So gelingt die Post-IPO-Finanzierung

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Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com
Fachbeitrag aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2024. Foto: jchizhe - stock.adobe.com

Der Börsengang, auch Initial Public Offering (IPO) genannt, markiert für viele Unternehmen einen bedeutenden Meilenstein. Dabei beschränken sich die Herausforderungen im Rahmen eines IPO nicht nur auf die Platzierung der Aktien. Insbesondere die Post-IPO-Finanzierung ist ein wesentlicher Bestandteil eines erfolgreichen Börsengangs und sollte daher bereits frühzeitig und ganzheitlich in die strategische Planung integriert werden.

Eine Post-IPO-Finanzierung muss nicht nur ausreichen, um den langfristigen Kapitalbedarf zu decken, sondern sie sollte auch durch eine flexible Kreditdokumentation gekennzeichnet sein. Dies ermöglicht es dem Management, den Fokus auf die Umsetzung der Unternehmensstrategie zu legen. Wichtige Aspekte sind unter anderem die Sicherstellung des operativen Bedarfs durch Betriebsmittel- und Garantielinien sowie die Bereitstellung von Investitionslinien für Expansionsprojekte und Akquisitionslinien für anorganisches Wachstum. Eine solide Finanzierungsstruktur ist entscheidend, um das Vertrauen der Investoren in die Umsetzbarkeit der Equity-Strategie zu stärken. Unsicherheit oder eine komplexe Refinanzierung nach dem Börsengang wären kontraproduktiv.

Optimiertes Covenant-Regime

Unternehmen, die aus einer Leverage-Finanzierung kommen und durch den Börsengang ihren Verschuldungsgrad signifikant reduzieren, haben die Möglichkeit, ihre Kreditbedingungen wesentlich zu verbessern. Dies umfasst ein optimiertes Covenant-Regime, erleichtertes Reporting und eine geringere Einbringung an Kreditsicherheiten. Abhängig von der Qualität des Unternehmens und dem Post-IPO-Verschuldungsgrad kann die neue Kreditdokumentation deutlich näher an eine Investmentgrade-Struktur heranrücken.

Viele Kreditdokumentationen erlauben explizit ein Börsen-Listing, ohne dass bestehende Kredite refinanziert werden müssen. Bei einem Qualified-IPO-Event, das bestimmte Kriterien wie den Anteil der gelisteten Aktien und die maximale Eröffnungsverschuldung festlegt, können Einschränkungen in der Dokumentation entfallen und verbesserte Konditionen in Kraft treten. Diese Variante kann eine effiziente Alternative zur vollständigen Refinanzierung darstellen, obwohl eine Roll-over-Finanzierung nicht alle aktuellen Bedürfnisse eines Unternehmens perfekt antizipieren kann.

Banken versus Institutionelle

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Kreditgeber: Leverage-Finanzierungen werden häufig von institutionellen Investoren dominiert, die einen höheren Risikoappetit haben als traditionelle Banken. Diese Investoren sind möglicherweise nicht ideal für ein börsennotiertes Unternehmen. Mit einem verbesserten Rating nach dem Börsengang wird das Unternehmen für eine Bankenfinanzierung attraktiver. Die Entschuldung und das verbesserte Rating führen zu einer verbesserten Angebotssituation, die sich in attraktiven Konditionen und einem verbesserten Pricing widerspiegelt. Eine vollständige Refinanzierung über Banken kann daher vorteilhaft sein, auch wenn dies einen erhöhten Arbeitsaufwand für das Management bedeutet.

Eine Post-IPO-Finanzierung erfordert eine frühzeitige und sorgfältige Planung sowie strategisches Management. Ein Debt Advisor kann bei der Evaluierung und Umsetzung der Refinanzierungsstrategien sowie bei den Verhandlungen mit Finanzierungspartnern einen erheblichen Mehrwert bieten und das Management entlasten – insbesondere, um die beste Finanzierungsstruktur zu sichern und langfristige Wachstumsziele zu realisieren.

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