Von pulsierenden Metropolen bis hin zu prachtvollen Landschaften bieten Schwellenländer in Südostasien, Osteuropa, Afrika und Lateinamerika eine einzigartige Mischung aus Chancen und Herausforderungen: eine wachsende Mittelschicht, Urbanisierung und ein Verlangen nach Infrastruktur und Innovation. Mit schnellem Wirtschaftswachstum und einem enormen Potential versprechen diese Märkte oft höhere Renditen und Impact als entwickeltere Märkte.
Allerdings gehen damit auch spezielle Risiken einher. Die Herausforderungen liegen auf der Hand: Regierungen in Schwellenländern können volatil und die Märkte oft anfällig für wirtschaftliche Schocks sein, sei es durch globale Rohstoffpreis- und Währungsschwankungen oder Inflationsdruck. Vieles kann sich also kurzfristig und unvorhersehbar ändern. Die Regulatorik, mangelnde Transparenz oder Umwelt- und Sozialrisiken können erhebliche Herausforderungen für Investoren darstellen, die Stabilität und berechenbare Investitionen suchen.
Niedrige Ausfallraten bei Finanzierungen
Neu veröffentlichte Daten des Global Emerging Markets Risk Database (GEMs) Consortium, einer Gruppe von 25 multilateralen und bilateralen Entwicklungsbanken, lassen jedoch entgegen der Annahme vieler Investoren ein geringeres Risiko für private Investitionen in Schwellenmärkten vermuten. Die Berichte zeigen, dass die Ausfallraten der privatwirtschaftlichen Finanzierungen im GEMs-Portfolio während der vergangenen circa 30 Jahre durchschnittlich bei etwa 3,5 Prozent lagen, vergleichbar mit den durchschnittlichen Ausfallraten von Unternehmen mit einem B-Kreditrating von S&P (3,4 Prozent) und einem B3-Rating von Moody’s (4,0 Prozent).
Während globaler Krisen waren die Ausfallraten im GEMs-Portfolio sogar niedriger als bei den Vergleichswerten von S&P und Moody’s. Selbst die durchschnittliche Verwertungsquote war mit etwa 70 Prozent relativ hoch.
Die im März 2024 von der International Finance Corporation, der größten Entwicklungsbank für die Privatwirtschaft in Schwellenländern, veröffentlichten Daten zeigen, dass ihr Portfolio von 1986 bis 2023 eine niedrige durchschnittliche Ausfallrate von 4,1 Prozent auswies. Dies verdeutlicht das ungenutzte Potential und die Widerstandsfähigkeit von Investitionen in Schwellenmärkten, in denen händeringend mehr Kapital benötigt wird. Diese Investitionen sind manchmal wie eine Fahrt in unbekannte Gewässer; mit den richtigen Daten und dem richtigen Navigator kann es durchaus eine erfolgreiche Reise werden.
Entwicklungsbanken unterstützen Investoren
Hier können Entwicklungsbanken eine wichtige Rolle spielen. Sie helfen institutionellen und kommerziellen Investoren zum Beispiel dabei, politische Risiken zu mindern und Investoren vor Verlusten durch Enteignung oder staatliche Vertragsbrüche zu schützen. Solche Instrumente bieten Sicherheit und machen Investitionen attraktiver. Entwicklungsbanken bieten zudem langfristige Finanzierungen in Märkten an, in denen diese nicht verfügbar sind. Sie unterstützen die Verbesserung und Weiterentwicklung regulatorischer Rahmenbedingungen vor Ort.
Ein Beispiel ist das Bujagali-Wasserkraftprojekt in Uganda. Das ambitionierte Projekt soll die chronischen Stromausfälle des Landes beheben und die lokale Wirtschaft fördern. Aber es stand vor erheblichen politischen und finanziellen Schwierigkeiten. Die Weltbank und andere Entwicklungsbanken halfen. Sie stellten Finanzierung, Garantien und technische Unterstützung bereit, um private Investoren anzuziehen. So konnte ein Ausfall vermieden und das Projekt letztlich erfolgreich abgeschlossen werden.
Autor
Jan van Bilsen
Jan van Bilsen ist Landesdirektor Deutschland bei der International Finance Corporation (IFC), einer Organisation der Weltbankgruppe.