Pension Buy-outs liegen im Trend

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com

Die Pensionsrückstellungen in den Bilanzen deutscher Unternehmen sind auf dem niedrigsten Stand seit langem. Parallel erreichen die Deckungsquoten Höchststände. Die zukünftige Zins- und Inflationsentwicklung ist dagegen alles andere als sicher und stellt Unternehmen somit vor erhebliche Risiken.

Für die Übertragung von Pensionsverpflichtungen auf externe Risikoträger lässt sich wohl kaum ein besserer Zeitpunkt finden als jetzt, denn mit dem Zinsanstieg ist es für Unternehmen deutlich kostengünstiger geworden. Entsprechend steigt die Nachfrage, was der Blick auf die Marktentwicklung bestätigt: Die Anzahl der Transaktionsprojekte ist in den vergangenen zwölf Monaten deutlich gestiegen und immer mehr Berater unterstützen Unternehmen bei Auslagerungsprozessen. Auch die Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (Aba) beschäftigt sich intensiv mit der Rentnergesellschaft, um Unternehmen Leitlinien für eine nachhaltige Umsetzung zu bieten.

Weniger Risiko und Schwankungen

Unternehmen agieren aktuell aber nicht nur opportunistisch, sondern verfolgen langfristig orientierte, strategische Ziele. Mit der Übertragung der Pensionsverpflichtungen auf einen externen Risikoträger ist das abgebende Unternehmen rechtlich nicht mehr verantwortlich und von wirtschaftlichen Risiken wie Langlebigkeit, Inflation und Kapitalanlage befreit. Bilanztechnisch werden die Verkürzung der Bilanz und der Ausschluss zukünftiger Schwankungen im Eigenkapital erreicht. Strategisch stellt sich ein Unternehmen im Wettbewerb besser auf, weil es alle nicht mehr zum heutigen Kerngeschäft gehörenden Altverpflichtungen abgibt.

Das hat Vorteile bei M&A- oder Restrukturierungsprojekten und auch bei den Anforderungen des demographischen Wandels. Der Prozess gestaltet sich dabei wie folgt: Pensionsverpflichtungen und das notwendige Vermögen werden per Spaltung gemäß Umwandlungsrecht auf eine neu gegründete Gesellschaft, die Rentnergesellschaft, übertragen; diese geht dann an einen externen Risikoträger über. In der Regel sind dafür drei bis sechs Monate erforderlich. Eine Zustimmung von Versorgungsberechtigten, Betriebsräten oder Aufsichtsbehörden ist nicht nötig.

Diese nicht-versicherungsförmige Möglichkeit, Pensionsverpflichtungen und damit Risiken zu übertragen, wird von Unternehmen sehr positiv aufgenommen. Viele haben schon lange auf solche Lösungen gewartet. Das Interesse geht über Industrien hinweg, die Motivation für die Auslagerung ist allerdings sehr unterschiedlich. Regulierte Unternehmen möchten Schwankungen in ihren aufsichtsrechtlich relevanten Kennzahlen vermeiden. In Branchen, die sich in der Transformation befinden, geht es darum, sich ohne „Altlasten“ neu aufzustellen und auch die Bilanz und die wesentlichen Finanzkennzahlen an das zukünftige Geschäftsmodell anzupassen.

Die Rentnergesellschaft ist sicher

Rentnergesellschaften sind nicht nur eine sehr effiziente, sondern auch eine sehr sichere Lösung für die Auslagerung von Pensionsverpflichtungen. Analysen haben gezeigt, dass ihre kumulierten Ausfallwahrscheinlichkeiten über einen langen Zeitraum deutlich niedriger sind als die von Unternehmen mit Investmentgrade-Ratings oder sogar AA-Ratings.

Die Rentnergesellschaft bietet somit nicht nur Vorteile für Unternehmen: Sie sichert auch die Versorgungsansprüche der ehemaligen Mitarbeiter ab und macht die deutsche betriebliche Altersversorgung insgesamt robuster.

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