Neben unterbrochenen Lieferketten und dem anhaltenden Rohstoffmangel führen vor allem steigende Inflationsraten sowie explodierende Energiekosten zu erhöhten Produktions- und Logistikkosten. Für Unternehmen ergibt sich daraus in der Folge ein steigender Exposure- und Finanzierungsbedarf auf Seiten der entsprechenden Debitoren. Während sich also verschiedenste Risikofaktoren stärker ausprägen, müssen sich Unternehmen zugleich stärker absichern, um weiter handlungsfähig zu bleiben.
Aussagekraft von Bilanzen gering
Derzeit versuchen viele Finanzverantwortliche – aber auch Kreditversicherer und Finanzierer – herauszufinden, mit welchen Geschäftspartnern auch künftig noch ein sicheres Geschäft im In- und Ausland möglich ist. Zudem wollen sie wissen, wie sich die aktuellen weltpolitischen Ereignisse auf das Konsumverhalten auswirken werden.
Um Geschäftsrisiken frühzeitig und die Bonität von Geschäftspartnern besser einschätzen zu können, wird es immer wichtiger, deren aktuelle wirtschaftliche Situation zu kennen. Denn die Märkte sind, befeuert durch die bereits genannten Belastungen, extrem volatil, und das Veränderungsrisiko ist immens hoch. Dabei reicht es häufig nicht mehr, sich im August eines Jahres auf die Bilanzzahlen des vorangegangenen zu stützen. Diese Bilanzen haben kaum noch Aussagekraft.
In einem unsicheren Umfeld liegt es auf der Hand, sich mit Lösungen rund um das Forderungsmanagement zu befassen. Unternehmensinformationen, Kreditversicherungs- und Factoringlösungen geraten daher in den Fokus der Kreditmanager. Aber welche Unterstützung kommt von entsprechenden Dienstleistern? Und wie reagiert der Kreditversicherer, wenn steigende Absicherungs- und Finanzierungsbedürfnisse aufgrund steigender Rohstoff- und Energiepreise auf ein sich abzeichnendes stark rückläufiges gesamtwirtschaftliches Umfeld treffen?
Neben der Auswertung vorliegender Geschäftszahlen und ständig aktualisierter Analysen von Branchen und Ländern setzen Kreditversicherer stark auf die Informationen, die sie aus den Zahlungserfahrungen ihrer Kunden erhalten – insbesondere, wenn klassische Warnsignale, wie in jüngster Vergangenheit die Insolvenzanmeldepflicht, ausgesetzt werden.
Eine jährliche Studie befragt deutsche Unternehmen nach deren Zahlungserfahrungen in den vergangenen zwölf Monaten. In der jüngsten Befragung (durchgeführt im Q3/2022) berichteten 65 Prozent der Befragten von Zahlungsverzögerungen – das bedeutet ein Plus von 6 Prozent gegenüber 2021. Besonders betroffen von Zahlungsverzögerungen sind Pharma/Chemie (76 Prozent; 21 Prozentpunkte mehr als 2021) sowie Transport und Maschinenbau (jeweils 73 Prozent; 6 beziehungsweise 13 Prozentpunkte mehr als 2021).
Engere Kommunikation ist nötig
Ein weiterer Lösungsansatz ist eine (noch) engere und regelmäßige Kommunikation zwischen Kunden, Debitoren und Warenkreditversicherern – mit dem Ziel, aus allen zusammengetragenen Informationen ein Gesamtbild mit Blick auf die nahe Zukunft zu zeichnen. Dazu zählen unter anderem der offene Dialog über sich eintrübende wirtschaftliche Aussichten sowie die gemeinsame Erarbeitung angedachter Gegenmaßnahmen. Denn eine proaktive Kommunikation zwieschen den Partnern schafft Vertrauen, und auf dieser Grundlage können bedarfsgerechte Kreditlimite abgestimmt und zur Verfügung gestellt werden.
Autor
Autoren:
Benjamin Bubner ist Head of Global Solutions für die Region Nordeuropa bei Coface in Mainz.
Ansgar Kugelstadt ist Head of Business Development & Structured Finance und Geschäftsführer der Coface Finanz GmbH in Mainz.