Umlaufvermögen anders finanzieren

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Fachbeiträge aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2023. Foto: Tinnakorn-stock.adobe.com
Fachbeiträge aus der Sonderbeilage zur Structured FINANCE 2023. Foto: Tinnakorn-stock.adobe.com

Im traditionellen Kreditgeschäft sind die Dinge einfach: Aktiva werden durch Passiva finanziert, wobei in Europa traditionell der Bankkredit eine besondere Rolle einnimmt. Letzteren begibt die Bank entweder ohne Sicherheiten (blanko) oder besichert. Der Nachteil dieser traditionellen Herangehensweise: Die Verschuldungsquote steigt, die Rendite auf das eingesetzte Kapital sinkt, was letztlich die Finanzierungskosten in die Höhe treibt.

Alternative Finanzierungsformen für das Umlaufvermögen

Da ein Betriebsmittelkredit zweckgebunden ist, liegt die Idee nahe, Kredit und Finanzierungsgegenstand stärker zu verbinden. Anstatt der Bank eine Sicherheit am Umlaufvermögen zu gewähren, überlässt man der Bank das Eigentum als solches. Die Besicherung der Bank ist stärker, und der Umfang zur Betriebsmittelfinanzierung wird niedriger, weil Betriebsmittel direkt in der Bank ausgelagert werden.

Allerdings sind alternative Finanzierungsformen nicht für jedes Unternehmen und jede Situation gleichermaßen geeignet, denn das Umlaufvermögen befindet sich in ständigem Wandel. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen kommen und gehen, ebenso die Vorräte. Das führt dazu, dass nicht alle Unternehmensgegenstände gleichermaßen dazu geeignet sind, einer Bank überlassen zu werden.

Diverse Einflussfaktoren für alternative Finanzierungsformen

Je höher das Kreditrisiko des Unternehmens, desto attraktiver werden alternative Finanzierungsformen. Unternehmensgegenstand, Produktart, Branchengepflogenheiten und Vertragspraxen beeinflussen stark, in welchem Maße alternative Finanzierungsformen möglich sind und was sie kosten. Zudem versuchen Banken heute, die Nachhaltigkeit ihrer Kunden und des eingebrachten Kapitals zu beeinflussen, indem sie den Kredit oder dessen Preis an bestimmte ESG-Kriterien knüpfen. Diese wirken allerdings nur indirekt – eben über den ausgegebenen Kredit.

Darin liegt eine bisher wenig diskutierte Chance alternativer Finanzierungsformen: Eine engere Verknüpfung oder gar Verschmelzung von Finanzierung und Finanzierungsgegenstand führt zu einer höheren Verantwortung des Kapitalgebers.

Wenn einem Finanzinstitut etwa Umlaufvermögen wie beim Leasing gehört, ist die Bank viel stärker in der Pflicht, als wenn sie es nur im Rahmen eines Kreditvertrages überwacht. Mit alternativen Finanzierungsformen lassen sich daher Nachhaltigkeitskriterien direkter umsetzen als mit traditionellen Krediten.

Die Rolle der Banken als Berater

Unternehmensfinanziers sind oft von Spezialisten mit eigenem Fachvokabular umringt. Dabei interessiert sie meist in erster Linie, warum welches Finanzprodukt für das eigene Unternehmen und die eigene Situation sinnvoll ist. Wenn Banken als Berater produktübergreifend über die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten informieren, kommt dies auch den Banken zugute, weil sie so als langfristige Partner agieren können und nicht nur kurzfristig Produkte verkaufen.

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SF Themen