Liquide bleiben dank Commercial Papers

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Fachbeiträge aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2023. Foto: Tinnakorn-stock.adobe.com
Fachbeiträge aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2023. Foto: Tinnakorn-stock.adobe.com

Commercial Papers sind Wertpapiere am kurzen Ende der Zinskurve. Sie haben normalerweise eine Laufzeit von einer Woche bis zu einem Jahr. Der Markt für Commercial Papers (CPs) lässt sich am besten mit dem Anleihemarkt vergleichen: Es werden Zinsen gezahlt, die CPs haben eine feste Laufzeit, können in verschiedenen Devisen emittiert werden, und sind im Ranking gleichrangig mit Senior-Unsecured-Anleihen.

Der Unterschied ist, dass wegen der kurzen Restlaufzeit das Zinsänderungsrisiko und die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer sehr gering sind. Emittenten können sich über Commercial Papers oft wesentlich günstiger als über Banklinien finanzieren. Ein weiterer Vorteil ist auch hier die tagesgenaue, den Bedürfnissen des Emittenten entsprechende Aufnahme von Liquidität am Geldmarkt.

Zwei rechtliche Möglichkeiten zur Aufsetzung

Es gibt zwei rechtliche Möglichkeiten, um ein Commercial Paper aufzusetzen. Das European Commercial Paper (ECP) wird mit individuellen Verträgen rechtlich fixiert. Eine Alternative ist das standardisierte Neu-CP, das die Französische Zentralbank, die Banque de France, überwacht. Die meisten deutschen Emittenten bevorzugen allerdings das ECP.

Die Emittenten, die am Commercial-Paper-Markt aktiv sind, lassen sich in vier Hauptgruppen aufteilen: Agenturen mit Staatsgarantie, Banken, Unternehmen mit einem Rating, das besser als BBB– (Investmentgrade) ist, und Unternehmen im High-Yield-Bereich beziehungsweise ohne Rating. Je höher die Qualität des Emittenten ist, desto geringer sind die Zinsen, die der Geldmarkt verlangt. In Stresssituationen – wie etwa während der Krise von Credit Suisse – ist es für Banken generell schwierig, ihre Papiere zu platzieren.

Im europäischen Vergleich ist der Markt für Commercial Papers in Frankreich am weitesten entwickelt. In Deutschland dagegen schlagen Hausbanken Unternehmen zunehmend seltener CPs als Alternative vor. Denn diese werfen für Banken nur eine geringe Marge ab, daher werden sie von deren Management nicht priorisiert. Auch wurden in Deutschland spezialisierte Geldmarkthändler abgebaut. Damit fehlt es an der nötigen Infrastruktur.

Für Investoren ist Liquiditätsfrage entscheidend

Wichtig für Investoren ist, bei Bedarf Liquidität zu erhalten. Einige Banken sind bereit, einmal verkaufte Commercial Papers zurückzukaufen. Leider können viele deutsche Banken diesen Service nicht anbieten, da ihre Bilanz zu schlecht ist und sie die Wertpapiere nicht auf das Buch nehmen können.

Auch die Investoren sind sehr unterschiedlich. Große Asset Manager besitzen Geldmarktfonds, die sehr viel in CPs investieren. Auch für Zentralbanken und supranationale Organisationen sind CPs eine wichtige Geldanlage. Banken und Versicherungen treten ebenfalls als Investoren auf. Zudem gibt es eine zunehmende Zahl an Unternehmen, die direkt in Commercial Papers investieren, anstatt die Liquidität in Geldmarktfonds zu parken.

Das Verhalten der Investoren war in den vergangenen Jahren sehr gegensätzlich. Während der Niedrigzinsphase haben sie längere Laufzeiten bevorzugt, die etwa bei sechs bis zwölf Monaten lagen. Als die Zinsen 2022 stiegen, wurden sehr kurze Laufzeiten, vor allem mit einer tagesgenauen Laufzeit, auf die Zinserhöhungstermine der Zentralbanken nachgefragt. Inzwischen hat sich die Lage wieder beruhigt. Die Inflation ist zurückgegangen – und somit auch das Zinserhöhungsrisiko. Damit sind ewas längere Laufzeiten wieder populär.

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