Der Markt für Nordic High Yield Bonds ist mit einem ausstehenden Volumen von circa 50 Milliarden Euro der größte paneuropäische Markt für bankenunabhängige Finanzierungen mittelständischer Unternehmen. Mit einem Emissionsvolumen von typischerweise 30 bis 250 Millionen Euro ist der Nordic Bond ideal für den Einstieg in den Kapitalmarkt. Er bietet die Möglichkeit, sich internationale Investoren zu erschließen, was gerade für organisch oder über M&A stark wachsende Unternehmen interessant sein kann, für die eine traditionelle Bankfinanzierung zu geringes Finanzierungsvolumen oder -flexibilität bietet oder aus anderen Gründen nicht darstellbar ist.
Nordic Bonds bieten diverse Vorteile für deutsche Emittenten
Nordic Bonds werden meist nach norwegischem oder schwedischem Recht begeben, was es im Gegensatz zum deutschen Recht erlaubt, eine administrative, zentrale Treuhänderfunktion in die Struktur einzubeziehen, die bei Investoren wie auch Emittenten vertrauensbildend ist. Ebenso unterliegen die Dokumentation sowie die Transparenz- und Berichtspflichten gewissen Standards.
Im Gegensatz zum Mittelstandsanleihemarkt agieren dadurch auch internationale institutionelle Investoren im Nordic-Bond-Markt. Der Vorteil für Emittenten ist eine breitere und tiefere Investorenbasis, die eine größere Transaktionssicherheit bietet und höhere Transaktionsvolumina ermöglicht. Institutionelle Investoren bieten außerdem zusätzlichen Spielraum, da sie weitere Mittelaufnahmen über mögliche Anleiheaufstockungen mittragen können.
Deutsche Anleiheemittenten entdecken den Nordic Bond
Vor dem Hintergrund haben sich in den vergangenen Jahren vermehrt neue und etablierte deutsche Anleiheemittenten für den Nordic Bond statt für die Mittelstandsanleihe entschieden. Wichtig ist für sie dabei die Möglichkeit, ihre bestehenden institutionellen und Retail-Investoren in das neue Anleiheformat mitzunehmen. Deutsche institutionelle Investoren sind grundsätzlich auch im Markt für Nordic High Yield Bonds aktiv. Da diese aber in der Regel nur über Privatplatzierungen bei institutionellen Investoren platziert werden, gibt es meist keinen gebilligten Wertpapierprospekt für die Ansprache von Retail-Investoren.
Um diese in Nordic-Bond-Transaktionen ansprechen zu können, existiert seit 2018 ein kombiniertes Format aus einem Nordic High Yield Bond mit Privatplatzierung und einem öffentlichen (Umtausch-)Angebot in Deutschland – auf Basis eines gebilligten Wertpapierprospektes. Emittenten aus dem deutschsprachigen Raum wird dadurch die Möglichkeit gegeben, die maximal mögliche Investorenbasis anzusprechen. Genutzt haben dieses kombinierte Format bereits Emittenten wie Hörmann Industries, Mutares oder die DEAG Deutsche Entertainment AG.
Vorteile und Herausforderungen des kombinierten Formats
Prozessual unterscheidet sich ein kombiniertes Format wenig von einer klassischen deutschen Mittelstandsanleihe. Zeitlich wird der Prozess von dem Prospektbilligungsverfahren bestimmt. Parallel werden für die Vermarktung im Rahmen der Privatplatzierung eine Investorenpräsentation sowie ein Nordic Bond Term Sheet erstellt. Relevant ist ein kombiniertes Format vor allem für Emittenten mit bestehender Retail-Investoren-Basis, öffentlicher Wahrnehmung oder Markenerkennungswert.
Durch die Ansprache der maximal möglichen Investorenbasis bietet ein kombiniertes Format die höchstmögliche Transaktionssicherheit. Dennoch stellt es den Emittenten aufgrund des erhöhten Aufwandes, der zusätzlichen Rechtskosten und des weniger flexiblen Prozesses durch den Prospekt auch vor Herausforderungen, die abgewogen werden sollten.
Autor
Christian Czaya ist Head of Fixed Income Sales bei Pareto Securities in Frankfurt am Main.
Julian Müller ist Partner Investment Banking bei Pareto Securities in Frankfurt am Main.
christian.czaya@paretosec.com
julian.mueller@paretosec.com