Was vor rund drei Jahren im Schuldscheinmarkt noch Neuland war, wird zunehmend zum Marktstandard: Digitale Finanzierungsplattformen haben in den vergangenen Jahren mehr und mehr auf sich aufmerksam gemacht und wirken inzwischen bei jeder zweiten Schuldscheintransaktion mit. Das betrifft im Wesentlichen die breit platzierten Emissionen.
Privatplatzierungen da gegen sind in der Regel noch „handmade“ und auf dem analogen Kommunikationsweg über die jeweiligen Haus und Kernbanken überwiegend in Richtung Investoren adressiert. Doch durch die Unterstützung und Etablierung einer digitalen Plattform können Kreditnehmer und Kreditgeber deutlich einfacher und zielgerichteter zusammen geführt werden.
Marktplatz für Privatplatzierungen
Digitale Schuldscheinplattformen bieten sowohl Emittenten als auch Investoren die Vorteile einer einfachen und nutzerfreundlichen Abwicklung von Emissionen, die beide Seiten zu schätzen gelernt haben. Diese Technologie gilt es nun auszubauen und den Vertragspartnern weiteren Komfort bei der Kreditaufnahme beziehungsweise der Geldanlage zu verschaffen.
Plattformen bieten Emittenten und Investoren, analog zur Emission von Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen, auch einen Marktplatz für die Begebung einer Privatplatzierung. Ihr Ziel ist es, Kreditnehmer und Kreditgeber den Bedürfnissen entsprechend zusammenzuführen und zielgerichtet zu kontaktieren. Dies geschieht mit Hilfe von Angaben zu Branchen, Kreditvolumen, Laufzeiten, Währungen und Zinskonventionen.
Mit diesem Feature und der daraus entstehenden Transparenz werden Transaktionen effizient, mit geringeren Kosten und Aufwand auf Seiten der Kreditnehmer sowie Kreditgeber abgewickelt. Dabei können im Rahmen der jeweiligen Plattformtechnologie sowie der bereits vorhandenen Nutzer auf Emittenten und Investorenseite durchaus Synergieeffekte genutzt werden.
Individuelle Strukturen sind gefragt
Privatplatzierungen werden heutzutage überwiegend in bilateralen Gesprächen oder über die Haus und Kernbanken vermittelt. Impulsgeber ist dabei in der Regel ausschließlich der Emittent. Das Marktvolumen sowie die Anzahl der Transaktionen sind jedoch intransparent, so dass sich – im Sinne eines Marktplatzes für Angebot und Nachfrage – sowohl für digitale Plattformen als auch auf Seiten der Marktteilnehmer zusätzliche Chancen in der Umsetzung von Transaktionen bieten.
„Transaktionen können so effizient, mit geringeren Kosten und Aufwand abgewickelt werden.“
Doch was sind die Vorteile der Privatplatzierung gegen über einer breiten Platzierung, welche individuellen Strukturmöglichkeiten, Kreditlaufzeiten und Kreditvolumen gibt es? Und wie groß ist der Markt? Bei Privatplatzierungen besteht etwa die Möglichkeit, im Gegensatz zu breitplatzierten Schuldscheindarlehen mit vorgegebenen Strukturen (Laufzeit/Spread) individuelle Finanzierungslaufzeiten sowie Spreads mit Forward und/oder Tilgungsvarianten zu vereinbaren. Auf Seiten der Emittenten können zudem Fälligkeitenprofile optimal ergänzt werden.
Autor
Christian Müller ist Prokurist bei der finpair GmbH in Hannover.
Kontakt: mueller[at]finpair.de
Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Controlling, Gehalt und Personal. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.
