Renditechancen nutzen

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com

Mit der hohen Inflation war es schwierig, eine positive Realrendite am europäischen Rentenmarkt zu erwirtschaften. Um auskömmliche Rendite-Chancen zu nutzen, eignet sich für Anleger im Jahr 2024 vor allem der europäische Unternehmensanleihemarkt, der eine positive Realrendite bietet. Seitdem die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) in den vergangenen zwei Jahren eine Renaissance des Rentenmarktes auslösten, locken auskömmliche Renditen die Anleger an den Rentenmarkt.

Boten Staatsanleihen aus dem Euroraum Anfang 2022 nur eine Rendite von 0,5 Prozent, konnten nur ein Jahr später bereits 3,0 Prozent Rendite bei einer Neuanlage vereinnahmt werden. Doch lange Zeit konnten auch diese attraktiven Renditen dem Anleger unterm Strich keinen Gewinn erwirtschaften.

Realrendite liegt bei Null

Der Grund: Die Verbraucherpreisinflation stieg im Euroraum kontinuierlich auf bis zu 10,6 Prozent im Oktober 2022 an. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zum selben Zeitpunkt bei rund 2,3 Prozent, zweijährige Papiere sogar nur bei rund 1,9 Prozent. Die Realrendite war somit deutlich negativ.

Seitdem befindet sich die Inflation im Euroraum auf dem Rückzug, verharrt aber weiterhin über dem 2-Prozent-Ziel der Notenbank. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen bewegt sich seit Oktober 2022 stets zwischen 2,0 und 2,8 Prozent. Das bedeutet weiterhin eine negative Realrendite für den Anleger. Die Teuerung im Euroraum sollte sich auch in den kommenden Monaten rund um die 2,5-Prozent-Marke einpendeln.

Dem gegenüber steht die Einschätzung von Rentenexperten, dass sich die Anleiherendite für zehnjährige Bundesanleihen zum Jahresende ebenfalls auf 2,5 Prozent belaufen dürfte. Die Realrendite liegt somit bei einer schwarzen Null.

Attraktive Option

Daher präferieren Anleger auf Euro lautende Unternehmensanleihen mit guter Bonität im Investmentgrade-Rating. Mit einer laufenden Verzinsung von circa 3,5 Prozent, gemessen am Ice BofA Euro Corporate Index ER00, bieten sie ein attraktives Chance-Risiko-Profil und auch weiterhin eine mehr als auskömmliche Rendite im Hinblick auf die Inflationsentwicklung.

Bereits seit der Stabilisierung der Märkte im Oktober 2022 liefern Unternehmensanleihen einen Mehrertrag gegenüber europäischen Staatsanleihen. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen – denn dank positiver Fundamentallage und robuster Endnachfrage sollten sich die Risikoaufschläge (Spreads) von Unternehmensanleihen gegenüber Bundesanleihen im Band von 100 bis 130 Basispunkten einpendeln und stabil halten – vorausgesetzt, es kommt zu keinen (geo-)politischen Verschärfungen. Dadurch sollte der höhere Carry von Unternehmensanleihen vereinnahmt werden können.

Titel sorgfältig auswählen

Vor allem die weiterhin soliden Fundamentaldaten der Unternehmen sprechen für diese Assetklasse. Die Profitabilität der Unternehmen hält sich auf hohem Niveau, was sich in den Quartalsberichten vom zweiten Quartal 2024 zeigt – und das trotz einer Konjunktureintrübung im Euroraum.

Und auch mit Blick auf die Verschuldungsstruktur zeigt sich ein freundliches Bild: Die Verschuldungsgrade von Unternehmen mit guter bis sehr guter Bonität waren in den vergangenen Jahren rückläufig, so dass sich die Verschuldung insgesamt auf Vor-Corona-Niveau befindet.

Zyklische Unternehmen sind von dieser Entwicklung allerdings ausgenommen. Daher ist eine sorgfältige Titelselektion zentral. Essentiell ist eine tiefgehende fundamentale Recherche. Auch ein aktives Risikomanagement – sowohl auf Einzeltitel- als auch auf Portfolioebene – hilft, die asymmetrischen Profile von Unternehmensanleihen erfolgreich zu managen und damit Vorteile gegenüber passiven Investments zu erzielen. 

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