremse abgestimmt ist.

Die vertragliche Umsetzung war einfach: Die Abstimmung mit den Lieferanten übernahm die Bank, der bestehende Vertrag wurde lediglich um einen Anhang ergänzt, der die Finanzierungskosten an das Nachhaltigkeitsrating der Lieferanten knüpft.

Als Teil seiner Beschaffungsstrategie verlangt Knorr-Bremse von seinen Lieferanten ohnehin einen Nachhaltigkeits-Score. Erstmals haben die Lieferanten dadurch die Möglichkeit, ein Rating von einer von zwei ESG-Ratingagenturen einzuholen. Damit geht das Programm noch einen Schritt weiter als andere Supply-Chain-Finance-Programme in Europa.

Finanzielle Anreize für mehr Nachhaltigkeit

Der Unterschied zwischen einem Lieferanten mit keinem oder einem schlechten ESG-Rating und einem Lieferanten mit einem Top-ESG-Rating sollte groß genug sein, um einen angemessenen Anreiz für mehr Nachhaltigkeit zu schaffen. Im Sinne der Fairness wird dem Lieferanten jedoch ausreichend Zeit eingeräumt, um die Nachhaltigkeitsbewertung zu erhalten, bevor ein Malus tatsächlich greift.

Für den Betreiber des Programms macht es dagegen finanziell keinen Unterschied, wie nachhaltig seine Lieferanten sind. Eine oft gestellte Frage: Wer trägt die Kosten für die geringeren Margen der „grünen“ Lieferanten? Bonus und Malus verbleiben bei der finanzierenden Bank, die das Risiko trägt. Da Banken selbst Nachhaltigkeitsziele verfolgen, tragen sie diese Kosten, bis künftig möglicherweise günstigere Refinanzierungskosten oder regulatorische Erleichterungen auch ihnen einen finanziellen Anreiz bieten.

Den Regelfall werden Supply-Chain-Finance-Programme bilden, die auf die Nachhaltigkeit der Lieferanten abzielen. Allerdings kennt der Markt auch schon Programme, die ein nachhaltiges Projekt finanzieren. Ein Beispiel ist der komplette Rückbau einer Produktionsanlage mit einer über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehenden Säuberung des Grundstücks durch Roche in Irland, die durch Lieferanten durchgeführt wird.

Die Beispiele zeigen: Mit auf Nachhaltigkeit fokussierten Supply-Chain-Finance-Programmen haben große Unternehmen einen wirksamen Hebel, über finanzielle Anreize für die Lieferanten die Nachhaltigkeit voranzutreiben. Allerdings kann die Treasury-Abteilung nicht der alleinige Treiber sein: Ohne den Einkauf als wesentlichen Partner wird die Umsetzung nicht gelingen. Ein erfolgreiches nachhaltiges Supply-Chain-Finance-Programm muss daher immer in die allgemeine Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens eingebettet sein.

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