In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich Nordic Bonds zu einem verlässlichen Bestandteil der Unternehmensfinanzierung entwickelt. Heute bilden sie mit einem ausstehenden Gesamtvolumen von rund 50 Milliarden Euro einen der größten Märkte für mittelständische Kapitalmarktfinanzierung in Europa. Diese Entwicklung spiegelt sich in der zunehmenden Akzeptanz dieses Anleiheformats sowohl bei deutschen Emittenten als auch bei Investoren wider.
Wieso Nordic Bonds ein flexibles Instrument sind
Mittelständische Unternehmen können sich mit dem Nordic Bond ein Finanzierungsformat erschließen, das trotz standardisierter und dadurch transparenter Dokumentation eine hohe Flexibilität bietet, kein externes Rating benötigt und den Zugang zu einer breiten, internationalen Investorenbasis ermöglicht. Die Flexibilität spiegelt sich in den folgenden fünf Punkten wider:
1. Umsetzbar sind alle Finanzierungsanlässe, von einer Refinanzierung über Kapital zur Finanzierung des organischen Wachstums bis hin zu Investitions- und Akquisitionsfinanzierungen im Rahmen von M&A-Deals.
2. Das Mindesttransaktionsvolumen beträgt 30 Millionen Euro, wobei Transaktionen mit bis zu hohen dreistelligen Millionenbeträgen darstellbar sind.
3. Der Emissionsprozess ist in der Regel innerhalb von sechs bis neun Wochen umsetzbar.
4. Die Angebotsstruktur ist flexibel: Möglich ist sowohl eine reine Privatplatzierung mit institutionellen Investoren als auch eine Kombination mit einem öffentlichen Angebot, also ergänzt um Retail-Investoren.
5. Während der Laufzeit der Anleihe können zudem das Finanzierungsvolumen erhöht oder Änderungen der Anleihebedingungen vorgenommen werden.
Nordic Trustee als zentraler Treuhänder
Bereits zur Erstemission werden Nordic Bonds mit einem Finanzierungsrahmen ausgestaltet, der in der Regel um bis zu 50 Prozent über dem Erstemissionsvolumen liegt. Die Anleiheaufstockung auf Basis dieser bereits aufgesetzten Dokumentation erfolgt dann im Rahmen einer Ansprache bestehender und neuer Investoren und kann innerhalb von wenigen Wochen umgesetzt werden.
Bei Änderungen der Anleihebedingungen können Anleihegläubiger darüber abstimmen, ohne dass eine physische Versammlung stattfindet. Diese effiziente „Written Procedure“ ist ein integraler Bestandteil der Nordic Bonds und erlaubt es Emittenten, über den Treuhänder ihre aktuellen Anleihehalter anzusprechen, um formale oder kommerzielle Änderungen umzusetzen. Im vergangenen Jahr wurden vom Nordic Trustee, dem zentralen Treuhänder im Nordic-Bond-Format, rund 120 solcher Verfahren durchgeführt.
Nordic Bond als etabliertes Instrument
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Nordic Bonds ein inzwischen etabliertes Instrument für mittelständische Unternehmen darstellen, die nach flexiblen und bankenunabhängigen Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Heute wird der Nordic Bond bereits von einer Vielzahl deutscher Unternehmen genutzt, darunter zum Beispiel Karlsberg, TPG, Lifefit, Katjes International und DEAG.
Es ist davon auszugehen, dass der Markt für Nordic Bonds weiterhin wachsen wird und sich neue Emittenten für diese Finanzierungsform entscheiden werden, insbesondere in einem wirtschaftlichen Umfeld, das innovative, bankenunabhängige Finanzierungsstrategien erfordert.
Autor
Inga Friederichs
Inga Friederichs ist Partner Investment Banking bei Pareto Securities in Frankfurt am Main.
inga.friederichs@paretosec.com
Julian Müller
Julian Müller ist Partner Investment Banking bei Pareto Securities in Frankfurt am Main.