Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch den Klimawandel ist der Umstieg auf erneuerbare Energien unumgänglich und fordert von unserer Gesellschaft langfristiges Denken. Als Rückgrat der deutschen Wirtschaft spielen dabei insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) eine entscheidende Rolle, um die Energiewende voranzutreiben. Dabei geht es für den Mittelstand um nicht weniger, als sich langfristig nachhaltig aufzustellen und trotz notwendiger Investitionen seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Entgegen der Erwartung vieler überwiegen die Vorteile: Denn neben Umweltschutz lassen sich auch konkrete unternehmerische Vorteile erzielen. Haben KMU erkennbare Nachhaltigkeitsstrategien in ihrer Geschäftspolitik verankert, können beispielsweise eine positivere Kundenwahrnehmung, ein besseres Risikomanagement oder eine gestiegene Mitarbeitermotivation zum andauernden Erfolg beitragen.
Mittelstand muss sich umstellen
Eine nachhaltige Entwicklung, die auf die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfungskette ausstrahlt, kann nur durch die aktive Mitgestaltung aller kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland sichergestellt werden. Denn sie machen den Löwenanteil von rund 99 Prozent an der gesamtdeutschen Wirtschaft aus. Um effektive Veränderungen rund um erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz realisieren zu können, stellt die Transformationsfinanzierung den Schlüsselmechanismus dar, um den deutschen Mittelstand energetisch zu sanieren und sein Geschäftsmodell ganzheitlich auf Nachhaltigkeit auszurichten.
Unternehmen haben die Möglichkeit, innovative Finanzierungsinstrumente zu nutzen, um den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu meistern. Der Solarmodulproduzenten Meyer Burger hat beispielsweise einen Konsortialkredit mit einem Volumen von 185 Millionen Euro abgeschlossen. Mit fast 70 Jahren Unternehmensgeschichte unterhält Meyer Burger Technologie- und Forschungszentren in der Schweiz sowie einen Produktionsstandort in Sachsen.
Eigenen Angaben zufolge nutzt der Hersteller von Hochleistungs-Photovoltaikzellen und -modulen die eigens entwickelte und führende Heterojunction-/Smart-Wire-Technologie für bis zu 20 Prozent mehr Energieausbeute. Das Unternehmen muss große Investitionen tätigen, um neue Märkte zu erschließen und die Produktion zu steigern.
Meyer Burger als Blaupause
Der strukturierte Konsortialkredit von Meyer Burger wurde mit mehreren Banken aus dem gesamten Bundesgebiet, einer Genossenschafts- und einer Förderbank vereinbart. Zusätzlich umfasst das Finanzierungspaket ein 125 Millionen Euro schweres Investitionsdarlehen für den Aufbau einer PV-Modulproduktion, das unter anderem durch eine Factoringlinie über 60 Millionen Euro ergänzt wird.
Wird die Finanzierung von Meyer Burger als Blaupause definiert, lassen sich kritische Erfolgsfaktoren ableiten: Zum einen braucht es ein fokussiertes, innovatives Unternehmen mit einer klaren Mission, das regionale Netzwerke mit relevanten Stakeholdern entwickelt.
Zum anderen sind ein Finanzierungskonsortium mit regionalen und inhaltlichen Anknüpfungspunkten, ein passgenauer Finanzierungsmix aus Kapitalmarkt- und Bankfinanzierung sowie die Einbindung geeigneter Förderinstrumente von Land und Bund als zusätzlicher Anreiz entscheidend.
Die Kombination dieser Erfolgsfaktoren lässt das Ziel der EU in greifbare Nähe rücken, wonach bis 2025 eine Produktionskapazität von 30 Gigawatt entlang der Photovoltaik-Wertschöpfungskette aufgebaut werden soll.
Autor
Jens Kobarg ist stellvertretendes Vorstandsmitglied bei der Ostsächsische Sparkasse Dresden.