In einer Kreislaufwirtschaft werden bestehende Materialien und Produkte so lange wie möglich geteilt, wiederverwendet, repariert und recycelt. Auf diese Weise wird der Lebenszyklus der Produkte verlängert. Dabei trägt die Kreislaufwirtschaft erheblich zur Förderung der Biodiversität und zum Klimaschutz bei.
Durch die Minimierung von Abfall und die Maximierung der Ressourceneffizienz werden weniger natürliche Ressourcen ausgebeutet, was den Lebensraum für viele Arten schützt. Gleichzeitig reduziert die Kreislaufwirtschaft den Bedarf an Rohstoffabbau, Landnutzung und Schadstoffemissionen. Recycling und Wiederverwendung verringern den Energieverbrauch, da die Produktion aus recyceltem Material oft weniger energieintensiv ist als die Herstellung aus Primärrohstoffen. Dies führt zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen.
Weitreichende EU-Regularien
In der Europäischen Union (EU) sind weitreichende Regularien entwickelt worden, die den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft unterstützen sollen, der eines der sechs Ziele der EU-Taxonomie ist. Die Regularien setzen klare Ziele für die Wiederverwertung und das Recycling von Materialien und fördern innovative Lösungen für eine nachhaltige Wirtschaft.
Ein 2020 verfasster Aktionsplan der EU enthält darüber hinaus quantitative Ziele für zahlreiche Industrien und eine Recyclingquote für alle Verpackungsabfälle von 70 Prozent bis 2030. Darüber hinaus wurden spezifische Ziele für Materialien wie beispielsweise Kunststoff (55 Prozent), Holz (30 Prozent), Eisenmetalle (80 Prozent) und Aluminium (60 Prozent) verabschiedet. Somit betrifft der Aktionsplan bereits viele Geschäftsmodelle der verschiedensten Unternehmen.
Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft hätte deutlich positive Effekte für das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt. Die Analysten von Cambridge Econometrics, einem Beratungshaus aus dem Vereinigten Königreich, gehen davon aus, dass durch eine verbesserte Kreislaufwirtschaft in der EU bis 2030 ein zusätzlicher Anstieg des Bruttoinlandsproduktes in Höhe von 0,5 Prozent möglich wäre und etwa 700.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten.
Umfangreiche Investitionen notwendig
Um den Übergang zur Kreislaufwirtschaft erfolgreich zu meistern, sind für Unternehmen umfangreiche Investitionen notwendig. Investiert wird vor allem in den Ausbau von Infrastruktur, Forschung und Entwicklung neuer Technologien und die Schulung von Mitarbeitern.
Finanzierende Banken spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie tragen als Finanzierungsgeber zur Verwirklichung von nachhaltigen Projekten bei und unterstützen Unternehmen bei der Identifizierung der Projekte, der Auswahl geeigneter Finanzierungsinstrumente und begleiten den Prozess der Strukturierung bis zur Finalisierung.
Die Möglichkeiten sind dabei vielfältig und reichen von Finanzierungsformaten, die an internationale Standards gekoppelt sind, über Finanzierungen für Investitionen in EU-Taxonomie-fähige und -konforme Aktivitäten bis hin zu Instrumenten, die an Nachhaltigkeitskennzahlen geknüpft sind.
Da Investoren vermehrt Interesse an nachhaltigen Unternehmen zeigen, können nachhaltige Finanzierungen den Zugang zu Kapital erleichtern. Finanzierungen zur effizienteren Ressourcennutzung können bei Unternehmen zudem zu Kosteneinsparungen führen. Durch die Bereitstellung von Kapital für grüne und zirkuläre Projekte kann somit sowohl die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen als auch deren Umweltbilanz verbessert werden.
Autor
Benjamin Wohnhaas
Benjamin Wohnhaas ist Teil des Sustainable Finance Teams und leitet das ESG Customer Advisory Team der Raiffeisen Bank International in Wien.
benjamin.wohnhaas@rbinternational.com
Andreas Schild
Andreas Schild ist Head of Investment Finance Sales bei der Raiffeisen Bank International in Wien.