Inflationsraten bleiben weiterhin hoch

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Fachbeiträge aus der Sonderbeilage Structured FINANCE 2022
Fachbeiträge aus der Sonderbeilage Structured FINANCE 2022 Foto: Eduardo - stock.adobe.com

Störungen der weltweiten Lieferketten, ein verändertes Nachfrageverhalten und explodie­rende Energiepreise haben zu rasanten Preisan­stiegen geführt. Dies dürfte das Inflations- und Zinsumfeld längerfristiger verändern. Entspre­chend reagierten die Zentralbanken mit einem deutlichen Kurswechsel, wenngleich anfangs noch zögerlich. Während in der Vergangenheit die zukünftige Inflationsrate oft überschätzt worden war, wurde der historische Preisauftrieb 2022 von vielen deutlich unterschätzt. So haben beispiels­weise Ende 2021 die Prognosen im Median für das Jahr 2022 eine Inflation in Deutschland von knapp über 2 Prozent vorhergesagt. Dies zeigt, wie schwierig es ist, die zukünftige Inflationsrate abzuschätzen – insbesondere in einem volatilen makroökonomischen Umfeld.

Inflationsrisiken sind berechenbar

Vor diesem Hintergrund ist es hilfreich, auf eine mögliche Spannbreite der Inflationsrate in den kommenden Jahren zu blicken. So lässt sich ab­schätzen, ob der Preisanstieg für längere Zeit über bestimmten Grenzwerten liegen wird. Mit einer Quantilsregression lässt sich eine mögliche Asym­metrie der Aufwärts- und Abwärtsrisiken berück­sichtigen. Das Modell basiert auf verschiedenen weltwirtschaftlichen Szenarien oder aktuellen Markterwartungen.

Angenommen, das Inflationsrisikomodell für Deutschland beinhaltet beispielsweise die Inflati­onsrate, die Veränderung des Bruttoinlandspro­dukts, den 3-Monats-Zinssatz und eine Energie­preisvariable. Letztere setzt sich als gewichtetes Mittel aus dem Rohölpreis und dem Gaspreis in Euro zusammen. Im Prognosezeitraum be­dingen bestimmte Annahmen bezüglich der an­deren Variablen die Inflationsprognose. Für das Baseline-Szenario wird unterstellt, dass sich Brut­toinlandsprodukt und Zinsen gemäß der durch­schnittlichen Vorhersage von Prognostikern ent­wickeln. Die Energiepreise folgen den aktuellen Öl- und Gas-Futures vom September 2022.

Inflation auch 2023 über 4 Prozent

Die Ergebnisse zeigen, dass die Inflation in der zweiten Jahreshälfte 2022 zuerst wieder an­ziehen dürfte. Eine Rate von über 8 Prozent im dritten Quartal ist dem Modell zufolge nahezu garantiert. Im weiteren Verlauf ist eine gewisse Entspannung zu erwarten. Diese entsteht durch Basiseffekte – die Preise steigen von bereits er­höhten Niveaus weniger stark – und als Reaktion auf eine gedämpfte Nachfrage und die restriktive­re Geldpolitik. Allerdings besteht noch eine sehr beträchtliche Chance, dass die Inflationsrate auch Ende 2023 über 4 Prozent liegt. Dagegen liegt die Wahrscheinlichkeit von weniger als 2 Prozent In­flation bei unter 5 Prozent.

In einem Alternativszenario gehen wir etwa aufgrund eines sehr kalten Winters von kurz­fristig noch höheren Energiepreisen und einer schwächeren wirtschaftlichen Dynamik aus. Dies macht eine Inflationsrate von über 8 Prozent in den nachfolgenden Quartalen wahrscheinlicher. Die Wahrscheinlichkeit einer Inflationsrate von weniger als 2 Prozent Ende 2023 beträgt wie im anderen Szenario weniger als 5 Prozent.

Alles in allem zeigt sich, dass der derzeit his­torisch hohe Preisauftrieb in Deutschland zwar bis Ende 2023 zurückgehen dürfte, sich aber höchstwahrscheinlich weiter deutlich über dem Zielwert der Zentralbank von 2 Prozent befin­den wird. Dies erhöht auch die Wahrscheinlich­keit von weiteren Zinsschritten der Europäischen Zentralbank im kommenden Jahr.

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