Die Folgen des Klimawandels zwingen zum Umdenken. Gesetzgeber, Investoren, Kunden, Mitarbeiter und Öffentlichkeit erwarten von Unternehmen ihren Beitrag für eine nachhaltigere Zukunft. Sie wollen über CO2-Fußabdruck und Arbeitsbedingungen ebenso transparent informiert werden wie über Umsatz und Gewinn.
Um die Berichte vergleichbarer und verlässlicher zu machen, bereitet die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) das Spielfeld. Klare Vorgaben zu detaillierten Berichtspflichten bestimmen die European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Zu welchen Konditionen sich Unternehmen künftig am Kapitalmarkt refinanzieren, wird stark von ESG-Faktoren abhängen.
Mehrere Strategien möglich
Wie können sich Unternehmen strategisch aufstellen, um künftig die Anforderungen von Investoren zu erfüllen? Je nachdem, wie stark ESG-Themen das Geschäft beeinflussen und wie abhängig es vom Kapitalmarkt ist, bieten sich drei Nachhaltigkeitsstrategien an.
Eine Möglichkeit ist das „Portfolio Play“. Dabei werden Zukäufe, Fusionen und eigene Entwicklungen genutzt, um die ESG-Regulatorik umzusetzen und das bestehende Portfolio „grüner“ zu gestalten. „Graue“ Anteile werden sukzessive reduziert.
Die zweite Strategie ist das „ESG Pure Play“. Hier setzen Unternehmen ausschließlich auf nachhaltige Geschäfte und ziehen damit Investoren an. Die dritte Möglichkeit ist das „Impact Play“. Unternehmen achten bei ihren Geschäftsaktivitäten auf einen nachweisbar positiven Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft.
Für Unternehmen, die den ESG-Druck heute noch nicht spüren – oder ihn ignorieren – gibt es (noch) die Alternative des „Dirty Play“, das heißt, an den Umsatzbringern, den Cash Cows, wird so lange wie möglich festgehalten, auch wenn das Geschäft nicht nachhaltig ist.
Die Rolle des CFO
Unter der Ägide des CFO müssen Unternehmen verstehen, was Eigen- und Fremdkapitalgeber in Sachen Nachhaltigkeit erwarten, um den Zugang zum Kapitalmarkt für die Zukunft zu sichern. Zudem sollten Finanzvorstände ein glaubhaftes ESG-Narrativ entwickeln, mit dem Nachhaltigkeitsziele und -leistungen kommuniziert werden.
Das ESG-Narrativ muss die Equity und Credit Story stärken. Der CFO sollte zudem nicht-finanzielle Kennzahlen (KPIs) in das Portfoliomanagement und die Finanzierung einbinden und durch Datenmanagementsysteme untermauern.
Kapitalbeschaffung und Regulatorik
Ein weiteres To-do ist, Kapital für den Auf- und Ausbau nachhaltiger Geschäftsaktivitäten zu beschaffen. Finanzvorstände sollten den Wandel zu einem nachhaltigeren Portfolio durch Zukäufe, Verkäufe, Entwicklungen oder Partnerschaften aktiv unterstützen. Zudem müssen die Regulatorik und deren Auswirkungen im Blick behalten werden, um die Daten und das Reporting fristgerecht anzupassen.
Ungeachtet der Widrigkeiten durch die umfassende ESG-Regulatorik sprechen aus Sicht von Unternehmen neben ethischen auch handfeste ökonomische Gründe für ein nachhaltigeres Wirtschaften. Der effiziente Umgang mit Ressourcen kann perspektivisch Kosten sparen. Hohe ökologische und soziale Standards verringern die Risiken von Rechtsstreitigkeiten, strengeren gesetzlichen Auflagen oder Reputationsschäden. Nachhaltige Unternehmen locken Investoren häufig mit einem hohen Innovations- und Wachstumspotential und sichern sich Finanzierungsvorteile am Kapitalmarkt.
Autor
Christian Hell ist Partner bei EY in München.
Florian Huber ist Partner bei EY in München.
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