Nach der Zinswende Zinsrisiken richtig steuern

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com

Die Ausnahmesituation der jahrelangen Nullzinsphase hatte auch positive Seiten für Treasurer: Es gab praktische keine Zinsrisiken. Seitdem jedoch die Zinsen wieder steigen – und auch schwanken – müssen Unternehmen diese Entwicklung in ihrem Risikomanagement berücksichtigen. Welche Ansätze sind dafür geeignet?

Bis ins Jahr 2021 hinein war es Unternehmen aufgrund der lockeren Geldpolitik und des niedrigen Zinsniveaus möglich, Anleihen und Kredite mit Kupons sogar zu 0 Prozent am Markt zu emittieren. Das Zinsrisiko spielte eine untergeordnete Rolle oder war gar nicht existent. Mit der Ende 2021 aufgekommenen Inflation und dem damit verbundenen rapiden Zinsanstieg hat sich das Risikoprofil jedoch stark verändert.

Pre-Hedging steht auf der Agenda

Anders als beispielsweise beim Wechselkursrisiko lassen sich Zinsrisiken für zukünftige Transaktionen schwerer quantifizieren, da meistens viele Parameter noch unklar sind. Um diesen Risiken zu begegnen, stehen Unternehmen neben diversen Finanzierungsinstrumenten auch Derivate zur Verfügung, die helfen, Marktineffizienzen auszugleichen.

Vor allem das Thema Pre-Hedging ist dabei auf die Agenda gerückt. Durch eine gezielte Absicherungsstrategie lassen sich die Zinskosten leichter steuern. Natürlich sind Unternehmen, die einen regelmäßigen und erhöhten Finanzierungsbedarf haben, im Vorteil. Hier können Hedges auf einer Makro-Basis abgeschlossen werden, da genügend Grundgeschäft vorhanden ist, sollte sich in den Finanzierungsplänen etwas ändern.

Als Instrument eignet sich dabei ein einfacher Fixed Floating Swap mit einem Forward-Start. Dabei werden das Startdatum und die weiteren Parameter auf die geplante Finanzierung abgestimmt, so dass der Marktzinssatz des zukünftigen Finanzierungsinstruments zum aktuellen Niveau abgesichert wird. Am Tag der Emission wird der Swap dann aufgelöst und der Mark-to-Market in Cash zwischen beiden Parteien ausgeglichen. IFRS 9 gibt hier genügend Spielraum für Hedge Accounting. Dafür sollte intern der Rahmen geschaffen werden, um in bestimmten Marktphasen über genügend Flexibilität zu verfügen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Zinsen schnell steigen können.

Ganzheitliche Zinsstrategie aufsetzen

Kommen wir zurück zum Timing: Generell sollten hierbei neben dem aktuellen Marktumfeld auch andere Komponenten eine Rolle spielen, wie beispielsweise interne Cashflow-Analysen und konzernweite Risikomodelle. Ein standardisierter Value-at-Risk-Ansatz mit einem vordefinierten Konfidenzrahmen kann bei der Überlegung helfen, ob es opportun und notwendig ist, den aktuellen Marktzins abzusichern. Durch den ganzheitlichen Ansatz lassen sich Positionen eventuell bereits intern glattstellen. Neben den allgemeinen mathematischen Modellen müssen hier jedoch individuelle und branchenspezifische Punkte angeführt werden – denn ein Familienunternehmen hat eine andere Struktur als ein Dax-40-Konzern, und ein Handelsunternehmen weist ein anderes Zins-Exposure auf als ein Versorger.

So lässt sich eine auf das Unternehmen abgestimmte ganzheitliche Zinsstrategie aufsetzen. Solche Modelle erlauben es, die Diskussion etwas vom Marktgeschehen zu lösen und das Zins-Hedging stärker in die Unternehmensfinanzierung zu integrieren. Die Anstrengung, dies im Unternehmen aufzusetzen, lohnt sich und lässt Treasurer langfristig davon profitieren.

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