So gelingt Supplier Finance

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Fachbeiträge aus der Sonderbeilage Structured FINANCE 2022
Fachbeiträge aus der Sonderbeilage Structured FINANCE 2022 Foto: Eduardo - stock.adobe.com

Die Automobilindustrie ist prädestiniert für Supplier-Finance-Angebote, da aufgrund beste­hender Fertigungs- und Logistikprozesse bereits eine tiefgreifende Integration und Automatisie­rung des Purchase-to-pay-Prozesses existiert. Faktoren wie Just-in-time-Delivery und höchs­ter Qualitätsanspruch führen zu einer erhöhten Störanfälligkeit mit negativen Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette. Somit ist die finanzielle Leistungsfähigkeit der gesamten Supply Chain ein Erfolgsfaktor.

Die ehemalige Daimler AG hat diese Fakto­ren schon vor vielen Jahren erkannt und im Zuge der Finanzkrise 2009 ein Supplier-Finance-Pro­gramm für die Lieferanten der Produktionsstätten in Deutschland aufgelegt, das jedoch aufgrund stetig wachsender Anforderungen nach einigen Jahren bereits an seine Grenzen stieß. Insbeson­dere die mangelnde Skalierbarkeit im Hinblick auf Jurisdiktionen und Währungen in Verbindung mit technischen Limitierungen bei der ERP-Integ­ration führte sowohl bei Lieferanten als auch bei internen Stakeholdern zu rückläufiger Akzeptanz. Hinzu kamen Aspekte wie zunehmender Finanzie­rungsbedarf sowie der Wunsch nach einer breite­ren Einbindung bestehender Finanzierungspartner.

Vor diesem Hintergrund führte Daimler Ende 2019 ein zusätzliches Supplier-Finance-Programm in Deutschland ein, das auf einer bankenunab­hängigen Supplier-Finance-Plattform implemen­tiert wurde. Beide Programme liefen zunächst parallel, um die Akzeptanz aller Stakeholder so­wie eine reibungslose Prozessautomatisierung zu testen. Nach der erfolgreichen Pilotphase trieb das Unternehmen bereits ab dem ersten Quartal im Jahr 2021 die Skalierung voran, indem das Onboarding neuer Lieferanten der Daimler AG ausschließlich auf der neuen Plattform stattfand. Parallel dazu wurden Tochtergesellschaften der Daimler AG und mit wachsendem Finanzierungs­bedarf weitere Finanzierungspartner in die neue Lösung integriert. Diese schrittweise Skalierung war problemlos möglich, weil der gewählte Platt­formansatz eine klare Trennung der technischen Integration von der Finanzierung und dem On­boarding der Lieferanten vorsieht.

Neuausrichtung des Programms

Im Jahr 2021 hat die Daimler AG die Ausglie­derung des Lkw-Geschäfts bekanntgegeben und diese im Dezember 2021 vollzogen. In der Fol­ge musste das bestehende Supplier-Finance-Pro­gramm in rechtlicher, technischer und organisa­torischer Sicht ebenfalls neu ausgerichtet werden. Im Wesentlichen umfasste dies den Abschluss neuer Verträge mit bestehenden Lieferanten und Finanzierungspartnern sowie die Neuausrichtung der IT-Prozesse.

Sämtliche Maßnahmen mussten pünktlich zum Ausgliederungsstichtag abgeschlossen sein, um die reibungs- und lückenlose Finanzierung für alle Lieferanten sicherzustellen. Die Ausglie­derung war ebenfalls der Anlass, das ursprüng­liche Supplier-Finance-Programm der einstigen Daimler AG auf die neue Plattform zu übertra­gen. Auch diese Migration erforderte eine exakte Planung und eine professionelle Projektsteuerung, um einen reibungslosen Übergang im geplanten Zeitrahmen zu gewährleisten.

Nach Abschluss dieser Maßnahmen hat Mer­cedes-Benz ab dem ersten Quartal im Jahr 2022 die Skalierung des Supplier-Finance-Angebots massiv vorangetrieben. Hierzu wurden die Pro­duktionsstätten in Ungarn und den USA in das Reverse-Factoring-Angebot einbezogen. Darüber hinaus wurde durch eine besondere Task-Force die Anzahl der Lieferanten-Onboardings deutlich erhöht.

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